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Corona wird zur Zerreißprobe für die Gastronomie

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Von: Ines Engelmann, Andrea Vollmert

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Edgar Rameil und Sabine van Lakum vom Saalhauser Restaurant Flurschütz wollen aktiv gegen die Corona-Krise kämpfen.
Edgar Rameil und Sabine van Lakum vom Saalhauser Restaurant Flurschütz wollen aktiv gegen die Corona-Krise kämpfen. © Privat

Die Auswirkungen der Corona-Einschränkungen sind weiterhin für jeden im Alltag zu spüren. Zwei Restaurants im Kreis Olpe schließen vorübergehend. Andere aber versuchen, den Betrieb weiter aufrecht zu halten und sich durch Aktionen oder Umstellungen im Angebot an die veränderten Bedingungen anzupassen.

Kreis Olpe - „Wir schließen ab Mittwoch [Anm. d. Red.: gemeint ist der 12. Januar] für den ganzen Januar“, heißt es in einem Facebook-Post des beliebte Burger-Restaurant Cattlemen’s in Lichtringhausen , das im Jahr 2019 in den Räumen des ehemaligen Gasthofs Kramer eröffnet wurde.

Zu dem zwischenzeitlichen Betriebsstopp in Attendorn äußerte sich Inhaberin Jennifer Gelhart wie folgt: „Durch die steigenden Infektionszahlen gehen gleichzeitig die Gästezahlen zurück, hinzu kommen immer mehr Auflagen für die Gäste. Ein spontaner Besuch im Restaurant ist selbst für doppelt Geimpfte nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass für uns die 2G-plus-Regel nicht umsetzbar ist. Wir bräuchten extra Personal für diese Aufgabe. Dadurch, dass aber weniger Gäste kommen, rechnet sich das leider nicht.“ Wenn Gelhart bei den Corona-Regeln mitbestimmen dürfte, dann würde sie sich „einfach wieder die 3G-Regeln wünschen.“

Derweil seien die (Stamm-) Gäste sehr traurig über die vorübergehende Schließung, äußerten aber auch Verständnis gegenüber der Inhaberin. Gelhart ist sich sicher, dass die Gäste nach der Wiedereröffnung wieder da sein werden.

„Wir werden auf jeden Fall wieder öffnen. Wir haben es bis hier her durch alle Höhen und Tiefen der Pandemie geschafft, da geben wir nicht einfach auf.“ Wann und wie es weiter gehen wird, entscheidet das Team um Gelhart erst Ende des Monats.

Bujar Berisha schließt das Benediktiner Wirtshaus in Attendorn im Januar.
Bujar Berisha schließt das Benediktiner Wirtshaus in Attendorn im Januar. © Privat

Auch das Benediktiner Wirtshaus in Attendorn wird erst im kommenden Monat wieder öffnen. Betreiber Bujar Berisha meint, „dass es wirtschaftlich keinen Sinn macht“. Außerdem wolle er „seine Mitarbeiter und die Gäste schützen“. Der Attendorner Gastronom erklärt auf Nachfrage: „Stand heute betrifft die Schließung nur den Januar.“ Auf der anderen Seite ist er sich da aber nicht ganz sicher. „Wir reagieren im Zwei-Wochen-Takt, wie schon seit Monaten. Sollte sich etwas ändern, müssen wir unsere Entscheidung anpassen.“ Fakt ist: Das Wirtshaus wird in den kommenden zwei Wochen geschlossen sein.

Steinhoff: vermehrt „Außer-Haus-Verkauf“

Es gibt aber auch Beispiele, dass sich Restaurant-Besitzer im Kreis Olpe auf die Situation mehr und mehr einlassen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Kerstin Mosch vom Restaurant Steinhoff in Schönholthausen ist sich sicher: „Die Leute sind verunsichert und bleiben daher zu Hause.“ Auch in ihrem Restaurant sind die Besucherzahlen in den vergangenen Monaten nicht mit dem Niveau vor 2020 zu vergleichen. Sie und ihr Team haben daher vermehrt auf den „Außer-Haus-Verkauf“ gesetzt. „Früher wurde auch schon mal etwas zum Abholen bestellt, aber das war eher die Ausnahme“, erklärt Kerstin Mosch. Nun aber hat sie das Angebot ausgeweitet. An Weihnachten zum Beispiel gab es traditionelle Speisen, alleine vier verschiedene Suppen – jeweils literweise im Angebot. Schweinefilet, Gänsebrust, Rinderroulade und Wildragout wurden ergänzt durch süße Desserts. „Das Angebot ist wieder sehr gut angenommen worden“, freut sich Kerstin Mosch. „Abholen – warm machen – fertig“ ist hier das Motto.

Wenn das nicht hilft, müssen wir eventuell auch in Kurzarbeit gehen.

Kerstin Mosch, Restaurant Steinhoff in Schönholthausen

Aber auch im Restaurant Steinhoff guckt das Team mit Sorgenfalten in die Zukunft: „In den kommenden Wochen müssen die Mitarbeiter vielleicht Urlaub abbauen oder Minusstunden aufbauen. Wenn das nicht hilft, müssen wir eventuell auch in Kurzarbeit gehen.“

Ähnlich sieht das Edgar Rameil, Inhaber des Restaurant Flurschütz in Saalhausen: „Es hilft uns nicht, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten. Man muss aktiv werden.“ Der Betrieb mit Restaurant und Hotel ist ebenfalls von den rückläufigen Gästezahlen betroffen. „Die Zeit vor Karneval ist auch ohne Corona immer etwas schwächer.“ Der gelernte Gastronom denkt positiv und ist sich sicher, dass man „mit verschiedenen Aktionen auf sich aufmerksam machen soll und kann“.

Ein gutes Beispiel ist seine „Nacht der langen Steakmesser“, die in den kommenden Wochen viermal stattfindet und bei denen besondere Steaks in allen Größen – beginnend mit einem kanadischen Elchrücken-Steak – im Mittelpunkt stehen. „Das kommt bei unseren Gästen immer gut an und wir haben schon einige Reservierungen.“

Wir haben zwei Lockdowns überlebt. Dann schaffen wir das auch noch.

Edgar Rameil, Restaurant und Hotel Flurschütz in Saalhausen

Mit einem weiteren Alleinstellungsmerkmal schafft es Edgar Rameil außerdem, die Gäste bei Laune zu halten – und in sein Haus „zu locken“. In der Hausbrauerei Flurschütz stellt der Bierliebhaber besondere Spezialitäten her. Sie werden im Restaurant angeboten, aber auch „außer Haus“ in Fässchen oder Flaschen verkauft. „In den beiden Lockdowns war unser Bierverkauf ein wichtiges Standbein“, erinnert sich der Gastronom. Außerdem können Bier-Fans hier an regelmäßig stattfindenden Braukursen teilnehmen und so zum „Kenner und Könner“ werden.

Trotz der erfolgreichen Maßnahmen muss Edgar Rameil sein Team zum Teil in Kurzarbeit schicken. „Ich kann meinen Mitarbeitern nur danken, dass sie da so gut mitmachen“, ist er froh und blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Wir haben zwei Lockdowns überlebt. Dann schaffen wir das auch noch.“

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