„Das ist ein Ereignis, das den Schülern lange im Kopf bleibt“

Rechnen zwischen Rindern: Wendener Gesamtschüler pauken „Mathe auf dem Bauernhof“

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Hoch im Kurs bei den Schülern stehen natürlich die Kälbchen.

Huppen. Zehn Einwohner weist die Statistik der Gemeinde Wenden für das Örtchen Huppen aus. Drei davon sind noch nicht im schulpflichtigen Alter. Huppen – das sind zwei Bauernhöfe nördlich von Bebbingen, nordwestlich von Schwarzbruch und Büchen und südöstlich von Halbhusten. Auch Ortsunkundige werden merken: Huppen liegt auf der Strecke zwischen Hillmicke und Iseringhausen. Huppen – das ist aber auch außerschulischer Lernort für die Klasse 6c der Gesamtschule Wenden. Und an diesem Freitagmorgen ist Lernen angesagt. Der Inhalt des Unterrichts ist allerdings nicht so naheliegend wie man zunächst denken könnte.

Nein, Biologie steht an diesem Morgen nicht auf dem Programm. Es ist Mathematik, womit sich die Schüler auf dem Hof Stracke beschäftigen. Was ungewöhnlich erscheint, wird etwas logischer, wenn man sich die Menschen ansieht, die auf dem Hof wohnen. Einer davon ist nämlich Marina Stracke, Lehrerin für Mathematik und Biologie an der Gesamtschule Wenden.

Und die Idee für „Mathematik auf dem Bauernhof“ entspringt ihrer zweiten Staatsarbeit: „Ich wollte eigentlich über Biologie auf dem Bauernhof schreiben. Mein Fachleiter sagte aber, dass es das bereits zu oft gegeben habe. Ich bin dann ziemlich geknickt nach Hause gekommen. Mein Mann Christian hat daraufhin vorgeschlagen, dass ich ,Mathematik auf dem Bauernhof’ als Thema nehmen soll.“ In diesem Zuge entwickelte sie auch das Konzept „Mathematik auf dem Bauernhof“: „Während meines Referendariats vor acht Jahren habe ich die Idee mit Schülern der Anne-Frank-Schule Meggen umgesetzt.“

Im Melkstand erklärt Christian Stracke, dass die Kühe freiwillig Milch geben.

Und dass man auf dem Bauernhof auch viel rechnen muss, davon können sich die Wendener Gesamtschüler beim Rundgang am Freitagmorgen überzeugen. Christian Stracke, der gemeinsam mit seinem Vater Gerhard den Hof leitet, erklärt zum Beispiel, wie viel Wasser ein Bauer bei der Fütterung eines Kalbes braucht, wie groß die Fläche ist, die einer Kuh im Stall zur Verfügung steht, oder wie viel Milch eine Kuh im Jahresdurchschnitt gibt. Nach dem Rundgang müssen die Schüler an vier Stationen Rechenaufgaben lösen, müssen zeichnen, wiegen und messen. Logische Lieblingsaufgabe: „Füttere das Kälbchen“– selbstverständlich nachdem die Schüler selbst ausgerechnet haben, wie viel Futter das Tier braucht.

Mit Rat und Tat zur Seite steht ihnen das Team des Hofs Stracke sowie Klassenlehrer Noah Wolke, außerdem der stellvertretende Schulleiter Dieter Karrasch, Schulsozialarbeiterin Bettina Flender-Leweke und Marina Stracke selbst. Und die ist sich sicher: „Das ist ein Ereignis, das den Schülern lange im Kopf bleibt.“

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