Die Giant Rooks legen mit „Rookery“ endlich ihr erstes Album vor

Entschlossen und jung sind Finn Thomas (von links), Jonathan Wischniowski, Luca Göttner, Frederik Rabe und Finn Schwieters von den Giant Rooks. Die Band aus Hamm, die mittlerweile nach Berlin gegangen ist, legt ihr Album „Rookery“ vor. Foto: nils lucas

Hamm – Das Album der Giant Rooks startet mit „The Birth of The Worlds“. Sänger Frederik Rabe stellt sein Stimmvolumen vor, wie ein Instrument, das auf Reisen geht. Wer seine Aufnahmen zu Bob Dylan („I Shall Be Released) und David Bowie („Live On Mars“) gehört hat, wundert sich nicht, wie souverän der Frontmann klingt. Der Song kreist mit seinen poetischen Zeilen um Hoffnung, Mut und Einsamkeit. Das berührt und nimmt einen mit. Der Pop-Mix der Band ist eine Zwiesprache voller musikalischer Referenzen und euphorischer Impulse.

Der Albumtitel „Rookery“ bedeutet eigentlich Krähennest. Aber für die fünf Musiker ist es ein Synonym für ihren Probenraum, für Freundschaft und das, was sie gemeinsam erlebt haben.

Vier Songs ihres ersten Albums (ab 28. 8. bei Irrsinn Tonträger/Universal Music) haben die Giant Rooks bereits in diesem Jahr veröffentlicht. „Watershed“ machte im Januar den Anfang. Das wuchtige Stück bietet Anleihen aus Elektro- und Housemusik und fordert einen auf, sich zu bekennen zu dem, was man will – am allermeisten. Und was ist das?

Ganz ernst ist die Aufforderung eben nicht gemeint. Und so wollen die Fünf auch nicht klingen: Neben Frederik Rabe (Vocals, Gitarre, Percussion) zählen Finn Schwieters (Gitarre, Vocals), Jonathan Wischniowski (Keyboards), Luca Göttner (Bass) und Finn Thomas (Drums) zur Band. „Rookery“ wird von ihrem ausgewogenen und versierten Songwriting charakterisiert. Sie haben sich nun selbst bekannt, zu einem druckvollen Indie-Pop mit zahllosen musikalischen Bezügen.

2014, als die Band in Hamm gegründet wurde, war von Art-Pop die Rede, einer experimentellen Verbindung verschiedener Stile. Die Giant Rooks wurden vom Radiosender 1Live gefördert, galten mit dem popNRW-Preis 2016 bald als die Newcomer-Band und haben dann alle Erwartungen noch getoppt: erste Headliner Tour 2018, EinsLiveKrone 2019, TV-Auftritte, Musik für einen „Tatort“ am Sonntag.

Das Ziel, über Konzerte bekannt zu werden und ihren eigenen Sound vor allem live zu entwickeln, mündet mit dem Album „Rookery“ in eine erste und großartige Bestandsaufnahme. Von Art-Pop ist nicht mehr viel zu hören. Die Experimente erreichen ein neues Niveau.

Die Giant Rooks, die seit 2018 in Berlin wohnen, haben bislang 350 Konzerte in ganz Europa gespielt – besonders gern in England. Und wäre nicht die Corona-Pandemie dazwischen gekommen, hätte es Auftritte mit Milky Chance in den USA gegeben. Das ist geplatzt, wie die eigene Tournee im April/Mai. Hier liegen die Gründe, weshalb die „Rookies“ mit weiteren Stücken rausgekommen sind. „What I Know Is All Quicksand“ feiert eine Selbstbehauptung mit melancholischen Momenten und „Heat Up“ ist eine treibende Tanznummer, die elektrisiert.

Die letzte Auskoppelung im Juli war „Misinterpretations“. Es geht in dem Stück um Orientierung. Worauf kann man sich verlassen? Die Giant Rooks handeln nicht mit politischen Begriffen. Spürbar ist aber, dass es um jeden einzelnen geht, um den Zustand der Welt, unsere Demokratien, die Freiheit. Solche Fragen berühren viele Menschen. Der Text funktioniert international. Warum richten wir uns gen Westen aus, heißt es da. Ein Bewusstseinsprozess wird von der Musik bewegt, die drängt und fordert, die ausstellt und zweifelt. Von Sinnsuche ist immer wieder auf dem Album zu hören. Ohne Slogans und Programmatik. Aber mit einem mitreißenden Pop-Sound, der in seinen Polyrhythmen vibriert. Es klingt wie ein Statement, das jeden Menschen erreichen will.

An diesem musischen Vermögen der Giant Rooks kann man sich nicht satthören. Die Band arrangiert ihre Indie-Musik sehr bewusst. In diesem Ansinnen wirken sie entschlossen und homogen. „Very Soon You’ll See“ tippt mit einer orientalisch anmutenden Melodie eine rock-poppige Mischung aus verschiedenen Zeiten an, die einen herrlichen Sog in Gang setzt. Wieder trägt dieser Sound-Mix Fragen, Fragen nach dem Selbstverständnis, nach Wahrheit und Liebe – ohne jeden Anflug von Kitsch.

„Rainfalls“ folgt mit einem jazzigen Piano-Intro, das zu einer elektronischen Meditation reift. Das Stück öffnet Gedankenräume über das Ich und die Ewigkeit. Wieder stoßen die Giant Rooks ein neues Fenster zu ihrem Klangkosmos auf. Und sie spielen gern mit Sujets wie der Liebesballade. „Into Your Arms“ macht aus der romantischen Wärmekammer einen ambivalenten Schutzraum für unsichere Alltagshelden. Dabei wird Rabes Stimme mit AutoTune verzerrt, und das Stück endet herrlich sarkastisch. Die Rookies probieren sich aus und genießen das Grenzenlose ihrer Möglichkeiten.

Das erste Album – nach drei EPs – ist mit seinen zwölf Songs die erweiterte Materialbasis der Giant Rooks zu einer internationalen Karriere. Die Spotify-Zahlen geben das schon lange her.

28.8. Konzert im Berliner Tempodrom – mit reduziertem Publikum. Online über www.zart.online-ticket.de

29. 8. Galopprennbahn Köln-Weidenpesch „Picknick“-Konzert, 19.30 Uhr; www.picknick-konzerte.de

4.4. bis 26.5. 2021 „Rookery“-Tour. www.giant-rooks.com

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