Großer Tag für die Gemeinde Wenden

Ein Invest in die Sicherheit: Neue Rettungswache ihrer Bestimmung übergeben

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Gute Laune bei der Einweihung (v.l.): die stellvertretenden Leiter der Rettungswache Olpe, Gisbert Lörler und Burkhard Wigger, Frank Japes (Fachdienstleiter Brand-, Bevölkerungsschutz und Rettungsdienst beim Kreis Olpe), Ulrich Korreck, Sebastian Kühlmann, Benedikt Hilchenbach (alle Kreiswerke Olpe), Wendens Bürgermeister Bernd Clemens, Patrick Becker (Leiter Rettungswache Olpe) sowie Kreisdirektor Theo Melcher.

Gerlingen - Ein großer Tag für die Gemeinde Wenden: Am Freitagmittag wurde die neue Rettungswache in Gerlingen ihrer Bestimmung übergeben. Bei dieser Gelegenheit verurteilte Kreisdirektor Theo Melcher Angriffe auf Rettungskräfte auf das Schärfste.

DRK, Feuerwehr, Rettungsdienst, Malteser, Vertreter aus Politik – sie alle spendeten geschlossen Beifall, dabei hatte Kreisdirektor Melcher noch gar nicht zu Ende gesprochen. Doch seine Meinung war deutlich: „Ihre Passion ist es, Mensch zu helfen. Wir stellen jedoch viel zu oft fest, dass diejenigen, die den Menschen zur Hilfe kommen, tätlich angegriffen, bepöbelt und beschimpft werden.“ Dabei seien „Worte der Beginn“ des Übels: „Vom Sagen zum Machen ist meist nur ein kleiner Schritt. Der Anstand lässt nach, Hass und Hetze erhalten Raum. Und die Worte des einen werden zu den Taten des anderen“, nahm Melcher auch Bezug auf den offenbar rassistisch motivierten Amoklauf in Hanau vom Donnerstag. Er appellierte: „Egal, in welchem Kontext Sie sich bewegen – sagen Sie entschieden „Nein“. Wir können und dürfen nicht schweigen. Wer schweigt, macht sich mitschuldig.“ Es werde „eine braune Suppe gekocht, die wir alle auslöffeln müssen“.

Nach Gerlingen war Melcher allerdings aus einem freudigen Grund gekommen: „Es ist ein besonderer Tag für die Gemeinde Wenden“, sagte Bürgermeister Bernd Clemens. Es sei zwar immer schön, wenn öffentliche in der Gemeinde eingeweiht würden, „heute wird aber zum ersten Mal eine Rettungswache auf Wendener Boden eingeweiht.“ Rettungswachen könnten Leben retten: „Wir können uns nun ein Stück sicherer fühlen, weil Sie hier sind“, sagte Clemens an die Rettungskräfte gewandt.

Melcher: „Wir brauchen eine vernünftige Notfallrettung“

Auch Theo Melcher stellte die Wichtigkeit des Rettungsdienstes heraus: „Wir brauchen eine vernünftige Notfallrettung und einen adäquaten Krankentransport. Der Rettungsdienst ist uns als Gesellschaft lieb und teuer.“ Und das verdeutlichte er an Zahlen: Im Jahr 2006 gab es vier Rettungswachen im Kreis Olpe (Olpe/Attendorn/Lennestadt/Finnentrop), zwei Krankentransportwagen (KTW), drei Notarzt-Einsatzfahrzeuge, vier Rettungstransportwagen (RTW) und einen Tages-RTW, sowie 45 Einsatzkräfte als Rettungsassistenten. „Dafür haben die Bürger etwa 4,5 Millionen Euro pro Jahr an Gebühren bezahlt. Wir hatten 2006 eine Hilfsfristeneinhaltung von 77 Prozent“, so Melcher. Das heißt, dass der Rettungsdienst in 77 Prozent aller Einsätze innerhalb der geforderten zwölf Minuten am Einsatzorten war – Richtwert sind jedoch 90 Prozent. 

Bis 2018 hatte der Kreis Olpe die Rettungswachen in Olpe, Finnentrop und Lennestadt neu gebaut, mittlerweile gibt es immer noch zwei RTW und drei Notarztwagen, allerdings bereits acht RTW und einen Tages-RTW, das Personal ist auf 100 gestiegen, darunter auch Notfallsanitäter. „Wir haben derzeit sogar zwölf Auszubildende zum Notfallsanitäter. Das Ganze kostet die Bürger jährlich rund 12,5 Millionen Euro.“ Die Hilfsfristen werden seitdem um 82 Prozent eingehalten. 

Nach dem offiziellen Teil erhielten die Besucher bei Rundgängen einen Blick hinter die Kulissen der neuen Rettungswache.

Eine Rettungswache in Gerlingen ist laut Melcher nötig, weil „im Bereich Olpe-Drolshagen-Wenden teilweise mehr als 20 Prozent der Fälle die Fristen nicht eingehalten werden konnten.“ Daher hat der Kreistag am 27. Juni 2016 den Beschluss gefasst, in Gerlingen eine Nebenstelle der Olper Rettungswache zu errichten: „Wir hoffen, damit kreisweit die 90 Prozent einzuhalten.“ Und Melcher gab auch einen Ausblick in die Zukunft: „Im Bereich Hüppcherhammer in Olpe soll ein Gefahrenabwehrzentrum errichtet werden. Ich hoffe, die Beschlüsse werden noch in meiner Dienstzeit gefasst“ – der Kreisdirektor will bekanntlich bei den Kommunalwahlen im September als Landrat kandidieren. 

Übrigens war der 21. Februar noch auf eine andere Art ein besonderer Tag. Wendens Bürgermeister Bernd Clemens feierte seinen 53. Geburtstag. Melcher nutze die Gelegenheit, um dem Wendener Gemeindeoberhaupt zu dessen „verdammt jugendlichen Alter“ zu gratulieren.“

Daten und Fakten

Die Nutzfläche der neuen Wache beträgt 408,22 Quadratmeter im Erdgeschoss und 115,59 Quadratmeter im Obergeschoss. Für den Bau wurden rund 2 Millionen Euro bewilligt, die tatsächlichen Kosten liegen derzeit bei 1,9 Millionen Euro. Um das sicherer Befahren der Kreuztaler Straße zwischen Gerlingen und Möllmicke zu gewährleisten, wurde eine Ampel installiert. Die Rettungswache ist rund um die Uhr mit zwei Mitarbeitern und mindestens einem RTW besetzt. Ihren Betrieb nimmt die Wache am Montag, 24. Februar, auf. Baubeginn der neuen Rettungswache war im Oktober 2018, Fertigstellung im Februar 2020. Etwa 85 Prozent der Gewerke kamen aus dem Kreis Olpe.

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