Jeden Samstag eine andere Sichtweise

"Respekt"-Kampagne: Das sagen ein "Kipepeo"-Mitglied und ein Jugendtreff-Leiter

Kreis Olpe/Hochsauerland. Der SauerlandKurier und der Bundesverband deutscher Anzeigenblätter (BVDA) stellen das Wort "Respekt" im Jahr 2019 in den Mittelpunkt. In einer gemeinsamen Kampagne präsentieren wir unseren Lesern jede Woche eine andere Sichtweise.

Respekt sollte eine wahre Selbstverständlichkeit sein 

„Respekt“ – Dieser Begriff klingt für mich zunächst nach einer Aufforderung. „Hey, habt etwas mehr Respekt vor Eurem Lehrer!“ oder „Bitte zeigen Sie etwas mehr Respekt im Umgang mit älteren Menschen!“ Hier wird eine Verhaltensweise gefordert, die den Selbstwert des Gegenübers nicht nur achtet, sondern ihn darüber hinaus zu etwas Einzigartigem macht. Respektiere mich, weil ich anders bin! 

Diese Sichtweise macht den Begriff „Respekt“ notwendigerweise zu einem moralischen Appell. Menschen, die einer bestimmten Gruppe angehören, verdienen aufgrund ihrer Andersartigkeiten eine besondere Achtung. Vielfalt in kultureller, ethnischer, geschlechtlicher oder sozioökonomischer Hinsicht verlangt aber nicht nach Respekt, sondern nach Gleichstellung. „Respekt“ hingegen impliziert eine Hierarchie und legt den Fokus auf die Unterschiedlichkeit und weniger darauf, dass alle (!) Menschen eigentlich die gleiche respektvolle Behandlung, verdienen. 

Für mich ist das Wort das, was Wikipedia als „Scheu vor jemanden mit übergeordneter Stellung“ bezeichnet. Eine Rangwertigkeit, die wichtig sein kann, wenn auf Situationen der Diskriminierung aufmerksam gemacht werden muss. Wenn Menschen nach ihrer Flucht im „sicheren“ Deutschland angekommen sind, hier aber aufgrund ihrer Herkunft respektlos behandelt werden. Oder wenn Natur und Tieren nicht mit Respekt begegnet wird. 

Solange wir „Respekt“ jedoch einfordern müssen, solange sprechen wir auch von Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Utopisch vielleicht… idealistisch zu hoffen aber, dass sich der Begriff – zumindest in diesem Kontext – irgendwann überflüssig macht. Dann ist „Respekt“ eine wahre Selbstverständlichkeit.

Dunja Tepel vom Winterberger Verein Kipepeo – fair und sozial e.V

Respekt „leben wir quasi jeden Tag“

Ein respektvoller Umgang aller Besuchergruppen im kinder-jugend-& kulturhaus in Finnentrop ist uns allen sehr wichtig. Das leben wir quasi jeden Tag. Egal ob beim Breakdance, wo Jugendliche wie selbstverständlich zusammen mit Grundschulkindern trainieren oder beim Musikprojekt „groove kitchen“, bei dem die Altersspanne zwischen 8 und 17 Jahren liegt. 

Im letzten Jahr haben wir unter dem Motto „(M)ein Stück Heimat“ ein Projekt gestartet, um der Vielfalt der Menschen Ausdruck zu verleihen und dieser Respekt entgegen zu bringen. Um es mit einem Ausspruch einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin zu sagen: „Jeder lebt anders“. 

Respekt beginnt bei einem selbst, mit einer gesunden Offenheit, allen Menschen mit der nötigen Achtung auch respektvoll zu begegnen. Nur selbst Respekt zeigen kann Respekt zurück bringen. Es ist ein Geben und Nehmen. Das heißt bei uns im Jugendhaus, dass die Bedürfnisse der Besucher ernst genommen werden und sie aktiv mitbestimmen und mitgestalten. Das fängt im kleinen an, welcher Song soll als nächstes im Gitarrenkurs gespielt werden, welches Gericht soll als nächstes zubereitet werden, welche Spiele sollen angeschafft werden oder wohin soll der nächste Ausflug gehen. 

Vor Kurzem haben wir schnell im Treff eine Umfrage gestartet – was bedeutet Respekt für euch? Antworten waren „andere tolerieren, nett sein, teilen, nicht beleidigen, dem anderen zuhören oder ausreden lassen“.

Michael Hunold, Theaterpädagoge, Sozialpädagoge, Musiker und Leiter des kjk-Hauses Finnentrop

„Respekt!“ ist eine Kampagne des SauerlandKurier in Kooperation mit dem Bundesverband deutscher Anzeigenblätter (BVDA). Mit diesen redaktionellen Initiativen berichten die im Verband organisierten Wochenblätter verlagsübergreifend mit eigenem lokalem Fokus über relevante Themen, die Menschen in ganz Deutschland bewegen.

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