Adam Barker-Mill stellt im Kunstmuseum Ahlen aus: Lichtkunst

Im begehbaren Lichtkasten von Adam Barker-Mill: „Disco Volante“ (2019) ist eine Farbkunstarbeit der Werkschau des englischen Künstlers im Kunstmuseum Ahlen. Foto: lettmann

Ahlen – Ein paar Schritte durch einen Gang und schon öffnet sich ein Raum, in dem Lichtkunst zu erleben ist. Ein großer Kreis färbt sich pink und der kleine Kreis inmitten der runden Fläche hält andersfarbig dagegen. Hat sich nun das helle Grüne vor das satte Pink geschoben? Oder ist dies eine Raumtäuschung, und die kleinere Fläche liegt immer hinter der größeren? Im Kunstmuseum Ahlen sind solche Fragen ab Samstag, 16 Uhr, zu stellen, wenn die Ausstellung „Adam Barker-Mill. Retrospektive“ eröffnet wird. Der Künstler aus dem Südwesten Englands, Jahrgang 1940, hat im Kunstmuseum seinen Einbau platziert, der ein wundervolles Erlebnis bereithält. Barker-Mill schafft mit künstlichem Licht Formen, die er durch den Wechsel von Farben in scheinbare Bewegung versetzt. Dabei wird unsere Wahrnehmung herausgefordert. Oder kann der Schatten einer pinkfarbenen Scheibe grün sein?

Solche Absurditäten werden von einer Lichtperformance behauptet, die mit ihren Farbnuancierungen einen beschäftigt und zunehmend vereinnahmt. „Disco Volante“ (umherziehende Scheibe) ist eine künstliche Box mit Farben, die am Computer programmiert werden. Trotz der Flächen- und Raumillusion, die erzeugt werden, bleiben sie erstaunlich körperlos. Dies Spektrum verschiebt in einer Endlosschleife Temperaturen, wie kaltes Blau oder warmes Rot. Aber es kennt keinen Anfang und kein Ende. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass das Bewusstsein des Betrachters für den Raum an sich und dem eigenen Körper nachlässt. Barker-Mills bewegte Farb-lichtkunst entgrenzt und abstrahiert. Man entspannt und entfernt sich vom Alltag.

Eine erstaunliche Erfahrung, die an die Farbräume von James Turrell (76) erinnert. Der Amerikaner flutet mit monochromem Licht ganze Räume und schafft eine Entmaterialisierung. Wer sich an Turrells Orten des Lichts aufhält, muss sich seiner selbst vergewissern und mal kneifen.

Barker-Mill ist nicht so radikal, ihm geht es mehr um die Frage, wie sich Farben zueinander verhalten. Eine Versuchsanordnung, die ihn zu Josef Albers (1888–1976) führt. Der Künstler aus Bottrop hat mit seinen Farbfeldstudien („Homage to the Square“) Generationen von Künstlern beeinflusst. Auch Barker-Mill zählt zu ihnen. Seine Installation „Colour Cube“ wird heute am Rande des Museumsplatzes um 18 Uhr präsentiert.

„Colour Cube“ (2015-2019) war der Anlass für die Schau in Ahlen, die Burkhard Leismann mit dem Galeristen Niklas von Bartha (London) organisierte. Bis Ende des Jahres führt Leismann das Kunstmuseum mit Stephan Trescher zusammen, der dann die Stelle des künstlerischen Leiters ganz übernimmt.

In der Ausstellung mit 35 Objekten wird vor allem das Gefühl für Farbe, Licht und Raum geschärft. Während in offenen Lichtkästen (2015) die wechselnden Farben aus den verborgenen LED-Lampen reflektiert werden und sich überstrahlen, fließen in den „Chromat“-Kisten aus mehrfarbigen LED-Bändern Farben ineinander. Es ist eine kinetische Kraft spürbar, die Farbkonstellationen erzeugt. Diese Bewegung definiert Farbe als Eigenschaft des Lichts. Das ist ein Anliegen Barker-Mills, das er seit 1985 verfolgt. Damals entschied sich der Engländer, nur noch als Künstler zu arbeiten und seine Zeit als Cutter, Kameramann und Filmproduzent (1964–1984) zu beenden. Barker-Mill war in der Independent-Szene unterwegs. In den 60/70er Jahren realisierte er Dokumentationen zu David Hockney, Richard Hamilton, R.B. Kitaj und Claes Oldenburg.

In Ahlen sind seine Bezüge zur Popart offensichtlich. Gestapelte Bananenkisten („Equapak“) und Plastikeimer werden mit Lichtketten erleuchtet. Barker-Mill zählt nicht zu den Minimalisten, die sich der Lichtkunst verschrieben haben. Er greift auf LED-Lampen, Kabel und Polyethylenbehälter aus dem Baumarkt zurück. Für die Installation „Table“ (2016) hat er Flaschen von Reinigungsmitteln erleuchtet und auf einem Tisch gruppiert. Die Ready-Mades stammen übrigens von Rewe und Lidl, wie in Ahlen erklärt wurde. Die „Originale“ waren auf der Reise verloren gegangen.

Die formale Klarheit der skulpturalen Objekte sorgt für den maximalen Effekt. In Barker-Mills „Stele“ (2014) aus sieben gleichgroßen Minikisten wandert das Licht von Grün, Gelb, Rot zu Blau. Ganz unspektakulär ist seine Wandarbeit „Schattenfuge“. Tageslicht kann in verschieden große Öffnungen zwischen zwei MDF-Platten dringen, so dass der Mittelteil strukturiert ist. Kunst, die sich über den Tag verändert.

Außerdem sind großformatige Reliefs in Weiss zu sehen. Seine Papierarbeiten mit Bleistiftraster dokumentieren den Verlauf von schrittweise verdünnter Farbe.

Nach Ausstellungen in England, Schottland, Island und Japan ist Ahlen für Barker-Mill ein Höhepunkt. Weil Lichtkunst in Deutschland und vor allem in der Hellweg-Region – „Lichtweg“ und das Zentrum für Lichtkunst in Unna – eine besondere Bedeutung hat, hofft Galerist von Bartha auf entsprechende Resonanz. In England müsse Kunst etwas Erzählerisches und Allegorisches haben, sagte der Galerist, deshalb sei Lichtkunst sehr unbritisch.

Heute um 18 Uhr wird die Barker-Mill-Installation „Colour Cube“ am Museumsplatz in Ahlen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Ausstellung „Adam Barker-Mill. Retrospektive“ wird am Samstag, 16 Uhr, eröffnet. Bis 16. 2. 2020; mi-fr 14 – 18 Uhr, sa, so 11 – 18 Uhr; Werkkatalog 40 Euro; Tel. 02382 / 91830; www.kunstmuseum- ahlen.de

Quelle: wa.de

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