Gestoßen oder gefallen?

Tumult nach Kreispokalspiel zwischen Rot-Weiß Hünborn und der SpVg Olpe

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Gab es nach dem Spiel einen tätlichen Angriff auf Peter Rau (2.v.r.), oder ist er unglücklich gestürzt?

Hünsborn. Für den Kreisschiedsrichter-Ausschuss (KSA) ist die Sachlage eindeutig: „Nach dem Schlusspfiff des gestrigen (gemeint ist Mittwoch, 12. Oktober) Pokalspiels zwischen Rot-Weiß Hünborn und der SpVg Olpe ist es nach dem Verlassen des Platzes und vor dem Betreten der Umkleidekabine zu einem tätlichen Angriff auf das Schiedsrichter-Team durch Zuschauer des Heimvereins gekommen [...]“. So weit die Stellungnahme des KSA. Im Spielbericht steht „Gewalteinwirkung gegen einen Linienrichter“. Ein Sonderbericht des Schiedsrichters Ahmed Schrage soll folgen.

Das Kreispokalspiel endete nach 120 Minuten mit 3:4 für Olpe, bis zur 118. Minute führte RWH noch mit 3:2. Nach dem Schlusspfiff durch Schiedsrichter Schrage kam es unter dem Vordach des Clubheims zu einem Tumult. Einige Hünsborner Zuschauer regten sich mächtig über Entscheidungen des Gespanns auf: „Die Stimmung war angesichts dieser unglücklichen Niederlage und einiger aus unserer Sicht strittigen Entscheidungen aufgeheizt. Da sind Worte in Richtung Schiedsrichtergespann gefallen, die auf einem Sportplatz nichts zu suchen haben“, so ein Augenzeuge aus Hünsborn gegenüber dem SauerlandKurier. Diese Aussage ist unstrittig; bis hierhin sind alle Beteiligten einer Meinung. Was dann folgte, darüber gehen die Ansichten allerdings auseinander. 

Soweit möglich, im Folgenden eine Wiedergabe des Geschehens vor dem Clubhaus. Schiedsrichterassistent Peter Rau ist nach eigener Aussage auf dem Weg in die Kabine von einem Hünsborner Zuschauer tätlich angegriffen worden und gegen die Tür gefallen. Dabei zog er sich Verletzungen zu, die dazu führten, ihn in das Kreisklinikum in Weidenau zu transportieren. Der Aussage eines tätlichen Angriffs widerspricht der Augenzeuge: „Ich stand vor der Kabinentür und habe gesehen, wie der Linienrichter gegen die Tür gefallen ist. Meiner Meinung nach ist er unglücklich an der Stufe vor dem Clubhaus hängen geblieben, gestolpert und in den Raum gestürzt. Ich habe niemanden ringsherum gesehen, der nahe genug gewesen sein könnte, um ihn geschubst zu haben. Dies kann ich bezeugen. Diese Aussage haben auch andere unter dem Vordach bestätigt.“ Der KSA weiter in seiner Stellungnahme: „[...]Solche Vorfälle waren bis dato nur aus anderen Kreisen bekannt, so dass uns diese Tatsache in unseren Fairplay-Grundsätzen absolut erschüttert. Darüber hinaus haben wir kein Verständnis für die aggressive und feindselige Stimmung nach dem Spiel, da es keine relevanten Schiedsrichter-Entscheidungen mit Einfluss auf das Spielergebnis gab. Unabhängig davon gehören Emotionen in unserer Fußballwelt dazu und sind ausdrücklich erwünscht, wenn sie dem Sport dienen [...]“

„Zeitnahe Aufarbeitung“

Gestern Vormittag befassten sich Vorstandsmitglieder von RW Hünsborn in einer Sitzung mit einem anderen Thema natürlich auch mit dem Vorfall vom vergangenen Mittwoch. Im Anschluss daran erklärte der Sportliche Leiter Marius Schneider gegenüber dem SauerlandKurier: „Es tut uns unendlich Leid, was Peter Rau da passiert ist. Wir sind zurzeit dabei, diesen Vorfall in aller Sachlichkeit hieb- und stichfest aufzuarbeiten. Sollten sich die schweren Vorwürfe gegen uns bewahrheiten, werden wir uns dem stellen. Sollten die Vorwürfe allerdings unrichtig sein, werden wir uns natürlich dagegen wehren. Mehr kann ich im Moment dazu nicht sagen.“ Marius Schneider kündigte für die kommende Woche eine offizielle Erklärung seines Vereins an. 

Der Kreisschiedsrichter-Ausschuss fährt in seiner Stellungnahme schweres Geschütz auf: „[...]Die gestrigen andauernden Beleidigungen gegen das Schiedsrichter-Team und persönlichen Diffamierungen gegen einen weiteren Schiedsrichter aus unserem Kreis haben ein Ausmaß erreicht, das in keinster Weise tolerabel ist. Was uns allerdings mehr als sprachlos macht, ist die Tatsache, dass Spieler des Heimvereins beim Vorbeigehen am Krankenwagen den Vorfall ins Lächerliche zogen und sich weiterhin grob unsportlich verhalten haben. Solche Vorfälle haben auf einem Sportplatz definitiv nichts zu suchen. Wir gehen davon aus, dass die sportgerichtlichen Instanzen mit aller Konsequenz gegen dieses Fehlverhalten vorgehen werden. Wir haben hierbei vollstes Vertrauen und erwarten auch von Rot-Weiß Hünsborn ein eindeutiges Signal sowie notwendige Maßnahmen, damit dieser beschämende Pokalabend eine absolute Ausnahme bleiben wird[...]“. 

Das letzte Wort hat die Kreisspruchkammer.

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