„Freiheit fängt im Kopf an“

Drei Erzähler zu Gast bei der 7. Heider Kunsttour

Erzählerin Petra Griese wird in einem wilden Rosengarten zu hören und zu sehen sein.

Heid. Wer bei der Heider Kunsttour am 6. August durch das bunte wendsche Dörfchen Heid flaniert, der wird zwischenzeitlich in andere Welten abtauchen können. Es geht nicht nur um nicht nur um Gemälde und Skulpturen, sondern auch um Künstler, die es schaffen, die Besucher anders zu verzaubern.

Der irische Erzähler Lorcan Flynn sagte seinerzeit im Café Noir „Ich konnte nicht musizieren oder singen, nicht malen und ich war auch nicht sportlich. Also habe ich Geschichten erzählt.“ Der Kunstclub Oberes Biggetal als Organisator der Kunsttour freut sich, dieses Jahr drei Erzähler präsentieren zu können.

In früheren Jahrhunderten - als der Großteil der Bürger noch nicht alphabethisiert war und es lange noch kein Fernsehen gab, hatte das Erzählen ein großes Gewicht. Über die Familie hinaus hatte es auch gesellschaftlich eine große Bedeutung und Wichtigkeit, denn auch Nachrichten und Traditionen wurden nur über das Sprechen und „Zeit zum Reden“ weitergegeben.

In der schnelllebigen heutigen Zeit ist dafür häufig die Sensibilität verloren gegangen. „Es läßt uns gefangen sein – in unseren Rollen“, erzählt Andrea Schollemann. „Kaum ist noch ein Abtauchen möglich, ein Abschalten und ,Sich-Fallen-Lassen'. Wir finden es für die Kunsttour sehr wichtig, dass wir auch diese Kopfbilder haben, die uns beim Erzählen und Zuhören kommen. Einmal sich selbst vergessen, und sich einfühlen können in eine andere Figur oder einen anderen Menschen oder einen anderen Alltag. Das ist gesund für jede Seele.“

In Heid sind drei sehr unterschiedliche Richtungen zu hören: „Freiheit fängt im Kopf an“, sagt die Kölner Sozialpädagogin Nina Hoffmann, die „Rollstuhlfahrerin, die fliegen kann“. Sie liest um 12.30 und 15 Uhr an der Speakers Corner aus ihrem Leben. Die Rheinländerin möchte den Zuhörern ermöglichen, mit ihren Augen das Leben zu betrachtet und läßt sich dabei tief in die Seele schauen. Ihr Platz ist dekoriert mit den Gemälden der Kinder aus dem Workshop „Ik wüll, ik sö et“, bei dem es um die großen Gefühle eines jeden Einzelnen ging.

Die ausgebildete Märchenerzählerin Petra Griese aus Eichhagen wird in ihren Gewändern um 14, 15,30 und 16.30 in einem wilden Rosengarten neben einem alten Fachwerkhaus zu hören und zu sehen sein. Schon beim vergangenen Mal hat sie die Heider Besucher zwischen 12 und 112 Jahren in ihren Bann gezogen.

Jeder Gast in Heid hat andere Erwartungen – und manche suchen gerade diese Art von Kunst in einem idyllischen, heimeligen Dörfchen. „Es ist, als ob man endlich ankommt. Die Märchen waren das Schönste an der Heider Kunsttour“, so schwärmte ein Zuhörer. Auch hier wird der Erzählplatz umgeben sein von passenden Gemälden.

Mit Moral von der Geschicht‘, mit Witz und Ironie kommen auch Edith Rasches Satiren um 13.30 und 16 Uhr an der Speakers Corner über die Lippen. Dort kann man sich auf farbigen, alten Kaffeehaus-Stühlchen unter Bäumen oder auf weichen Heuballen niederlassen. Die Organisatoren sagen: „Wir wollen mehr als nur eine Bühne und mehr als ein Freiluftatelier. Wir haben neben der Malerei und den Skulpturen, wunderbare Musikangebote und eben auch die Literatur. Außerdem erinnern wir immer an unsere Workshops. und nicht zuletzt macht uns das kulinarische Angebot rund und außergewöhnlich. Wer die Heider Kunsttour noch nicht kennt, der sollte vielleicht doch mal schauen, wie schön kulturell, touristisch und ausgefallen es zuhause im Südsauerland sein kann.“

Bei der Heider Kunsttour am Sonntag, 6. August, wird der ganze Ort zum bunten Freilichtatelier gestaltet. Das Event findet alle zwei Jahre statt. Die Organisatorinnen erhielten 2008 den Kulturpreis der Gemeinde Wenden.



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