Zweiter Streich des „Holzwurms“

Josef Schulte baut 2,18 Meter großes Modell des Eiffelturms

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Josef Schulte präsentiert das fertiggestellte Modell. Das soll aber nicht das letzte sein – der 86-Jährige hat schon ein neues Großprojekt im Kopf.

Wenden. Nein, zum „alten Eisen“ gehört Josef Schulte aus Wenden auf keinen Fall. Und wenn, dann auch eher zum „alten Holz“. Denn Holz ist eine Leidenschaft des 86-Jährigen – oder genauer: die Arbeit mit Holz. Nach dem Modell des Schloss’ Neuschwanstein (wir berichteten) hat der gelernte Stellmacher nun sein zweites Großprojekt fertiggestellt: Er hat den Eiffelturm im Maßstab 1:150 nachgebaut. Wo die Öffentlichkeit seine Arbeiten sehen kann und was er als nächstes plant, erzählt Schulte im Gespräch mit dem SauerlandKurier.

„Das war eine Masse Arbeit“, lacht Schulte, den seine Frau liebevoll als „Holzwurm“ bezeichnet. Alles begann – wie beim „Märchenschloss“ auch – mit einem Kartonmodell, einem sogenannten „Schreiber-Bogen“ aus einem Katalog im Maßstab 1:300. Dieses Modell hat Schulte schließlich verdoppelt auf 1:150 – das heißt: ein Zentimeter des Modells entsprechen 150 Zentimetern des Original-Bauwerks. Und natürlich besteht der „Wendener Eiffelturm“ aus Schultes Lieblingswerkstoff Holz.

„Der Turm hat über 1000 kleine Streben, die ich einzeln und auf den Millimeter genau einpassen musste“, erinnert sich Schulte. Und auch die Form des nach seinem Erbauer Gustave Eiffel benannten Pariser Bauwerks barg einige Tücken: Der Winkel der Stützen beträgt im unteren Teil 70 Grad, das Winkelmaß wird zur Turmspitze immer größer, der obere Teil des Turms ist gerade. „Das wichtigste ist, von Anfang an einen Plan im Kopf zu haben, wie das Ganze am Ende aussehen soll“, erklärt Schulte. Und einen solchen Plan hatte er, als er im Mai 2018 mit dem Bau des 2,18 Meter hohen Eiffelturm-Modells begonnen hat. Davon zeugen die Zettel mit Maßen und Zeichnungen, die auf seiner Werkbank liegen – alles handschriftlich gefertigt, versteht sich.

Handschrift statt Computer

Schultes Taschenrechner und Computer sind ein Bleistift, ein Zollstock und ein wacher Verstand. „Zwischendurch habe ich immer wieder etwas Anderes gemacht um den Kopf frei zu bekommen“, blickt Schulte zurück. So sind in der sechsmonatigen „Bauzeit“ auch viele Holz-Dekoarbeiten entstanden, derzeit bastelt er ein Modell eines Rhönrades für seine Enkelin.

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Wie akribisch Schulte arbeitet, sieht man an einem kleinen Detail: Am Eiffelturm-Modell fehlt noch die französische Flagge. Im SauerlandKurier-Gespräch betrachtet er die gerade frisch angestrichene blau-weiß-rote Flagge: „Die gefällt mir noch nicht. Die muss ich nochmal nachpinseln.“ Doch bis zum Sonntag, 20. Januar, soll auch die „Tricolore“ fertig sein. An dem Tag stellt der 86-Jährige nämlich einige seiner Holz-Dekoarbeiten, das Schloss Neuschwanstein und den Eiffelturm beim Kunsthandwerkermarkt in der Olper Stadthalle aus.

Und er hat auch schon ein weiteres Großprojekt geplant. „Meine Enkel haben mir Big Ben vorgeschlagen, aber das war mir nicht besonders genug“, sagt Schulte. Vielmehr denkt er beim neuen Projekt an einen Russland-Urlaub zurück: „Dabei habe ich die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz gesehen.“ Und so kommt es, dass er das Wahrzeichen Moskaus mit dessen Kuppeln, Winkeln, Ecken und Zwiebeltürmen nachbauen will. „Davon gibt es allerdings noch kein Kartonmodell im Katalog, ich werde aber mal beim Herausgeber anrufen und nachfragen“, sagt Schulte. Und wenn das klappt, steht der „Wendener Basilius-Kathedrale“ wohl nichts mehr im Wege.

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