Gudrun Kemsa stellt im Osthaus Museum aus: „New York, New York“

Gudrun Kemsa fotografiert in New York. Das digitale Bild „5th Avenue 11, 2011“ (C-Print) ist im Museum Osthaus in Hagen in der Ausstellung „Gudrun Kemsa. New York, New York“ zu sehen. Foto: gudrun kemsa

Hagen – Gudrun Kemsa reist im September Jahr für Jahr nach New York. Ihre Tante hat ein Apartment am Central Park. Gudrun Kemsa (58) ist an der Architektur der Metropole interessiert – Häuserblöcke, Fassadenflächen, Straßenschluchten. „Als ich die Gebäude fotografieren wollte, standen immer Menschen davor“, sagt Kemsa in Hagen. Autos konnte sie vermeiden. Es gibt Straßenzonen, in denen nicht gehalten oder geparkt werden darf. Die Menschen führten dazu, dass sich Kemsas Interesse an Architekturfotografie im Prozess der Bildfindung erweitert hat. Fußgänger und Passanten bringt sie nun vor übergroßen Fassandenansichten in Beziehung zueinander und zur Architektur. Heute wird ihre Ausstellung im Osthaus Museum um 19 Uhr eröffnet: „Gudrun Kemsa. New York, New York“.

In Hagen ist aber keine Street-Photography zu sehen. Kemsa strukturiert das Bild mit Hilfe der Gebäudemerkmale. In der Aufnahme „5th Avenue 11, 2016“ (C-Print) dominiert die Architektur an der Straßenecke, die großen Fassadenaussparungen mit den gigantischen Werbebildern und eine Ampelanlage. Es gibt keine fallenden Linien und Fluchten in Kemsas Aufnahme. Die Menschen stehen alleine oder zu zweit, sprechen und warten auf eine Möglichkeit, die Straße zu überqueren. Sie sind farbig, praktisch und ganz sommerlich gekleidet. Ihre Verfasstheit für den Moment lässt sie so lebhaft und beweglich erscheinen im Gegensatz zur Straßen- und Gebäudestatik.

Die Sonne steht hoch. Gudrun Kemsas New-York-Bilder sind ganz hell und so strahlend, dass die Konturen einiger Menschen überblendet werden. Wie in „42nd Street 3, 2018“, als eine schicke Frau im Minirock an einer Betonfassade vorbei geht. Ein großes Schaufenster vom Modelabel Prada wirkt wie ein Bild im Bild. Und die Schaufensterpuppen mit der neuen Kollektion geraten in reizvolle Beziehungen zu den Passanten. Ein Mann mit kurzen Hosen, Sandalen und Rucksack schaut in die Richtung der telefonierenden Frau, die aus dem Gehweg einen Laufsteg macht und gut zu „Prada“ und den Puppen passt.

Andere Fotografien zeigen Victoria’s Secret, Louis Vuitton, Mikimoto, Fendi oder das Luxuskaufhaus Bergdorf & Goodman in Manhattan. Aber es geht Gudrun Kemsa nicht um Mode und Marken. Dies seien die besten, die hellsten Straßenplätze, sagt sie in Hagen: „Ich weiß gar nicht, warum.“ Viel Zeit hat die Professorin für Bewegte Bilder und Fotografie an der Hochschule Niederrhein in Krefeld nicht. In einer Stadt mit Wolkenkratzern ist die Sonne schnell weiter gezogen. Aber Kemsa wartet den Moment ab. Sie platziert ihr Stativ mit der digitalen Mittelformatkamera. Wenn eine Person an der „10th Avenue 6, 2016“ genau vor der Gebäudeecke Halt macht und dieser Bildaufteilung vor der Gebäudekante etwas erhabenes gibt. Es sind dann auch die Menschen New Yorks, die auffallen.

Vor allem die Fotografien aus der Pennsylvania Subway-Station belegen, dass Kemsa noch ein bisschen mehr auf die Leute fokussiert. In „Subway 3, 2018“ fiel ihr ein Mann mit Zehenschuhen auf, eine Frau schaut auf ihr Smartphone, ein Junge mit Basecap schreibt, ein Afroamerikaner bietet etwas an. Es ist die humane Vielfalt in der globalen Stadt, die Kemsa so schätzt. Visuell sind sie eingepasst von den Pfeilern der Untergrund-Bahn.

Mit diesem Strukturmittel arbeitet Kemsa auch in ihrem Video „Subway“ (2015, 2.46 Min.), bei dem zwei Filme nebeneinander laufen, montiert sind und die Passanten „von Pfeilern verschluckt“ werden. Ein bisschen Magie. In „Manhattan“ (2014, 8.50 Min.) zielt sie mit Videoaufnahmen aus einem Doppeldeckerbus auf eine Raum-Bewegung, die den Betrachter zum Architekturflaneur macht. Die Fassaden fließen ineinander vom Broadway über den Times Square bis zur 42nd Street.

In Hagen sind 18 Fotografien und fünf Filme der Künstlerin, die in Datteln geboren wurde, zu sehen. „Manhattan Cruise“ (2019, 8.30 Min.) zeigt die Halbinsel der Lichter nachts, während sich ein Hurrikan über dem Meer bildet und New York in ein diffuses Grau hüllt.

Eröffnung, 19 Uhr; bis 1. 3.; di-so 12 – 18 Uhr; Tel. 02331/207 3138; Katalog 15 Euro, erschienen im Kerber Verlag (24 Euro im Buchhandel); www.osthausmuseum.de

Quelle: wa.de

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