„Katholisch“ oder nicht?

Eltern entscheiden über Umwandlung der Grundschule

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Seit drei Jahren ist der Schulleiterposten in Hünsborn vakant – bei einer Umwandlung der Schule könnten sich mehr Menschenauf die Stelle bewerben. 

Hünsborn. Bekenntnisschule oder Gemeinschaftsschule? Vor dieser Entscheidung dürften die Eltern, die Kinder an der katholischen Grundschule Hünsborn haben, demnächst stehen. Denn der Wendener Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen, zu dieser Frage ein Verfahren einzuleiten. Und die Entscheidung darüber liegt bei den Eltern.

Auslöser war ein Antrag der CDU-Fraktion im Vorfeld der Sitzung, zu prüfen wie die Schulleiterstelle an der Grundschule mit einem Bewerber besetzt werden kann, der nicht katholisch ist. Die Stelle ist seit drei Jahren unbesetzt. Bei der Prüfung kam die Verwaltung zu einem eindeutigen Ergebnis: Lehrkräfte an katholischen Schulen müssen katholisch sein. Die einzige Möglichkeit, die Schulleiterstelle mit einem anderen Bewerber zu besetzen ist laut Verwaltung, die Umwandlung der katholischen Grundschule in eine Gemeinschaftsgrundschule.

CDU-Fraktionschef Hubertus Zielenbach stellte daher in der Sitzung den Antrag, ein Verfahren einzuleiten, um die Grundschule umzuwandeln. Dabei würden dann die Eltern der Hünsborner Grundschüler zur Abstimmung gebeten, egal aus welchen Ort sie kommen. Wenn 50 Prozent aller dieser Eltern dafür sind, wird die Schule umgewandelt.

Zielenbach stellte aber auch klar: „Es geht uns nicht darum, Kreuze abzuhängen und Religionsunterricht zu streichen. Wir wollen die Chance steigern, einen Schulleiter zu bekommen.“ Bürgermeister Bernd Clemens befürwortete das: „Der Anteil möglicher Bewerber wird steigen.“ Er hoffe aber auch darauf, dass die NRW-Landesregierung eine höhere Besoldung für Schulleiter beschließt.

Und darauf sollte man nach dem Willen von UWG-Fraktionschef Ulrich Heinrich lieber zunächst warten: „Wir werden uns damit sehr viel Ärger einhandeln. Wie leben in einer sehr religiösen Region. Das ist ein sehr heißes Thema.“ Er sei dennoch „nicht per se dagegen.“ Sibille Niklas (SPD) fand es „sehr gefährlich, uns von einer Bekenntnisschule zu trennen.“ Clemens entgegnete: „In Hünsborn gibt es schon Unruhe, weil sie keinen Schulleiter haben. Es ist doch basisdemokratisch, dass wir die Eltern entscheiden lassen.“ Am Religionsunterricht selbst ändere sich schließlich bei einer Gemeinschaftsschule nichts. Jürgen Greis (CDU) sah es als „richtig, wichtig und zwingend“ an, die Chancen auf mehr Bewerber auf die vakante Stelle zu erhöhen.

Auch die Gefahr höherer Fahrtkosten im Schülerfahrverkehr sprach Ulrich Heinrich an, schließlich haben alle Schüler aus dem Gemeindegebiet einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Gemeinschaftsschule, wenn sie nicht auf eine der beiden anderen Bekenntnisschule gehen wollen oder können. Unter Umständen müsste die Gemeinde auch die Grundschule erweitern, wenn sich zu viele Schüler dort anmelden, wie Michael Grebe von der Verwaltung erklärte. Hubertus Zielenbach sah den Gemeinderat in dieser Sache in der Pflicht: „Es geht hier um unsere Schulkinder. Wir müssen hier auch Entscheidungen fällen, die schwierig sind.“

Am Ende der Diskussion votierten 18 Ratsmitglieder für den Antrag, ein Verfahren zur Umwandlung der Grundschule einzuleiten, sieben waren dagegen und acht enthielten sich. Damit dürfen die Eltern bald an die Wahlurnen gehen.

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