Andreas Beuermann inszeniert „Die Rose von Stambul“

+
Wird am Ende alles gut? Szene aus der „Rose von Stambul“ mit Christian-Kai Sander, Lars Hübel und Johanna Schulte.

Münster - Wenn eine Frau als Rose bezeichnet wird, darf man einer Sache gewiss sein: Sie hat auch Dornen. „Die Rose von Stambul“ ist eine Operette von Leo Fall, und sie hat vor allem einen Hit: das Walzerlied „O Rose von Stambul“.

Der Sänger ist ein gewisser Achmed Bey, die Rose eine Kondja Gül, die gern westlich verheiratet sein will und Achmed nicht glaubt, dass er in Wahrheit der progressive Dichter André Léry ist. In der Kammeroperette Münster kommt einem die „Rose“ ganz nah – buchstäblich, denn der Spielort ist das U2, das Mini-Theaterchen im Untergeschoss des Kleinen Hauses in Münster mit 53 Zuschauerplätzen. Da kann man den Sängern bei jedem Atemzug zusehen.

Beziehungsweise den Haremsdamen beim Giggeln. Während Kondja Gül (Johanna Schulte) sich nach Liebe sehnt, tänzeln die Damen ihr nach, linsen in ihr Tagebuch, und als Achmed Bey (Christian-Kai Sander, auch verantwortlich für die Kostüme) auftritt, umtanzen sie ihn wie ein Nymphenreigen. Die zehn Sänger – darunter Studenten und Mitglieder des Opernchors – werden begleitet von Christiane Alt-Epping am Klavier und machen ihre Sache ordentlich, Carmen Finzel in der Buffopartie der Midili Hanum mehr als das.

Die „Rose“ dauert angenehme zweieinviertel Stunden inklusive Pause. Den „Rausschmeißer“ dafür macht Oliver Schwentke als Fridolin, der Midili Hanum entführen will und sich in Frauenkleidung in den Harem schleicht. Dort hüpft er als Varietémädel mit blonder Perücke her-um („Ich bin die Lilli vom Ballett“). Schön patriarchalisch gibt Lars Hübel Kondjas Vater und im dritten Akt dessen Bruder, einen Schweizer Hotelbetreiber. Da legt er mit der Gouvernante Bül-Bül (Gerlind Hoffmann) ein witziges Duett hin.

Es gibt viel Taft und kräftige Farben zu sehen, Sandalen aus dem Indienladen und Silberpailletten auf dem Hochzeitsmantel. Trotzdem ist das Kammer-Stück auch wirklich eins: nicht überladen, mit wenigen Requisiten, dabei schön zu gucken. Im Hotel- Akt bieten die weiblichen „Bediensteten“ dem Publikum „türkischen Joghurt“ an und stauben Zuschauer ab. Ein in Liebesdingen enttäuschtes Stubenmädchen schneuzt sich in ein Tuch mit dem Aufdruck: „Eigentlich bin ich Prinzessin“.

Regisseur Andreas Beuermann hat es vermieden, sich in die Untiefen der Politik zu begeben. Das ist besser so. Beuermann erzählt mit seinen Sängern ein lustiges Märchen, etwas fürs Herz, meist zum Lachen. Das Schöne an solchen Aufführungen ist: Musik und Handlung kommen einem ganz nahe. Man hört nicht nur, sondern sieht, wenn die Pianistin sich ein Hustenbonbon auswickelt. Jeder Wackler ist so dicht dran am Gehör wie jeder schöne Einsatz. Im Grunde funktioniert das wie Hausmusik: Operette mitten unter uns.

8., 29.11., 20.12.,

Tel. 0251/ 59 09 100,

www.theater-muenster.com

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare