FFP3-Maske war schon da

DASA in Dortmund reagiert in der Dauerausstellung auf die Corona-Pandemie

Katrin Petersen und Sarah-Louise Rehahn von der DASA Dortmund mit einem Modell von Viren und Bakterien.
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Katrin Petersen und Sarah-Louise Rehahn von der DASA Dortmund mit einem Modell von Viren und Bakterien.

Das Corona-Virus haben sie noch nicht in der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund. Aber das blaugrüne Modell des Influenza-Virus mit seinen Stacheln sieht doch ganz ähnlich aus.

Die Abteilung „Infektionsschutz“ in der Ausstellung „Heilen und Pflegen“ hat durch die Pandemie ganz neue Aktualität bekommen, weiß Kuratorin Katrin Petersen.

Eigentlich sollte die neu gestaltete Dauerausstellung Ende Oktober eröffnet werden. Aber dann kam der Lockdown und machte nicht nur den Termin hinfällig. Durch die Pandemie kam es auch zu Verzögerungen im Aufbau, weil zum Beispiel Ausstellungsstücke aus dem Ausland nicht rechtzeitig geliefert wurden. Nun wird in dem Institut in Dorstfeld weiter gestaltet. „Normalerweise arbeitet man beim Gestalten einer Ausstellung auf einen Termin zu. Das ist jetzt anders. Es fühlt sich komisch an“, meint Petersen.

Der Bereich „Heilen und Pflegen“ war ein Publikumsliebling des Museums. Von Informationen, die vom altersgerechten Wohnen bis zu Rückenbeschwerden reichen, fühlen sich viele angesprochen. Viele Bereiche des Hauses sind eher technisch ausgerichtet, handeln von Fabrikarbeit, dem Transportwesen, der Elektrizität. Bei „Heilen und Pflegen“ geht es um Menschen. Aber die Präsentation, Anfang der 2000er Jahre konzipiert, war in die Jahre gekommen. Und das sah man ihr auch an. Exponate, die benutzbar sind, wurden durch den Gebrauch reparaturbedürftig. „Damals war es auch Mode, Ausstellungsbereiche dunkel zu halten“, meint Katrin Petersen. Als vor drei Jahren klar war, dass eine Neugestaltung anstand, sollte auch der Blickwinkel geändert werden. Die Schau soll erklären, wie das Gesundheitswesen funktioniert. „Es sind ja besondere Berufe, bei denen man den Menschen nah kommt, im doppelten Sinn, körperlich und emotional“, sagt Petersen.

Durch Corona hat das Berufsfeld eine hohe Aufmerksamkeit gewonnen. „Es geht nicht nur, um es einmal böse auszudrücken, um sauber machen und füttern“, betont Petersen. Die Ausstellung soll auf 800 Quadratmetern mit mehr als 100 Exponaten den Alltag abbilden. Die Arbeit ist herausfordernd und verlangt hohe Qualifikationen. Das zeigt schon der Bereich zum Infektionsschutz. Da sieht man eben die riesig vergrößerten Modelle des Grippevirus. Aber auch der berüchtigte Krankenhauskeim ist zu sehen, das MRSA-Bakterium, dem Antibiotika nichts anhaben, und, kein Mikrowesen, aber auch ziemlich unangenehm: die Krätzmilbe. Schon vor Corona hatte die DASA einen Infektionsschutzanzug Typ 3 mit FFP3-Maske angekauft, der damals zum Beispiel gegen die Vogelgrippe eingesetzt wurde. Jetzt sieht man das Gerät mit neuen Augen. Und auch das richtige Händewaschen wird man in der Ausstellung üben können, wie es zur Ausbildung professioneller Pfleger gehört, mit Kontrolle unter Schwarzlicht. Infektionen kannte man schon vor Corona, Ebola zum Beispiel. „Aber damals war das noch Stoff für die Nachrichten, weit weg in Afrika“, sagt Petersen.

Auf Corona geht die Ausstellung auch direkt ein, zum Beispiel mit der Stahlskulptur „Hier und heute“, für die der Dortmunder Künstler Sebastian Wien ein Modell des Virus gestaltete. Zumindest in einer künstlerischen Interpretation ist der Erreger also doch präsent. Und in einem Multimediabereich wird gezeigt, wie Pflege plötzlich in die Öffentlichkeit kam, sei es mit dem demonstrativen Applaus von den Balkonen und aus Fenstern, aber auch mit kritischen Stimmen zu Bezahlung, Zeitdruck, Personalmangel. Aber das bleibt nur ein Aspekt in der Schau. Die Veränderungen im Alltag werden sich vielleicht einmal in anderen Abteilungen niederschlagen, zum Beispiel wenn es um Büroarbeit geht. „Da könnten dann auch Home-Office und Zoom-Konferenzen Thema werden“, sagt Petersen.

Bei „Heilen und Pflegen“ werden fünf Bereiche nachgezeichnet: Untersuchen, Retten, Operieren, Therapieren und Pflegen. Dazu werden spektakuläre Objekte präsentiert wie ein begehbarer Rettungswagen. Man wird eine Herzdruckmassage an einem Dummie üben können. „Sie wissen ja, für den richtigen Rhythmus können Sie an Ihr Lieblingslied denken wie ,Stayin Alive‘ oder ,Atemlos durch die Nacht‘“, erklärt Petersen. Sogar eine Operation an der Gallenblase kann der Besucher einmal ausprobieren, an einem Simulationsgerät. Das sei so authentisch, dass man sogar einen Widerstand beim Schneiden spürt.

Die Schau soll vorführen, wie sehr Zusammenarbeit gefordert ist. „Am OP-Tisch steht ja nicht nur der Chirurg. Da sind in unserer Schau sechs Positionen, wie der Springer, der außerhalb des sterilen Bereichs Dinge besorgt, und der Instrumentierende, der das Skalpell anreicht, aber auch dafür sorgt, dass nichts vergessen wird“, beschreibt Petersen. Selbst die Reinigungskraft trägt hohe Verantwortung: Der Raum muss wieder steril werden. Und problematische Stoffe wie Gewebereste und infektiöse Stoffe müssen entsorgt werden.

Und ab wann kann man „Heilen und Pflegen“ besuchen? „Ich glaube nicht, dass wir noch im März öffnen“, zweifelt Petersen. Gerade wurde der Lockdown verlängert. Aber vielleicht können die Leute nach den Osterferien kommen. Bis dahin ist die Ausstellung sicher fertig.

DASA Dortmund, zur Zeit geschlossen, mo – fr 9 – 16, sa, so 10 – 18 Uhr, Tel. 0231/ 9071 2645, www.dasa-dortmund.de

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