1. SauerlandKurier
  2. Kreis Olpe
  3. Wenden

Warum dieser Mann zu seinem Geburtstag 150.000 Euro verteilt

Erstellt:

Von: Sebastian Schulz

Kommentare

Willi Buchen (Mitte) aus Girkhausen im Kreis Olpe verteilte zu seinem Geburtstag acht Spenden.
Willi Buchen (Mitte) aus Girkhausen verteilte zu seinem Geburtstag acht Spendenschecks. © Schulz

Da kann man einfach nur staunen: Ein Mann aus dem Kreis Olpe hat seinen 80. Geburtstag zum Anlass genommen, um sage und schreibe 150.000 Euro zu spenden. Was ihn dazu bewegt - und wer die Begünstigten sind.

Girkhausen/Wenden - Er sagt, es gehe ihm gut. Dass er seit einem Jagdunfall vor vielen Jahren eine Behinderung am Fuß hat und dass er sich seit neuestem nicht mehr auf Krücken, sondern im Rollstuhl fortbewegen muss, sind für Willi Buchen eher eine Randnotiz. Denn für ihn zählt der Gedanke, dass es das Leben über viele Jahrzehnte gut mit ihm gemeint hat. Deshalb möchte der glückliche Familienmensch und Gründer eines erfolgreichen Landmaschinen-Betriebes etwas zurückgeben. Sein 80. Geburtstag sollte dazu die Kulisse für eine außergewöhnlich hohe Spende bieten.

Mittwoch dieser Woche, Geburtstagsparty im Feierraum an Willi Buchens Haus im beschaulichen Wendener Örtchen Girkhausen: Im Kreise seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten darf der frischgebackene 80-Jährige etliche Glückwünsche entgegen nehmen, bevor er mit einer Ansprache den für ihn wichtigsten Punkt des Tages einläutet – die Spendenübergabe.

Die Geschenke des Beschenkten sind in mehrere Schecks aufgeteilt: 80 000 Euro für Ärzte ohne Grenzen, 30 000 Euro für die Christoffel Blindenmission, 20 000 Euro für das DRK-Kinderkrankenhaus Siegen, 10 000 Euro für den Musikverein Altenhof und jeweils 2 500 Euro für die Wanderfreunde, die Schützenbruderschaft, den Fußballverein und den Kindergarten aus dem Dorf. Ihnen allen will er etwas zurückgeben.

Buchen selbst überkommen bei den Scheckübergaben immer wieder seine Gefühle. Er, der nie um einen heiteren Spruch verlegen ist – Zitat von Mittwoch: „Was mir besonders fehlt, ist, dass ich nicht mehr in Wirtshäuser gehen kann“ – hat Tränen in den Augen, als sich Kinderärztin Valerie Weiß stellvertretend für Ärzte ohne Grenzen für die Spende bedankt und von ihrem letzten Einsatz für die Organisation berichtet. Flüchtlingscamp, Südsudan, 132 000 Leute – so viele wie der ganze Kreis Olpe – zusammengepfercht in einem Zeltlager von 2x2 Kilometern. Viele von ihnen krank, vor Ort keine Hightech-Medizin mit MRT, CT und Co. und doch können so viele dank einer guten Therapie nach wenigen Tagen gesund werden. Es ist nur eines von vielen Ärzte-ohne-Grenzen-Projekte. „Wir können Ihren Scheck sehr gut gebrauchen“, sagt Valerie Weiß dem in diesem Moment emotional sichtlich mitgenommenen Willi Buchen.

„Ich sehe es als Bürgerpflicht an, Menschen zu helfen, die selbst nicht die Möglichkeit dazu haben“, sagt der Geburtstagssenior nicht nur zu diesem Anlass, sondern schon seit vielen Jahren, in denen er insgesamt mehrere hunderttausend Euro für wohltätige Organisationen gespendet hat.

Das Kinderkrankenhaus in Siegen gehört aus den soeben genannten Gründen ebenfalls zu den Spendenempfängern – eine Einrichtung, die ohne Spenden nicht wirtschaftlich betrieben werden könne, wie der Ärztliche Direktor Markus Pingel in seiner Danksagung betont.

Ungewöhnlicher ist der Grund, warum Willi Buchen für die Blindenmission spendet, aber die Geschichte passt zu ihm. Er habe vor Jahrzehnten geträumt, er hätte sein Augenlicht verloren und gespürt, wie es ist, blind zu sein. Er weiß seitdem das Privileg zu schätzen, sehen zu können. Die, die es nicht können oder denen zum Beispiel durch Krankheiten wie dem Grauen Star der Verlust ihres Augenlichts droht, will er helfen. Dafür hat er sich die Christoffel Blindenmission ausgesucht, eine Organisation, die laut Buchen schon das Augenlicht von 13 Millionen Menschen bewahrt hat. Und es kommen dank der Tätigkeit in 48 Ländern stetig mehr hinzu.

Aber nicht nur global will Willi Buchen helfen, sondern auch vor Ort. Deshalb sollen alle Vereine in Altenhof etwas vom Geburtstagskuchen abbekommen – der Musikverein, mit dem ihm eine jahrelange Freundschaft verbindet; der Fußballverein, der 70 Kinder aus dem Ort regelmäßig trainiert; die Wanderfreunde, die das Ortsbild verschönern und deren Gründungsmitglied Willi Buchen ist; und das Familienzentrum Kleine Strolche mit seinen 60 Kindern, über das Willi Buchen sagt: „Wir können stolz sein, dass wir noch einen Kindergarten im Ort haben.“

„Der heutige Tag steht im Zeichen des Dankes“, hatte Willi Buchen zu Beginn seiner Ansprache angekündigt. So kam es – und es soll nicht das Ende sein. Den Ärzten ohne Grenzen will er den Spendenbetrag mit jedem Lebensjahr um weitere 1000 Euro aufstocken. Diesen Punkt nahm seine Tochter gerne lachend auf: „Ich denke, wir alle freuen uns, wenn Papa 100 Jahre alt wird.“

Auch interessant

Kommentare