Verbindliche Zusagen nötig

Dorfladen mit Versorgungsgenossenschaft als Träger geplant

Rund 200 Ottfinger informierten sich über den aktuellen Stand der Planungen eines Dorfladens.

Ottfingen – Es ist noch nicht die Entscheidung, dass es in Ottfingen im nächsten Jahr einen Dorfladen geben wird. Aber es ist ein weiterer wichtiger Schritt, die Nahversorgung durch das Engagement der Bürger im viertgrößten Ort der Gemeinde Wenden (2198 Einwohner) mittel- und langfristig zu sichern. Das von der Projektgruppe „Dorfladen“ der Zukunfts-Werkstatt-Ottfingen vorgestellte Konzept überzeugte die 200 Anwesenden im Schützenhaus Ottfingen. Sie stimmten am Ende der Versammlung einstimmig für die Weiterführung der Arbeiten zum neuen Dorfladen.

„Für die weiteren Planungen ist es jetzt wichtig, dass wir verbindliche Zusagen für den Kauf von Genossenschaftsanteilen bekommen“, erläutert Olaf Arns, Mitglied der Projektgruppe, die zu nehmende nächste Hürde. Bis Ende November sind die Ottfinger Bürger aufgefordert, durch eine verbindliche Absichtserklärung Genossenschaftsanteile zu zeichnen. Der Wert eines Anteils beträgt dabei 250 Euro. „Wir benötigen eine breite Unterstützung im Ort“, so Arns weiter. Der entsprechende Vordruck wurde bereits am Eingang an jeden Teilnehmer der Dorfversammlung ausgegeben, kann aber auch bei den Mitgliedern der Projektgruppe abgeholt oder auf der Webseite heruntergeladen werden. 

„Die Unterschriften kommen allerdings nur zum Tragen, wenn es in der für Anfang Januar geplanten Gründungsversammlung tatsächlich zu einer Versorgungsgenossenschaft kommen wird“, erläuterte Arns abschließend. Vor dem Aufruf zum Unterzeichnen der Absichtserklärung führten die Mitglieder der Projektgruppe Jochen Bruch, Stefan Klör, Stefan Clemens und Olaf Arns aus, wie ein zukünftiger Dorfladen aussehen könnte und wie sich die Wirtschaftlichkeit darstellen lässt. „Wir haben in weit mehr als 500 Stunden Konzepte erstellt und die Wirtschaftlichkeit eines Dorfladens geprüft. Ein Dorfladen in Ottfingen ist machbar und kann sich langfristig etablieren“, so Stefan Clemens, der die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorstellte. 

Dabei dankte er den Inhabern des jetzigen Lebensmittelmarktes, Michael und Ilona Arns, die ihr Geschäft zum Jahresende aufgeben werden: „Wir wurden mit den Zahlen der vergangenen Jahre versorgt und hatten so eine fundierte Basis.“ Zudem hat ein genossenschaftlich geführter Laden Vorteile gegenüber einem privat geführten Geschäft. „Als Genossenschaft können wir versuchen, Fördergelder für den Umbau zu beantragen. Zudem sind viele unserer Kunden auch Eigentümer und partizipieren am Erfolg oder Misserfolg des Dorfladens“, erklärte Stefan Clemens. 

160 Euro pro Monat und Haushalt

Die Projektgruppe rechnete dabei vor, dass bei 380 Genossenschaftsmitgliedern circa 160 Euro pro Monat und Haushalt im eigenen Lebensmittelgeschäft umgesetzt werden müssen. Damit wäre der größte Anteil des benötigten Umsatzes garantiert und die langfristige Zukunft des Ladens gesichert. „Wenn man bedenkt, dass nach einer Studie der gfk deutschlandweit jede Person circa 200 Euro pro Monat an Nahrungs- und Genussmittel ausgibt, sollte dieser Umsatz zu schaffen sein, zumal der Preisvergleich eines Warenkorbes mit 35 der am häufigsten verkauften Produkte aus den verschiedenen Warengruppen zum Gesamtwert von circa 70 Euro zeigt, dass ein kleiner Lebensmittelladen durchaus nicht oder nur unwesentlich teurer ist als die großen Lebensmittelketten“, stellte Stefan Klör weitere Daten vor. 

Eine weitere Basis zur Wirtschaftlichkeitbetrachtung bildete das Ergebnis der umfangreichen Umfrage: „An der Umfrage haben sich bislang 40 Prozent aller Ottfinger Haushalte beteiligt. Diese 40 Prozent machen heute schon 65 Prozent des benötigten Umsatzes aus, ohne die in den Umfragebögen angekündigten Mehrumsätze, wenn der Dorfladen gegründet werden sollte“, erklärte Stefan Klör. 

Auch das Konzept des möglichen Dorfladens soll sich vom heutigen Geschäft unterscheiden. Jochen Bruch: „Die Personalkosten sind für uns ein entscheidendes Kriterium. Wir planen nicht mit ehrenamtlichen Kräften. Der Laden muss sich mit bezahlten Arbeitskräften rechnen, wenn wir langfristig überleben wollen.“ 

Antrag bei LEADER ist in Vorbereitung

Das als 3D-Grafik auf 250 Quadratmetern vorgestellte Konzept wirkt dabei einladend. „Wir wollen, dass die Einkaufsatmosphäre die Kunden dazu einlädt, gerne in den Dorfladen zu kommen“, so Jochen Bruch weiter. Diese Möglichkeit wird durch eine kleine Sitzecke geboten, wo es zukünftig ein Angebot an belegten Brötchen, Frikadellen oder Würstchen sowie warme und kalte Getränke, auch über Mittag, geben soll. 

Um das neue Konzept realisieren zu können, benötigt das Projekt allerdings finanzielle Unterstützung in Form von Fördergeldern. Ein entsprechender Antrag bei LEADER ist derzeit in Vorbereitung. Kurz vor der Abstimmung, am Ende der Versammlung, wurde das weitere Vorgehen vorgestellt. 

Wichtigster Punkt war dabei schon der erwähnte Verkauf – verbindliche Zusage– von Genossenschaftsanteilen. „Nur wenn bis Ende November 350 Anteile gezeichnet werden, haben wir eine Basis, um als Projektgruppe weiter zu arbeiten“, appellierte Olaf Arns an die Anwesenden, sich als Multiplikator für den Verkauf zu engagieren, bevor er die Versammlung beendete.

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