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Bryan Adams stellt seine Fotografien im Osthaus Museum in Hagen aus

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Von: Achim Lettmann

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Mickey Rourke aus der Serie „Exposed“.
Ein Moment für sich: Mickey Rourke aus der Serie „Exposed“. © Bryan Adams

Als Rock-Pop-Musiker ist Bryan Adams weltweit bekannt. Dass er ein sehr guter Porträtfotograf ist, zeigt das Osthaus Museum in Hagen: 120 Bilder.


Hagen – Diese Ausstellung liefert Kontraste. Der Oscarpreisträger Ben Kingsley („Gandhi“) ist mit Hut, grauem Brusthaar und Blüte im Knopfloch zu sehen. Bryan Adams fotografierte ihn 2011 in London. Kingsley blickt in die Kamera – es ist ein Moment mit ihm zu sehen. Im Osthaus Museum in Hagen wird neben den Ikonen aus Adams’ Fotoserie „Exposed“ auch ein Tableau aus 32 kleinformatigen Porträts der Serie „Homeless“ ausgestellt. Der kanadische Rocksänger, der aufgrund seiner Popularität schnell Verbindung zu Stars aus Film, Musik und Mode aufnehmen kann, trifft auch andere Menschen. Wie Michael Costello, der ein Pflaster auf der Stirn hat und zwei Schlüssel an einem Band um den Hals trägt. Er wirkt hilfsbedürftig und verletzlich, aber nicht verloren. Costello ist neben Cornel Jarca zusehen, der zwischen seinen fünf Zähnen noch ein Lücke hat. Vor allem überstrahlt das Lachen seiner Augen den Zustand seiner Kauleiste. Die Porträtierten in „Homeless“ (2011–2018) sind bei sich, auch wenn sie vor hellem Hintergrund dem Fotografen Model stehen und vom beschwerlichen Alltag eine Pause einlegen: Die heitere Rosemarie Fu, Jane Burns, die mit Stolz ihre Kette zeigt, und Dean Poster, der nur sein Oberarmtattoo in die Kamera hält.

Was zeigen die Porträts von Bryan Adams? Natürlich stechen auch in Hagen die Starfotografien heraus. Direktor Tayfun Belgin hat aus einem Konvolut von 180 Aufnahmen 120 fürs Museum ausgewählt. Auch die kleinen Formate haben es ihm angetan. Wie „Amy Winehouse, Mustique, 2007“, das die Soulmusikerin (1983–2011) ganz still und in sich gekehrt zeigt. Auf dem Farbfoto ist kein Hinweis, was sie im Sinn hat. Adams lässt einen mit seinen Fotos an einer Begegnung teilhaben, aber verrät nichts.

Ganz anderes setzte er „Isabella Blow, Paris, 2003“ in Szene. Adams’ Schnappschuss von der britischen Modejournalistin (1958–2007) entfaltet den Glamourfaktor einer Partygesellschaft und wagt den Paparazzi-Blick ins Dekolleté. In Schwarzweiß ist das noch opportun. Ein Klassiker des fotografierenden Rockmusikers.

Man flaniert durch die Schau „Exposed“ und sieht die Stars, die man kennt, doch irgendwie anders. Mick Jagger sieht im grünen Hemd 2008 richtig gut aus, was bei Mickey Rourke im pinken Anzug nicht mehr zutrifft. Julianne Moore, Oscarpreisträgerin, verschränkt ihre Arme zur Schutzhaltung 2010. Der blasse Teint der Rothaarigen lässt ihre Sommersprossen durchscheinen. Nadja Auermann ist breitbeinig, Udo Kier ausgestreckt, Bill Kaulitz mit Gesichtspiercing zu sehen. Und erotisch kann Bryan Adams auch, wenn Model Yasmin Le Bon im Bildsujet Rückenansicht 2011 ein Mieder geschlossen und das Haar offen trägt. Es brizzelt.

Ein Novum der Ausstellung sind die neun großformatigen Fotografien, die für den Pirelli-Kalender 2022 entstanden sind. Adams war ausführender Fotograf. Erstmals ist erlaubt, dass Aufnahmen dieses Kalenders ausgestellt werden. Viel Arbeit für Anke Degenhard, Bryan Adams’ Kuratorin, die die Freigaben für Hagen erwirkte. Thema des Pirelli-Kalenders, der nicht zu kaufen ist, sind Stars „On The Road“, also im Backstage-Modus. Wie Rita Ora, die Musikerin und Schauspielerin („Fifty Shades Of Grey“) liegt in einem knappen Body aus Kettengliedern in einer Badewanne.

Und doch gilt bei allem Glamour der Reichen und Schönen, dass Bryan Adams als wichtigstes Fotoprojekt seine Serie „Wounded“ heraushebt. Adams hatte britische Afghanistan-Veteranen und ihre Familien zum Fotoshooting eingeladen. Es sind Kriegsversehrte, die ihre Verletzungen mit Würde zeigen, wie Joe Townsend, der auf seinen Unterschenkelprothesen sitzt und seine Arm- und Rückenmuskulatur anspannt. Oder Corporal Billy Drinkwater (2010), der an seinen Gesichtsnarben vorbei schaut – mit klaren Augen. Es hätte ihn schlimmer treffen können. Andere hatten weniger Glück, das zeigen Adams’ kraftvolle Männerbilder.

Die Fotografien des Musikers, der 1959 in Kingston (Kanada) geboren wurde und über 100 Millionen Tonträger verkauft hat, touren rund um die Welt. Die nächste Station ist Budapest. Alle Einnahmen aus den Ausstellungen gehen an die Bryan Adams Foundation, die Hilfsprojekte weltweit unterstützt.

Bis 24.4.; di – so 12 – 18 Uhr; Tel. 2331/207 3138; www.osthausmuseum.de

Bryan Adams kommt am

14. März nach Hagen.

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