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Spendenaktion „Sauerlandstones“: 3740 Euro für die Flutopfer in Stolberg

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Von: Hartmut Poggel

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Peter Jussen nahm den Spendenscheck von Carmen Fröhlich entgegen. Er bedankte sich mit einem Sixpack Stolberger Bieres. Im Hintergrund der Weihnachtsmarkt, Corona-konform abgeriegelt
Peter Jussen nahm den Spendenscheck von Carmen Fröhlich entgegen. Er bedankte sich mit einem Sixpack Stolberger Bieres. Im Hintergrund der Weihnachtsmarkt, Corona-konform abgeriegelt. © Hartmut Poggel

Samstagmorgen, 10.15 Uhr. Es ist still in der historischen Altstadt von Stolberg. Nur wenige Menschen sind in der Fußgängerzone unterwegs. Statt adventlicher Deko „zieren“ Schaltafeln die Schaufenster.

Kreis Olpe/Stolberg - Die einzigen Geräusche kommen von Bohrmaschinen oder Kompressoren. Die 56.000 Einwohner zählende Stadt in der Region Aachen leidet schwer unter den Folgen der Hochwasserkatastrophe im Juli.

Ein Blick zurück. Am 7. November hatten die „Stonies“, wie sich die 19.000 Teilnehmer umfassende Community selbst nennt, in der Elsper SGV-Hütte die schon bestens bekannten „Sauerlandstones“ gegen eine Spende für Stolberg an Mann und Frau gebracht (der SauerlandKurier berichtete). Damit sollte ein Zeichen der Solidarität mit den Flutopfern gesetzt werden. Binnen weniger Stunden wurde eine Summe von 3740 Euro erzielt. Enthalten die Spende des SGV Elspe, der den Erlös aus dem Verkauf von Reibekuchen, Waffeln und Kaffee beisteuerte.

So sieht es an vielen Stellen in der Innenstadt von Stolberg aus
So sieht es an vielen Stellen in der Innenstadt von Stolberg aus. © Carmen Fröhlich

Am vergangenen Samstag überbrachten Carmen und Alexander Fröhlich den Spendenscheck. Empfangen wurde das Ehepaar am Stolberger Kaiserplatz durch den stellvertretenden Bürgermeister Peter Jussen. „Es tut gut, zu wissen, dass man nicht allein ist“, so Jussen, der Carmen und Alex Fröhlich bei einer kleinen Stadtführung das ganze Ausmaß der Katastrophe vor Augen führte.

Peter Jussen: „Sehr viele Menschen aus dem Stadtgebiet mussten wir evakuieren, 1000 Wohnungen sind zerstört. Wir haben es aber trotz eigener Probleme als Stadt geschafft, die Menschen unterzubringen.“

Auf „rund 300 Millionen Euro“ bezifferte Jussen die Sachschäden: „Wir hatten gerade die Straßen in der Innenstadt komplett saniert, und dann kam de Regen. So etwas wie diese Flut habe ich noch nie erlebt“, ist er auch knapp vier Monate danach noch geschockt. „Der Vichtbach – er verläuft durch die Altstadt – schwoll in einer ersten Welle an, danach war Ruhe. Wir haben geglaubt, das sei es jetzt. Aber dann hat es Stunden lang wie aus Eimern gegossen. Der Bach hatte die siebenfache Fließgeschwindigkeit und überflutete die Innenstadt.“ Knapp drei Meter unterhalb Straßenniveau fließt die Vicht an diesem Samstag, an einer Backsteinmauer ist in etwa 1,80 m Höhe der Wasserstand an jenem 14. Juli sichtbar.

Die Stolberger lassen sich nicht unterkriegen
Die Stolberger lassen sich nicht unterkriegen. © Hartmut Poggel

„Von höher liegenden Stadtgebieten ergoss sich Wasser über eine Stützmauer, flutete die Tiefgarage unter dem Rathaus, einen Straßentunnel und zerstörte auch das Rathaus“ Die Stadtverwaltung ist seither in der Stadt verteilt. Das Rathaus kann nicht mehr betreten werden, derzeit beurteilen Gutachter dessen Zustand: „Abriss oder Sanierung – wir müssen sehen, was teurer kommt.“ Getroffen hat die Flut auch vier Kindergärten und drei Grundschulen, „die haben wir unter anderem in Containern untergebracht“, sagt der stellvertretende Bürgermeister.

Aufgeben gibt es für Menschen in Stolberg aber nicht. Jussen: „Gottseidank haben viele Unternehmer und Geschäftsinhaber den Laden nicht dicht gemacht, sondern die Ärmel hoch gekrempelt und halten der Stadt die Treue.“ Nahe am wieder friedlich dahin fließenden Vichtbach hat ein kleines Café den Betrieb wieder aufgenommen. „Der Betreiber hatte drei in der Altstadt, eines ist wieder geöffnet.“

Ebenso wie der Weihnachtsmarkt auf dem Kaiserplatz im Schatten des historischen Rathauses, das von den Fluten verschont wurde. „In der ersten Zeit ,danach‘ war es hier eine Geisterstadt. Kein Besucher, aber warum auch? Es war ja nichts geöffnet. Wir haben lange diskutiert, ob wir einen Weihnachtsmarkt veranstalten. Aber die Menschen müssen einfach ‘mal Gelegenheit haben, sich auszutauschen, zu reden und sich auch gegenseitig Mut zuzusprechen.“

Als ein Zeichen der Hoffnung wollen die „Stonies“ auch ihre Spenden sehen. „Wir wollen zeigen, dass wir mit den Stolbergern solidarisch sind“, sagt Carmen Fröhlich. Im Gepäck hatte das Ehepaar nicht nur den Scheck, sondern – wie könnte es anders sein – mehrere Kartons mit „Sauerlandstones“. Peter Jussen versprach, sie unter anderem an die Kindergärten weiterzuleiten.

Die Fenster des historischen Rathauses sind als Adventskalender gestaltet. An jedem Tag im Dezember öffnet einer der Kindergärten ein „Kläppchen“ und gestaltet auf dem Weihnachtsmarkt ein kleines Programm: „Da könnten sie mit den ,Stones‘ ja eine kleine Spendenaktion initiieren“, hatte Carmen Fröhlich eine passende Idee. „Es ist einfach schön, dass unsere bemalten Steine eine Verbindung zwischen Sauerland und den Stolbergern geschaffen haben.“

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