Skulpturenpark Waldfrieden

Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys in Wuppertal

Badewanne von Joseph Beuys
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Ungetüm aus einer anderen Welt: „Badewanne“ (1961–1985) aus Bronze, Blei, Kupfer (Ed. 1 of 3 + 1 AP gestempelt, posthum 1987), zu sehen im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal.

Eine Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zeigt Exponate von Joseph Beuys.

Wuppertal – Wer Joseph Beuys gehört hat, weiß, wie wirkmächtig seine Rede und sein Auftritt waren. Filmaufnahmen von Podiumsdiskussionen mit dem Künstler, Videos seiner Performances und Dokumentarfilme vermitteln heutzutage etwas von seiner Persönlichkeit. Im 100. Geburtsjahr des Kunsttheoretikers, Provokateurs und Zeichners, der 1921 in Krefeld geboren wurde und 1986 in Düsseldorf starb, hat der Bildhauer Tony Cragg eine Ausstellung eingerichtet.


1972 hörte Cragg in der Whitechapel Gallery in London Beuys reden. Der 23-Jährige war vom Charisma, dem enzyklopädischen Wissen, der Assoziationsfähigkeit und Beuys’ Kunstanspruch beeindruckt. Nun ist im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal eine Ausstellung mit über zwanzig Exponaten von Joseph Beuys zu sehen. „Perpetual Motion“ umspannt die Zeit von 1949 bis 1985 anhand von Werken, die Freunde, Galeristen und Weggefährten zur Verfügung gestellt haben. Leihgeber sind die Galerie Thaddaeus Ropac, die Sammlung Viehof (ehemals Speck), die Galerie Klüser und Linde Rohr-Bongard, eine Kunstexpertin, die den Kunstkompass erstellt – ein Bewertungsmaßstab für internationale Kunst.

Joseph Beuys: Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal

In zwei Ausstellungshallen erhalten die Objekte an den Hängen des Stadtwaldparks eine eigentümliche Aura. Beuys’ Objekte wirken wie in die Natur eingebettet. Es sind Transportmittel für Ideen, Aktionen und seine kosmologische Gedankenwelt. Passt die Ruhe zu Beuys’ Werk?

Wuppertal war für den Mann mit Hut, wie er auch spöttisch genannt wurde, ein Ort, wo er an Happenings teilnahm. In der Zeit der Fluxus-Bewegung traf er in der Galerie Parnass Anfang der 1960er Jahre Künstler und Akteure dieser provokativen Kunstform wie Nam June Paik, Wolf Vostell, Bazon Brock, die Cellistin Charlotte Moorman, Eckart Rahn und Tomas Schmit. Tony Cragg, der über Joseph Beuys erstmals etwas von Rudolf Steiner gehört hatte, glaubt, dass viele Menschen in Wuppertal ein Verständnis für Beuys’ Kunst entwickelt haben. Es gebe hier viele anthroposophische Schulen und Werkstätten, sagt Tony Cragg.

Hauptwerk der Ausstellung ist die „Badewanne“ (1961–1985), die posthum fertiggestellt wurde. Beuys hatte schon alles für den Guss der Skulptur aus Bronze, Blei und Kupfer vorbereitet. 1987 wurde das Werk realisiert. Es gibt drei Exemplare. Die Rippenstruktur des Rumpfs geht auf die Form eines Mammutzahns zurück. Die „Badewanne“ ist ein Energieträger und wirkt in der verglasten Halle roh und wuchtig. Sie geht auf eine kleinteilige kombinatorische Arbeit zurück, die ebenfalls in Wuppertal zu sehen ist: die „Badewanne für eine Heldin“ (1950/1961). Beuys fügt dafür Elemente zu einem Gedanken, der erstaunt. Auf ein Rohrfragment setzte er eine Frauenskulptur („Ofen“, 1950). Daneben liegt ein Tauchsieder in einer Badewanne („Wanne“, 1961). Wenn mithilfe von Strom nun Wasser erhitzt wird und Dampf aufsteigt, gibt es einen neuen Aggregatzustand.

Joseph Beuys: Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal

Für Beuys entsteht dann eine „Aktionsplastik“. Dieselbe Materie (Wasser) ist nun Flüssigkeit und Dampf – eine „Wärmeskulptur“. Da auch das Rohrfragment Wasser leitet, geht es einmal mehr um Energie. Überträgt sich nun die Kraft auf die Frauenskulptur (Torso), dass sie lebendig wird, dann könnte sie sich im Wasser der Wanne bewegen und einen tödlichen Schlag (elektrischer Tauchsieder) erhalten. Letztlich lassen sich beide plastischen Werke, das Material und der Erzählstoff zur „Badewanne für eine Heldin“ (Guss, 1984) verbinden.

Nicht alle Exponate sind so komplex und kompliziert. Erläuterungen fehlen, so dass Tony Cragg und die Kuratorin Corinna Thierolf ganz auf die Objektgestalt setzen. Wie es Beuys selbst bei seinen Vitrineninstallationen vorgemacht hat, die für ihn „Lagerplatz“ und „Naturkundemuseum“ sein konnten.

„Die Objekte sind nur verständlich in Zusammenhang mit meinen Ideen“, sagte Beuys 1970 und bezog sich auf seine Multiples, von denen er insgesamt 557 schuf. Zum Beispiel die Holzkiste „Intuition“ (1968), von der rund 12 000 Objekte produziert wurden. Oder der Backstein. 1983 signierte Beuys 200 rote Ziegel, um mit dem Erlös seine Free International University (F.I.U.) zu unterstützen. Es war eine späte Reaktion auf seinen Rauswurf 1972. Beuys hatte als Professor an der Akademie der Künste in Düsseldorf den Numerus clausus als grundgesetzwidrig bezeichnet. Johannes Rau, Minister für Wissenschaft und Forschung, entzog ihm daraufhin die Lehrerlaubnis. In Wuppertal sind „2 x Backstein für F.I.U.“ zu sehen. Auch das Plakat „La rivoluzione siamo Noi“ (Die Revolution sind wir, 1972) zählt zu den Multiples. Anfangs wurde das Motiv als Grafik in Neapel verkauft. Später stimulierte das Bild des entschlossenen Künstlers Freiheits- und Umsturzgedanken in den 70er Jahren.

Beuys-Ausstellung in Wuppertal

Bis 20. Juni; di-so 11 – 18 Uhr, nur mit negativem Corona-Test ist die Ausstellung zugänglich. Ohne Test darf das Freigelände des Skulpturenparks mit Online-Terminbuchung besucht werden. Täglich auf der Internetseite des Skulpturenparks Waldfrieden informieren!

Aber Beuys hatte nichts mit der RAF und den Roten Brigaden (Italien) zu tun. Seine Revolution sollte friedlich vonstatten gehen – durch kreatives Handeln. Auf der documenta 5 (1972) richtete er sein „Büro für direkte Demokratie zur Volksabstimmung“ ein. Die „Rose für direkte Demokratie“ (1973) erinnert daran. Sie steht in einem Messzylinder aus Glas. Der Titel windet sich um das Behältnis, wie gewachsen. Und dass es nicht leicht wird, symbolisieren die Dornen. Aber am Ende des Prozesses steht die Rosenblüte mit ihrer Schönheit aus vielen Blättern.

„Beuys wollte die Gesellschaft verändern und beeinflussen“, sagt Cragg. Falls die Ausstellung in Wuppertal aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen werden muss, können die Organisatoren die Schau nicht verlängern. Alle Objekte seien für Folgeausstellungen bereits gebucht, sagt Tony Cragg.

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