Roman aus Frankreich

Véronique Ovaldé über „Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln“

Véronique Ovaldés Roman: Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln. Coverbild.
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Véronique Ovaldés Roman: Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln. Coverbild.

Eine Frau packt ihre Töchter ins Auto und fährt ins Elsass. Véronique Ovaldé erzählt empfindsam und gescheit, warum Gloria flieht.

Gloria haut mit ihren Töchtern ab – nach Kayserheim ins Elsass in ein Haus im Wald. Adieu Südfrankreich! In Véronique Ovaldés Roman „Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln“ braucht Gloria einen Vorsprung. Die Beretta 92 hat sie eingesteckt. Wer ist hinter ihr her und warum? Vor Jahren hatte es einen Unfall gegeben. War ihr Mann beteiligt? Wieso geht Onkel Gio nicht ans Telefon? Was will der Scheidungswalt ihrer Eltern von Gloria? Solche Fragen setzt die in Frankreich sehr bekannte Schriftstellerin (Jahrgang 1972) mit Bedacht ein.

Ovaldé schreibt aber keinen Krimi. Sie interessiert sich vielmehr für die Identität ihrer Heldin, für ein Selbstbild. Es geht auch um die Liebe zu Samuel aus Anjou, diesem Ganoven mit einer Haut wie Karamell. Neben aller Intimität entwickelt Ovaldé vor allem bezaubernd alltägliche Episoden über ihre Familie. Ihr Erzählton umkreist Beziehungen, Gefühle und findet Bilder für Entfremdung („Sie durfte nicht zu viele verschlossene Räume in sich einrichten“). Ovaldé bringt einem eine Frau nahe, die in sich etwas trägt, dass sie nicht als Makel erkennt. Warum?

Ihre Mutter war mit einem Zahnarzt verschwunden, Gloria blieb mit dem Vater zurück. Das klingt nach Analyse, aber es bietet Aspekte einer Geschichte, die souverän arrangiert ist und überzeugt. Denn im Leben lässt sich nicht alles erklären. Warum sollte ein Roman das tun? Samuel hatte Gloria Schießen beigebracht, als er bei ihr war. Véronique Ovaldé: Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln. Aus dem Französischen von Sina de Malafosse. Frankfurter Verlagsanstalt. 222 S., 22 Euro. 

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