Josef Halbe erinnert sich an Tragödie

Katastrophe am Löhkopf: Unglück in den letzten Kriegswochen

Grube Infotafel Löhkopf
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Eine Infotafel zeigt den Verlauf der Grube Löhkopf und erklärt, wie die Arbeiten abliefen.

Das Zweite Weltkrieg, der vor mehr als 76 Jahren endete, hat auch das Sauerland nicht verschont. Nun erinnert Josef Halbe an eine Tragödie, die sich kurz vor Kriegsende in einem Waldgebiet bei Ottfingen ereignete.

Ottfingen - April 1945. Die Truppen der Alliierten sind auf dem Vormarsch. Der Fliegeralarm ist allgegenwärtig. Im Januar wirft eine Flugzeugstaffel der britischen Royal Air Force ihre Bomben auf die drei Bauernhöfe, die den kleinen Ort Trömbach bilden, ab. Ende März gibt es in Olpe und Attendorn schwere Zerstörungen durch den Bombenhagel. Die Menschen suchen Schutz vor der tödlichen Fracht der Bomber. So auch in Ottfingen.

Mit der Grube Vahlberg und der Grube am Hauptlöh gibt es zu dieser Zeit zwei stillgelegte Bergwerke rund um Ottfingen: „Eine größere Gruppe von Personen wollte einen Bunker (Stollen) zum Schutz der Bevölkerung vor Bomben und Artillerie öffnen“, erinnert sich Josef Halbe. Er ist nach eigener Aussage einer der wenigen noch lebenden Ottfinger, die das Unglück im Jahr 1945 miterlebt haben. Um den Menschen sichere Zuflucht zu bieten, „wird ein Luftschacht der früheren Grube Vahlberg geöffnet“, berichtet der heute 85-Jährige. Der Schacht reicht bis ins Waldgebiet am Löhkopf westlich von Ottfingen.

In der Grube Vahlberg wurde zunächst Brauneisenstein gefördert, die Geschichte des Bergwerks soll bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Gemeinsam mit der Grube Hauptlöh auf dem Löhkopf bildete sie den sogenannten Vahlberger Zug. Später wurden beide Gruben unterirdisch verbunden. In größerer Tiefe konnte so Spateisenerz gefördert werden. Das Bergwerk wurde 1921 stillgelegt. Jetzt, kurz vor Kriegsende, wird das alte Problem des Bergbaus in dieser Region sichtbar: Grundwasser, das in die Schächte geflossen ist: „Große Wassermassen musten abgepumpt werden.“ Dafür wird eine treibstoffgetriebene Pumpe organisiert. Zwei Männer bringen das Gerät in den Stollen und sollen es in Betrieb nehmen. Doch sie kommen nicht lebendig aus dem Schacht zurück.

Der verschüttete Eingang – das sogenannte Stollenmundloch – der Grube Hauptlöh bei Ottfingen: Auf dem Löhkopf kam es in den letzten Kriegswochen unter Tage zu einer Tragödie.

„Draußen warteten die anderen Kollegen mit dem Wasserschlauch auf den Abfluss des Wassers. Nach längerer Zeit des Wartens entschloss man sich, mit einer Gasmaske bestückt nachzuschauen was im Stollen los sei“, so Halbe. Dort liegen die beiden Männer leblos im Stollen. Sie werden hinausgetragen und sollen ins Krankenhaus gebracht werden. Doch die Helfer werden entdeckt.

Ein Flugzeug kreist um das Fahrzeug und wirft laut Josef Halbe eine kleine Bombe ab: „Allerdings traf sie das Auto nicht.“ Der Fahrer bringt sich in Sicherheit. Und die beiden Männer, die leblos im Bergwerksschacht gefunden worden waren? „Die beiden Personen konnten nicht mehr gerettet werden“, so Halbe. Er vermutet: „Wahrscheinlich hatte im Schacht eine Verpuffung stattgefunden.“ Solche sogenannten Schlagwetterexplosionen entstehen durch eine Entzündung eines Gas-Luft-Gemischs im Bergbau. Doch das ist noch nicht das Ende von Josef Halbes Erinnerung an diesen grausamen Tag: „Besonders tragisch war, dass ein Bruder eines der Opfer, der seine Schwester im Krankenhaus in Wenden besuchen wollte, unterwegs erschossen wurde.“

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