Revierkarneval im Sommer

„Geierabend“ auf Phoenix West in Dortmund

Sandra Schmitz, Angelo Enghausen Micaela und Hans-Peter Krüger (rechts) in Dortmund.
+
„Geierabend“ und Gegensätze: Sandra Schmitz, Angelo Enghausen Micaela und Hans-Peter Krüger (rechts) in Dortmund.

„How Much is The Pott?“ ist das Motto des Geierabends nach der Corona-Zwangspause. Im Schalthaus 101 in Dortmund amüsiert die Sommerausgabe.

Es wird wieder gegeiert im Ruhrgebiet. Nach der Coronapause und den Juni-Absagen spielt das Ensemble um „Präsi“ Roman Henri Marczewski und Steiger Martin Kaysh im Schalthaus 101 auf Phoenix West in Dortmund. Auf der Zeche Zollern II/IV soll es zur nächsten Karnevalssaison weiter gehen, verspricht Kaysh und bedankt sich bei knapp 360 Premierenzuschauern für ihre Treue. Es gibt „Keineval“ zwei Stunden lang. Das funktioniert unter dem Motto „How Much is The Pott?“ mit fetziger Musik und kernigem Ruhri-Witz. Sandra Schmitz macht als alleinerziehende Frau Kowalski einen Lehrkörper rund, der ihre Zwillinge Melody und Harmony beschulen soll. Dabei hatte sich der Pädagoge (Murat Kayi) in eine Ayurveda-Klinik verdrückt, um Burn-out und Tinitus behandeln zu lassen. Schon wenn Kowalski nach ihrem Sohn Kingston ruft, ist es laut und kracht. Ähnlich hartnäckig dreht Hans-Peter Krüger seinen Wutbürger Hackenberg auf. Er stemmt sich gegen den Versuch, Annalena Baerbock, die „Trampolin-Tussi“ der Grünen, mit biblischen Tricks zu Wählerstimmen zu verhelfen. Seine abstruse Logik ist eine Strapaze für jeden Verstand. Aber ein Erkennungszeichen für „Geierabend“-Komik.

Vor allem hält der Steiger den Abend zusammen. Auch ihn beschäftigt die Kanzlerkandidatin, und wie sie mit Plagiatsvorwürfen attackiert wird. Martin Kaysh warnt vor „Klugscheißern“ und „alten Männern“. Der Pannekopp-Orden wird im Winter vergeben. Die SPD ist diesmal kein Thema, aber Herbert Reul (CDU), der wegen Clan-Kriminalität mobil macht, aber bei Reichsbürgern in der NRW-Polizei nur Einzelfälle zählt. „Böcke schießen“ nennt das Kaysh, der immer wieder Szenenapplaus erhält.

Die Neuen im Ensemble haben sich gut eingefügt. Nina Mühlmann bleibt zwar mit ihrer Schlager-Melodie zu Armin Laschet (CDU) als Teddybär etwas brav („tue ich kuscheln“), dafür erhebt sich das Publikum zu ihrer „Capri-Fischer-Gruppen-Aerobic“. Eine herrliche Remininszenz an Italien mit Bewegung und „Bella Bella Marie“. Mehr für Country- und Rock-Rhythmen ist Angelo Enghausen Micaela zu haben, der sich als neuer Geier tänzerisch mit Cowboyhut und Pistole ins Partyleben stürzt („Ring of Fire“). Leider fehlt eine Geschichte aus Schnöttentrop. Martin F. Risse musste sich einer Operation unterziehen. Aber ihm gehe es nun besser, sagt Sprecher Daniel Djan.

Dabei sind wieder „Die Borussieninnen“ („Heja BVB!“). Vicki (Sandra Schmitz) und Roberta (Nina Mühlmann) sind nachdenklich. Ihnen fehlt etwas Blau-Weißes: „Unser Feind ist weg!“

Samstag 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr; www.geierabend.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare