Schönauer Watergate Vol. 2

Krombacher Brauerei bemüht sich um Klarheit

+
Das weiche und nitratarme Grundwasser in Schönau wollen Hydrologe Frank Schmidt, Unternehmenssprecher Peter Lemm und Geschäftsführer Technik Helmut Schaller (v.l.) als Krombacher Brauwasser nutzen.

Streitthema Wasser – Für reichlich Unruhen hatten im vergangenen November die Probebohrungen der Krombacher Brauerei in Schönau gesorgt. Selbst Bürgermeister Bernd Clemens wusste damals von nichts. Deswegen luden am vergangenen Montag Vertreter der Brauerei im Landgasthof Scherer in Schönau zu einer Informationsveranstaltung ein.

Schönau – „Für uns sind solche Prozesse alltäglich. Erst im Nachhinein ist mir klar geworden, dass das für Sie in Schönau nicht so alltäglich ist. Wir haben den Kreis Olpe über unser Vorgehen informiert, nicht aber die Gemeinde – das wollen wir nun nachholen“, entschuldigte sich der Unternehmenssprecher der Krombacher Brauerei Peter Lemm zu Anfang der Veranstaltung, zu der über 100 Interessierte aus Schönau und Umgebung gekommen waren, über die aufgekommene Verwirrung bezüglich der Bohrungen im November letzten Jahres. 

„Wir haben gut 50 Brunnenanlagen in Littfeld, Eichen und Krombach. Eine Weiternutzung aller Brunnen ist dort jedoch nicht mehr wirtschaftlich interessant, da sich die Brunnen gegenseitig das Wasser nehmen und wir diese nicht auslasten wollen“, erklärte Helmut Schaller, Geschäftsführer Technik der Krombacher Brauerei. Somit hätte man sich nach Alternativen umschauen müssen und diese unter den Grundstücken der Krombacher Brauerei in Schönau gefunden. „Wir haben hier an vier verschiedenen Stellen nach Wasser gesucht und sind bei dreien – Nähe Reiterhof Wörner, Schönauer Jagdhaus und Bucheler Hof – fündig geworden. Das Wasser ist hervorragend, wie auch im Siegerland. Es ist sehr weich und nitratarm. Sowohl Qualität als auch Quantität passen. Hinzu kommt die relative Nähe zum Wasserwerk“, berichtete er über die Vorzüge des Schönauer Wassers. 

Der für Krombacher arbeitende Hydrologe Frank Schmidt pflichtete seinem Vorredner bei und erklärte: „Die Förderung hat keine Konsequenzen für den Grundwasserspiegel. Es wird lediglich das frische Zuflusswasser entnommen.“ 

"Keine Förderung ohne Erlaubnis."

Zudem würden Peilfilter zur kontinuierlichen Beobachtung im oberen Grundwasserstockwerk eingerichtet, sodass die Förderung keinen Einfluss auf oberflächennahe Schutzgüter wie Gewässer, Biotope oder Gebäude ausübe. Auch würden vegetationskundliche Bestandserhebungen und jährliche Kontrollen durch Biologen umgesetzt. Es gebe eine kontinuierliche Datenerhebung der Brunnenfördermenge, des Brunnenwasserstandes sowie der Niederschlagsmenge. Darüber hinaus würde man Referenzmessungen des Landesgrundwasserdienstes zum Vergleich einbeziehen. 

Gregor Becker, Leiter des Fachdienstes Umwelt bei der Unteren Wasserbehörde, versicherte: „Es gibt keine Förderung ohne Erlaubnis. Wir werden alles, was an Anträgen kommt, prüfen, sodass keine Negativfolgen für die Umwelt entstehen.“ Er ergänzte: „Selbst wenn bei einem genehmigten Projekt noch Negativfolgen auftreten, kann die wasserrechtliche Erlaubnis jederzeit wieder ,einkassiert’ werden.“ 

Seitens der Brauerei wolle man nun die Anträge zur Durchführung der Hauptbohrungen sowie eines 2 bis 3 Jahre befristeten Pumpversuches erarbeiten, ehe dieser Versuch bei Genehmigung bis 2022 ausgewertet würde. 

In der anschließenden Fragerunde stießen die geplante Fördermenge, der Transport des geförderten Wassers sowie die Folgen durch den Klimawandel auf reges Interesse. Frank Schmidt erläuterte, dass er aufgrund des Klimawandels und der Verdunstungen mit mehr Zufluss anstatt weniger Wasser rechne. Helmut Schaller versicherte, dass die Gespräche mit den Grundstückseignern, bei denen Transportleitungen verlegt würden, „in vollem Gange seien“. Er berechnete die durchschnittliche Schüttung für alle drei geplanten Brunnen auf ungefähr 100.000 Kubikmeter pro Jahr. Aktuelle Entnahmemengen wollte er unter Einbeziehung des Betriebsgeheimnisses jedoch auch auf mehrfache Nachfrage nicht nennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare