„Bilder, die man sich als Europäer gar nicht vorstellen kann“

Unvorstellbare Verhältnisse: Petra und Mike Boachie kämpfen um Hilfe für Berekum

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Um alle Säuglinge unter zu bekommen, müssen die Schwestern im „Holy Family Hospital“ in Berekum, Kommoden und Schubladen zu Betten umfunktionieren.

Altenhof/Berekum. „So sieht es bei uns hier in Deutschland in keinem Keller aus“, beschreibt Petra Boachie die Verhältnisse im „Holy Family Hospital“ in Berekum, Ghana, der Heimat ihres Ehemannes Mike. Gemeinsam sorgen die beiden schon seit Jahren dafür, dass die Kinder in Berekum mit Kleidung und Unterrichtsmaterialien sowie das Krankenhaus mit in Deutschland ausrangierten, aber noch funktionstüchtigen Utensilien und Instrumenten ausgestattet wird.

„Wir waren letztes Jahr im Februar im ,Holy Family’ Krankenhaus auf der Säuglingsstation und die Verhältnisse waren erbärmlich. Das Krankenhaus verfügt über zwei alte und kaputte Inkubatoren, aus denen die Kabel heraus gucken – die übrigen Säuglinge liegen statt in kleinen Bettchen in Schrankschubladen. Das sind Bilder, die man sich als Europäer gar nicht vorstellen kann“, teilt die Altenhoferin im Gespräch mit dem SauerlandKurier ihr Entsetzen mit. 

„Wie hier in Deutschland sind die Menschen in Berekum auf ihre medizinische Versorgung angewiesen, nur ist es dort schwieriger für Ersatz zu sorgen, deswegen bitten wir die Krankenhäuser oder Altenheime hier in der Umgebung, bevor sie Dinge wegwerfen, die noch funktionsfähig sind, aber nicht mehr auf dem neusten technischen Stand sind, an uns weiterzugeben. Babywagen, Laufbänder zur Physiotherapie, Rollatoren, Gehhilfen, Wärmelampen, Blutdruckmesser, Betttücher als Operationsunterlagen und vieles mehr werden immer gebraucht.“

Auch alltägliche Hilfsmittel und Materialien mit hohem Verschleiß, wie beispielsweise Waschmaschinen oder Trockner sowie Trikots und Sportbekleidung oder aber Kinderspielsachen und Plüschtiere werden gebraucht. „Als wir in Ghana in einer Bar saßen, ging ein kleiner Junge mit total zerfetzten Fußballschuhen, die er kleben lassen wollte, an uns vorbei. Bei den Schuhen gab es jedoch nicht mehr viel zu kleben.“

Überwältigt von der Unterstützung

Zurück in Deutschland suchten die Boachies Unterstützung und erhielten von einem Schuhladen in Wenden sowie von Jannick Schneider, der ebenfalls aus Altenhof kommt, einige Bälle sowie Fußballschuhe. „Die Kinder waren so stolz als sie die Schuhe ihren Freunden präsentieren konnten“, freut sich Mike Boachie auch heute noch. Er fügt jedoch hinzu: „Natürlich macht es mich glücklich, wenn ich den Kindern die tollen Spielsachen weitergeben darf; es macht mich aber auch traurig, weil ich weiß, dass ich nicht alle beschenken kann.“

Jedes Stückchen Platz muss genutzt werden.

Die Boachies setzen sich schon seit Jahren für das westafrikanische Land ein, sammeln Sachspenden und finanzieren über Geldspenden oder Waffelbackaktionen den Transport der Güter. Von der Unterstützung in Altenhof sind Petra und Mike Boachie immer noch überwältigt: „Wir sind so dankbar, wie sich der FC Altenhof und die Frauengemeinschaft einsetzen. Viele Leute kaufen beispielsweise bei der alljährlichen Waffelbackaktion der Frauengemeinschaft zehn Waffeln und geben 20 Euro oder mehr. Das ist in Altenhof und in der Gemeinde schon toll.“ Besonders die leitende Ordensschwester in Berekum kann es nicht fassen, dass ihnen Jahr für Jahr ein Schiff aus Deutschland solch wertvolle Fracht überbringt.

Weitere Informationen, wie geholfen werden kann, sind bei Petra und Mike Boachie unter ☎ 02762/4072890 zu erhalten.

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