Claudia Desgranges Bilder in Beckum

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Farbe und Struktur: „Ohne Titel“ von Claudia Desgranges ist im Stadtmuseum Beckum zu sehen.

Beckum - Die Zeit rast dahin wie ein Zug durch die Landschaft. Bilder und Eindrücke jagen vorbei, es bleiben Erinnerungen von Farben, Stimmungen, Atmosphäre. Nur manchmal ist alles zu viel. Es flimmert vor den Augen. Der Kopf schmerzt von all den Bildern. So kann man es vor den Gemälden von Claudia Desgranges empfinden. Farben prasseln ein, verwischt, verzerrt, wie im Rausch.

Die Ausstellung „update“ im Stadtmuseum Beckum zeigt rund 25 überwiegend aktuelle Arbeiten der in Köln lebenden Künstlerin. Die Schau ist ein Kooperationsprojekt mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn und dem Museum Liner im Schweizer Appenzell.

Es geht um das Flüchtige in Desgranges‘ Bildern. Nicht darum, es einzufangen, sondern die Flüchtigkeit und das Zerrinnen von Zeit an sich darzustellen. Dazu widmet sich die Künstlerin konsequent und vollkommen der Farbe. Sie benutzt glatte Aluminiumplatten als Maluntergründe, trägt die Farben wässrig und in Schichten auf. Die Strukturen des Pinsels bleiben sichtbar, mal tropft sie Farben auf oder verwischt sie gestisch. So entstehen fließende Übergänge und Richtungsströme.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die spiegelnde Oberfläche des Aluminiums, die immer wieder durchschimmert. Schemenhaft taucht der Raum in den Bildern auf, auch der Besucher wird Teil des Bildes. Manchmal erinnern die Arbeiten an regennasse Scheiben, in denen sich die Lichter entgegenkommender Autos spiegeln. Oder an Pfützen, die die Lichter der Stadt reflektieren. So auch die Serie „rough cuts“. Hier sind die Bilder auf glattem Fotopapier gemalt und hängen ohne Rahmen, sodass sie mit der Wand verschmelzen. Farbintensiv stürzen sie sich auf den Betrachter, herausfordernd in malerischer Wucht.

„Nicht das Versinken in einem Bild ist das Ziel, das Auge soll angeregt umherwandern“, erklärt die 1953 in Frankfurt geborene Künstlerin. Besonders deutlich wird das in den schmalen, filmstreifenähnlichen Bildern der Serie „zeitstreifen“. In horizontalen Pinselstrichen zieht sich die Farbe über das Aluminium. Weiß trifft auf Rot, Grün beispielsweise auf Gelb. Dort, wo die Farben aneinanderstoßen, kommt es zu Vermischungen. Man hat das Gefühl, in einem fahrenden Zug zu sitzen, die Gegend rauscht vorbei und man wird dabei überschwemmt von Eindrücken, ohne sie fassen zu können.

Desgranges verweist damit auf die uns ständig umgebende, alltägliche Bilderflut und stellt Fragen, inwieweit sich unsere Wahrnehmung durch die neuen Medien verändert, was Multitasking mit uns macht. In ihrer Werkgruppe „Composite paintings“ kombiniert sie unterschiedliche Farbbilder miteinander und lässt sie einander an der Wand überlappen. Wie auf einem Bildschirm, auf dem gleichzeitig die unterschiedlichsten Bilder, Farben, Texte flimmern, verschwinden und immer wieder neue dazukommen. Die vielen Farben, Bewegungsrichtungen und Geschwindigkeiten irritieren, machen beinahe schwindelig.

Marion Gay

Bis 15. November; di-fr und so 9.30-12.30, 15-17 Uhr; sa 15-17 Uhr; Katalog 20 Euro

Tel. 02521/ 29264

www.beckum.de

Quelle: wa.de

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