Zu viele offene Fragen

Nach dreistündiger Diskussion: Zukunft des Wendener Schwimmbades weiter ungewiss

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Wie es mit dem Wendener Schwimmbad weitergeht, hängt jetzt von den Gutachten ab.

Wenden - „Das Schwimmbad der Grundschule Wenden wird umfangreich saniert. Im Fokus der Sanierung stehen insbesondere die Sanierung des Hubbodens, die Sanierung der Decke, des Daches, die Herstellung der Barrierefreiheit, die Erneuerung der Technik sowie die Sanierung der Umkleidebereiche. Alle weiteren Einbauten werden nach Bedarf erneuert. Die Sanierung der Decke wird im Frühjahr 2020 umgesetzt. Ein Gutachten über die Anlagetechnik und die Bausubstanz wird in Auftrag gegeben.“ So lautet der Beschlussvorschlag den die Verwaltung dem Wendener Gemeinderat für seine Sondersitzung am Mittwochabend unterbreitet hat. Doch daran entzündete sich harsche Kritik der Ratsmitglieder. Und am Ende einer rund dreistündigen Diskussion ist die Frage nach der Zukunft der Schwimmbads immer noch nicht geklärt.

Es herrschte überraschende Einigkeit im Wendener Rat: Dem – offenbar recht ungeschickt formulierten - Beschlussvorschlag wollte keine Fraktion folgen. Zu viele Fragen waren unbeantwortet. „Wäre die Vorlage der Gemeinde umfangreicher gewesen, hätten wir uns vieles sparen können“, sagte Heike Quast (UWG) am Ende der Diskussion. Schließlich habe man wichtige Dinge erst im Verlauf der Sitzung erfahren.

Auch die CDU stand vor großen Fragezeichen: „Wir haben nur grobe Tendenzen. Daher wäre es zu schnell, jetzt schon die Sanierung zu beschließen“, sagte Bernd Arns. Er stellte aber klar: „Sollte sich die Differenz von etwa sechs Millionen Euro Kosten zwischen der Sanierung für rund drei Millionen und dem Neubau des Schwimmbades für etwa neun Millionen bewahrheiten, sind wir für eine Sanierung.“ Dafür bräuchte man aber belastbare Zahlen, die nicht vorlägen. „Ein neues Schwimmbad hätten alle gern. Wir brauchen aber kein Millionengrab. Daher müssen wir die Kosten genau überprüfen“, so Arns.

Holterhof: Vorgehen der Verwaltung „beschämend“

Grünen-Fraktionschef Elmar Holterhof stieß in die gleiche Kerbe: „Die Gutachten liegen nicht vor, also können wir heute nichts beschließen.“ Was ihn ärgerte: „Die Fraktionen haben der Verwaltung Ende des Jahres nach deren Aufforderung 55 Fragen zum Schwimmbad zukommen lassen. Jetzt sagt die Verwaltung: ,Wir konnten nur wenige Fragen beantworten, aber wir schlagen die Sanierung vor.‘ Das ist beschämend. Die Verwaltung hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die Sitzung kommt zu früh.“

Thorsten Scheen, Vorsitzender der UWG-Fraktion, witterte gar Methode: „Es scheint, dass es in der Verwaltung von Anfang an keine große Bereitschaft gab, unsere Fragen zu beantworten. Als ich die Vorlage zum ersten Mal gelesen habe, war ich ein Stück weit erzürnt. Rund 70 Prozent unserer Fragen sind unbeantwortet geblieben. Die anderen 30 Prozent, wurden so beantwortet, dass sie die Argumentation des Bürgermeisters unterstützen.“ Die gutachterliche Betrachtung müsse dem Beschluss vorgeschaltet werden: „Wir werden uns einer nachweislich wirtschaftlichen Lösung nicht verschließen. Der Nachweis, dass die Sanierung diese Lösung ist, muss aber erst noch erbracht werden.“

Von einer „Milchmädchenrechnung“ sprach die SPD-Fraktion: „Die Verwaltung geht hin, nimmt die Kosten für die Generalsanierung und die für die kleinteilige Sanierung und errechnet den Mittelwert. Das macht in der Baubranche kein Mensch“, so Robert Dornseifer. Man müsse wissen, was alles saniert werden muss und dann die genauen Kosten ermitteln. „Wir sollen hier beschließen, erst zu sanieren und dann die Gutachten anzusehen. Das machen wir nicht mit“, sagte SPD-Fraktionschef Stefan Niederschlag. 

Gutachten „zwingende Voraussetzung“ für weiteres Vorgehen

Da half es auch nichts, dass sich Bürgermeister Bernd Clemens um Richtigstellung bemühte: „Wenn das Ergebnis des Gutachtens neue Vorzeichen bringt, müssen wir hier neu abstimmen. Niemand schlägt die Sanierung eines abbruchreifen Gebäudes vor.“ Das vorgeschaltete Gutachten sei „zwingende Voraussetzung“ für das weitere Vorgehen. Dieser zeitliche Ablauf indes steht so nicht explizit im Beschlussvorschlag.

Am Ende der langen Diskussion stimmte der Gemeinderat einstimmig dafür, zunächst die unmittelbar notwendigen Reparaturen an der Schwimmbad-Decke vorzunehmen. Dafür sind bereits 300.000 Euro im Haushalt vorgesehen, die Arbeiten sollen voraussichtlich in den Osterferien stattfinden. Zudem soll die Verwaltung Fachgutachter beauftragen, die den Umfang der Sanierung und die Kosten belastbar belegen sowie einen Neubau des Schwimmbades oberhalb der Gesamtschule nach dem „Werdohler Modell“ prüfen. Das Ergebnis wird dem Rat zur weiteren Entscheidung vorgelegt.

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