„Sprache zum Anfassen“

Zugewanderte Jugendliche lernen Deutsch durch visuelle Reize

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Unter dem Motto „Sprache durch Wald erleben“ nahmen die jungen Menschen am FerienIntensivTraining in Olpe teil.

Olpe – Wie sehen Buche, Birke und Eiche aus? Welches Tier gehört zum deutschen Wort „Fuchs“? Welche Pilze sollte man lieber nicht anfassen? „Sprache durch Wald erleben“ lautete das Motto des FerienIntensivTrainings (FIT) für zugewanderte junge Menschen an der Sekundarschule Olpe am Donnerstag. Ziel des Projektes war es, den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Zugang zur deutschen Sprache zu erleichtern.

„Natürlich gehört auch Unterricht dazu, wie er den Rest der ersten Herbstferienwoche für die Schüler angeboten wurde. Aber Sprache zum Anfassen, in gemeinschaftlicher Atmosphäre durch den Wald zu erleben, etwas zu entdecken und abzuspeichern – das ist es, was das Programm ausmacht“, beschrieb Judith Schulte, Integrationsfachbeauftragte der Stadt Olpe, das Sprachtraining. Försterin Barbara Schumacher vom Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland leitete die alltagsnahe umweltpädagogische Führung. 

Das Projekt richtete sich an Schüler unterschiedlicher Schulen bis in die Oberstufe hinein. Bereits in den Sommerferien fand eine ähnliche Initiative statt. Gefördert wird das „FerienIntensivTraining“ durch das Schulministerium des Landes NRW und die Stadtverwaltung Olpe. Rund 25 Zugewanderte aus 13 Nationen nahmen dieses Mal an dem fünftägigen Ferienprojekt teil – alle freiwillig. „Das löscht die Vorurteile, dass die Heranwachsenden sich nicht integrieren wollen“, fügte die Organisatorin hinzu. 

„Wenn man Deutsch kann, ist alles leichter“

Auch bei den Jugendlichen kam das Angebot, ein besseres Gefühl für die deutsche Sprache zu entwickeln, gut an: „Man kann viele neue Wörter lernen und in den Dialog mit anderen, die Deutsch sprechen, gehen. Aber man kann auch mit manchen in der Heimatsprache über seine Probleme mit Deutsch reden“, erzählte die 16-jährige Sekundarschülerin Tuka Jaban aus Syrien. Sie hat bereits in den Sommerferien an der Maßnahme teilgenommen. „Wir lernen, wie es hier in der Gegend aussieht, und können das damit vergleichen, wo wir herkommen. Wenn man Deutsch kann, ist alles leichter“, bilanzierte die Jugendliche. 

Doch wie bringt man einer Klasse eigentlich Deutsch bei, wenn 13 Nationen von Osteuropa bis Asien und Afrika vertreten sind? „Das ist natürlich nicht ganz leicht. Wenn die Schüler, wie in diesem Fall, das Druckschriftsystem beherrschen, ist schon der erste Grundstein gesetzt. Man fängt mit Dialogen, Leseübungen und Wortkarten an. Zudem bringen sich die Schüler auch viel gegenseitig bei. Einige von ihnen sind schließlich schon ein Jahr in Deutschland, während andere erst vor einem Monat angekommen sind und noch nicht so viel Kontakt zur deutschen Sprache hatten“, erklärte Deutschlehrer Klaus Schulte. 

Umso wichtiger sei deswegen das Lernen durch visuelle und akustische Reize, wie es durch den Waldlehrpfad möglich sei. „Wir brauchen Sprache zum Anfassen, und nicht nur stumpfes Abarbeiten eines Lehrbuches“, so das abschließende Fazit von Fachlehrer Klaus Schulte.

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