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Samtpfoten vermisst: Immer mehr Katzen im Kreis verschwinden spurlos

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Von: Christine Kluge

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Katze kreis olpe vermisst
Immer wieder werden Katzen im Kreis Olpe vermisst. Auffällig dabei ist jedoch, dass besonders viele Katzen in der Nähe von Autobahnanbindungen oder der HTS verschwinden. (Symbolfoto) © dpa/Soeren Stache

Erst zwei Wochen ist es her, dass die beiden Katzen „Lucy“ und „Nico“ vom Balkon von Christiane Timmer in Gerlingen gestohlen worden sind. Doch die beiden Samtpfoten sind nicht die Einzigen, die im Kreis vermisst werden. Die Anzahl der verschwunden Katzen nimmt zu.

Kreis Olpe - „Beschissen“. Mit diesem Wort beschreibt Christiane Trimmer aus Gerlingen, wie sie sich fühlt, seitdem ihre beiden Katzen Lucy und Nico vor zwei Wochen von ihrem Balkon entwendet wurden. Zurückgeblieben sind nur die zerschnittenen Halsbänder. „Ich mache mir Sorgen, wo die beiden sind. Ich habe die Nachbarn gefragt und sogar am Bauhof angerufen, ob eine tote Katze gemeldet wurde.“ Auch ein Anruf im Tierheim Olpe brachte nicht die erhoffte Nachricht. Die beiden schwarzen Stubentiger sind 3 Jahre alt und Geschwister. Lucy ist eine reine Wohnungskatze, während ihr Bruder Nico gerne die Gegend erkundet, jedoch jeden Abend zurück nach Hause kommt. „Besonders Nico ist scheu und zurückhaltend fremden Menschen gegenüber“, berichtet Besitzerin Christiane Timmer weiter. Sie glaubte nicht daran, dass ihre Katzen einfach nur vermisst werden, als ihr Lebensgefährte sie mit einem Anruf informierte, dass die beiden Katzen verschwunden und dass das Vogelnetz des Balkons zerschnitten sei. Sie erstattete Anzeige bei der Polizei.

Dies war genau der richtige Schritt, sind sich Christa Ellert, Vorsitzende der Katzenhilfe des Kreises Olpe, und Iris Drosten, Leiterin des Tierheims Olpe, einig. „Wichtig ist, es publik wie möglich zu machen. Aushänge in der Umgebung aufhängen und alles in den Sozialen Medien teilen. Doch sobald der Verdacht besteht, dass die Katze gestohlen wurde, muss Anzeige erstattet werden, um eine Hand dran zu kriegen und Polizei und Bevölkerung aufmerksam zu machen“, erklärt Iris Drosten.

Früher sei immer von den sogenannten „Katzenfängern“ gesprochen worden. Iris Drosten glaubt, dass es gar nicht verkehrt ist, in diese Richtung zu denken. „Es ist auffällig, dass viele Katzen in der Nähe von Autobahnen oder der HTS verschwinden“, berichtet Christa Ellert. Das Problem sei jedoch, dass es „generell nicht zu beweisen“ sei und alles nur „Spekulationen“ seien.

Doch mit Corona schaffen sich mehr Menschen ein Tier an und dadurch steigt auch der illegale Handel. 

Iris Drosten, Leiterin des Tierheims Olpe

Tierheimleiterin Iris Drosten geht sogar noch einen Schritt weiter. Durch die Corona-Pandemie, den Lockdown und das vermehrte Aufkommen von Homeoffice haben sich mehr Menschen für ein Haustier entschieden. Der Trend sei sichtbar, denn das Aufkommen an Verkaufsanzeigen bei Plattformen im Internet wie e-bay habe sich erhöht.

„Wir können jedoch nur mutmaßen“, betont Drosten. „Doch mit Corona schaffen sich mehr Menschen ein Tier an und dadurch steigt auch der illegale Handel. Die Nachfrage steigt und damit die Zahl der verschwundenen oder gestohlenen Tiere, die in manchen Fällen zum Verkauf angeboten werden. Und der Markt existiert.“

Suche beim Tierregister Tasso

Auch Andreas Eichhof aus Gerlingen vermisst seit Dezember 2019 seinen Kater Minou, der „unerklärlich“ verschwunden ist. Er berichtet davon, dass bereits 2017 und 2018 zwei Nachbarkatzen verschwunden seien. Er selbst hat alles versucht, um seinen Kater zu finden, doch er sei „wie vom Erdboden verschluckt“. Auch seine Suche beim Tierregister Tasso verlief ergebnislos. Zudem glaubt er nicht an das „einfache Verschwinden“ seines Katers, sondern hegt den Verdacht, dass organisierte Banden dahinter stecken könnten. Schwer sei nur, diese Vermutung zu beweisen, wie der Richter des Amts- und Landsgericht Siegen erklärt.

„Ich habe sofort Anzeige erstattet. Doch dieser Schritt war schwer und erst auf mein Drängen hin wurde die Anzeige gegen Unbekannt aufgenommen“, berichtet Andreas Eichhof, der Mitglied bei der Katzenhilfe des Kreis Olpe ist. Sein Rat: „Die Dunkelziffer der verschwundenen Katzen ist noch höher. Man sollte den Schritt zur Polizei nicht scheuen, da domestizierte Katzen nicht einfach verschwinden, sondern regelmäßig nach Hause zurückkehren.“

Verschiedene Gründe für das Verschwinden

Christa Ellert und Iris Drosten sehen ebenfalls verschiedene Gründe für das Verschwinden von Katzen. Die häufigste Ursache sei jedoch die Neugier der Samtpfoten. „Der Satz ,Die Neugier ist der Katzen Tod‘ trifft es perfekt“, erklärt Iris Drosten. „Die Neugier treibt die Katzen umher. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass sie versehentlich in einen Keller gesperrt werden und tagelang verschwunden sind.“ Deswegen sei bei dem Verschwinden einer Katze wichtig, zuerst ausgiebig in der Nachbarschaft zu suchen. „Die Katzen können nichts dafür. Es ist ihr natürliches Verhalten.“

Aber das Wichtigste ist, dass die Katzen gechippt und beispielsweise bei Tasso registriert sind.

Iris Drosten, Leiterin des Tierheims Olpe

„Katzen springen gern in Autos und werden dort oft nicht entdeckt“, berichtet Christa Ellert. „Wir hatten einen Fall, da war eine Katze vier Wochen verschwunden und tauchte dann plötzlich vollkommen abgemagert wieder auf.“ Die Katzenhilfe des Kreises Olpe „unterstützt so gut sie kann“ und stellt auch Vermisstenanzeigen auf der eigenen Homepage online oder hilft beim Erstatten einer Anzeige, wie im Fall von Andreas Eichhof.

„Aber das Wichtigste ist, dass die Katzen gechippt und beispielsweise bei Tasso registriert sind“, erklärt Iris Drosten. Denn dann erhöhen sich die Chancen, die Samtpfoten zu finden und ihrem Besitzer zurückzubringen. Hinweise zum Verbleib von Lucy und Nico nimmt die Polizei unter Tel. 02761/92960 entgegen.

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