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Das Baukunstarchiv NRW in Dortmund bewahrt die Architektur des Landes

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Von: Ralf Stiftel

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Frisch restauriert: Der alte Lichthof im Baukunstarchiv NRW am Ostwall in Dortmund.
Frisch restauriert: Der alte Lichthof im Baukunstarchiv NRW am Ostwall in Dortmund. © Stiftel

DORTMUND - Dortmund hat am Ostwall wieder ein Museum. Am einstigen Standort des Ausstellungshauses für moderne Kunst, das jetzt im Dortmunder U untergebracht ist, den Namen freilich mitgenommen hat, wird von Sonntag an bedeutende Architektur präsentiert. Das einstige Museum am Ostwall heißt nun Baukunstarchiv NRW.

Für das prestigeträchtige Vorhaben wurde das Gebäude aufwendig renoviert. 3,5 Millionen Euro wurden investiert, Budget und Termin wurden eingehalten. Hinter dem Unternehmen steht eine gemeinnützige GmbH, die von der Architektenkammer NRW, der Stiftung deutscher Architekten, der Ingenieurkammer Bau NRW und einem eigenen Förderverein getragen wird. Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer, sprach von der Notwendigkeit und dem Ehrgeiz, die zur Gründung führten. Architektursammlungen und -museen gibt es in Frankfurt, München, Berlin, aber nicht im größten Bundesland. Immer wieder seien der Kammer Nachlässe angetragen worden, die man zum Teil nur weitervermitteln konnte an Kommunen oder Landschaftsverbände. In der Stadt Dortmund habe man einen engagierten Partner gefunden. Auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau zeigte sich erfreut, dass man sich gegen namhafte Konkurrenz wie das Weltkulturerbe Zollverein durchgesetzt habe.

Ein weiterer wichtiger Partner des Archivs ist die TU Dortmund, die Architektur- und Stadtplanungsstudiengänge anbietet. Sie brachte ihre bedeutende eigene Sammlung ein. Und dazu Arbeitskraft: In Seminaren werden die Bestände des Archivs künftig erschlossen und für Präsentationen aufbereitet. So kommt das Haus mit einem formal schmalen Budget zurecht. Jeder Träger steuert eben auch Arbeitskraft bei. Das ermöglicht schon jetzt ein beachtliches Programm: Für 2018/19 sind zehn Ausstellungen vorbereitet, unter anderem zum Bauhaus und zum „Hagener Impuls“, den Karl Ernst Osthaus gab. Dabei steht der eigene, umfangreiche Bestand im Fokus.

Zur Eröffnung stellt das Baukunstarchiv seine Sammlung im Querschnitt vor. Rund 80 Nachlässe bedeutender Architekten hat es inzwischen aufgenommen, zum Teil umfangreiche Bestände aus Bauzeichnungen, Skizzen, Modellen, Objekten, Fotos, Dokumenten und Büchern. Aus jedem Nachlass findet man ein Stück in der Ausstellung „Eins zwei drei Baukunstarchiv“.

Der Schwerpunkt liegt dabei, so erläutert Wolfgang Sonne, Professor an der TU und wissenschaftlicher Leiter des Archivs, auf der Nachkriegsmoderne. Die Architektur des Wiederaufbaus galt lange nicht viel, aber erfährt zur Zeit neue Wertschätzung. In Dortmund kann man jene Bauten studieren, die bis heute nicht nur das Gesicht des Ruhrgebiets prägen. So erinnert das Foto eines Handwerkers mit einem mannshohen Modell des Turms der Reinoldikirche an Herwarth Schulte, der das kriegszerstörte Gotteshaus nach eigenen Plänen wiederherstellte. Wilhelm Seidensticker schuf die moderne Fassade des Essener Grillo-Theaters. Werner Ruhnau gestaltete das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Zu sehen ist ein Modell für die von Gisberth Hülsmann entworfene Kirche St. Cyriakus in Bruchhausen. Bis in die Gegenwart reichen die Exponate, vom Modell von Helge Bofingers Hochhaus für die Frankfurter Messe über ein Modell von David Chipperfields Neubau des Essener Folkwang-Museums bis zum Foto der von Eckhard Gerber entworfenen King Fahad Nationalbibliothek in Riad.

Aber das Archiv hat auch ältere Objekte, zum Beispiel die imposante Skizze einer Elbbrücke (1908), realisiert von der Gutehoffnungshütte. Und herrlich nostalgisch ist die Perspektivzeichnung, die Rudolf Brüning 1928 von einer Tankstelle schuf.

Eins der wichtigsten Stücke ist allerdings das Gebäude selbst, das einstige, 1875 fertiggestellte Oberbergamt, das ab 1909 als Museum genutzt und im Weltkrieg stark beschädigt wurde. Leonie Reygers, die Nachkriegsdirektorin, überbaute ohne Unterstützung eines Architekten mit Hilfe der Bürgerschaft die Bombenruine Schritt um Schritt zum funktionsfähigen Museum, das 1956 neu eröffnet wurde.

Die Geschichte kann man dem Haus ablesen: Die Restaurierung durch das Büro Spital-Frerking + Schwarz Architekten respektiert die jeweilige Originalsubstanz. Man erlebt den Lichthof in frischem Glanz, man sieht aber in Seitenräumen auch freigelegt Partien des Backsteingewölbes. Die Aussteller können nichts an die Wände bringen. Also präsentiert man jedes Objekt gleichsam in einer eigenen Vitrine aufgestellt auf Sockeln vor den Wänden. Es soll aber nicht nur Ausstellungen geben: Besucher können nach Anmeldung Bibliothek und Archivalien einsehen, das Archiv veranstaltet Konferenzen und stellt auch Baukunstinteressierten für Veranstaltungen Räume zur Verfügung.

Eröffnung Sonntag, 4.11., 14 Uhr, bis 17.2.2019, di – so 14 – 17, do bis 20 Uhr,

www.baukunstarchiv.nrw

Katalog, Kettler Verlag, Dortmund, 34 Euro

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