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Anbau für das Museum Küppersmühle in Duisburg

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Von: Achim Lettmann

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Neben dem hellen Silo-Trakt sind hinter der Backsteinfassade 2500 Quadratmeter Schaufläche für moderne Kunst entstanden.
Kompakt wirkt der Anbau des Museum MKM Küppersmühle in Duisburg. Neben dem hellen Silo-Trakt sind hinter der Backsteinfassade 2500 Quadratmeter Schaufläche für moderne Kunst entstanden. © Lettmann

Die Stararchitekten Herzog & de Meuron haben den Anbau des Museums Küppersmühle fertiggestellt. 2500 Quadratmeter für die Kunstsammlung Ströher in Duisburg.

Duisburg – Jacques Herzog, Stararchitekt aus Basel, hat 1995 zusammen mit seinem Partner Pierre de Meuron erste Überlegungen zur Küppersmühle in Duisburg entwickelt. Das Backsteingebäude von 1908 – eine Niederlassung für Mehlproduktion und 1972 stillgelegt – sollte ein Museum werden. Von 1997 bis 1999 realisierten dann die Schweizer Baumeister und die Stiftung für Kunst und Kultur (Bonn) das Ausstellungshaus im alten Speicher am Innenhafen: das Museum Küppersmühle für moderne Kunst (MKM). Am Samstag wird mit der Öffnung des Neubaus neben der Siloanlage aus den 1930er Jahren dieser historische Industriekomplex erweitert. Das neue Kopfgebäude von Herzog & de Meuron vollendet die Bebauung am Hafen auf der südlichen Seite.

Ausgestellt werden nun 300 Werke aus der Privatsammlung Ströher. Mit dem Neubau (2500 Quadratmeter) stehen insgesamt 36 Kabinette und ein Oberlichtsaal für Kunst nach 1945 zur Verfügung. Die Sammlung umfasst rund 2000 Exponate, vor allem Malerei und Skulptur. Es ist ein privilegierter Ort für die Kunst von Albers, Baumeister, den Bechers, Burri, Dubuffet, Geiger, Götz, Hartung, Kiefer, Meistermann, Nay, Santomaso, Schultz, Schumacher, Soulages, Tàpies, Trockel, Wols und vielen mehr geworden. Die Bestandsausstellung zur Eröffnung des neuen Gebäudetrakts präsentiert 63 Künstlerinnen und Künstler.

Zum „großen Tag für die Kunst und die Stadt Duisburg“, wie MKM-Direktor Walter Smerling frohlockte, war auch Jacques Herzog aus Basel angereist. Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link lobte das Museum Küppersmühle als „Faktor für den Tourismus in der Stadt“. Ein Imagegewinn – keine Frage, aber Jacques Herzog ersparte es dem SPD-Politiker nicht, an das Drama von 2011 zu erinnern. Vor zehn Jahren wurde der erste Anbau verworfen. Die Schweißnähte im Traggerüst für den leuchtenden Kubus („Wolkenbügel“) waren unsachgemäß ausgeführt. Der Quader über den Silos wurde verworfen. „Pfusch am Bau“, sagte Herzog und sprach von einer Firmeninsolvenz in Duisburg. Die Stadt wollte als Bauherr mit dieser Landmarke im Kulturhauptstadtjahr 2010 glänzen. Es wurde ein Millionengrab. Man war „brutal gescheitert“, sagte Herzog.

Das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher, Erben des Wella-Konzerns, übernahmen mit ihrer MKM-Stiftung das Folgeprojekt 2013. Sie vertrauten auf Herzog & de Meuron, zahlten Entwicklungs- und Baukosten selbst und haben nun 6100 Quadratmeter für die Kunst, die sie lieben. Zum Vergleich bietet das Museum Folkwang in Essen nur 100 Quadratmeter mehr Ausstellungsfläche. In Duisburg ist ein veritabler Kunst-Standort entstanden, der in die Reihe großer Häuser wie in Köln, Düsseldorf, Essen und Münster drängt. Diese private Investition verzichtet allerdings auf Bildungsräume und Museumspädagogik, die von öffentlichen Kunsthäusern an Rhein und Ruhr vorgehalten wird. Mit der Gebäudefolge von Herzog & de Meuron weist NRW nun eine weitere Pilgerstätte für Architekturinteressierte aus.

In Duisburg mussten die Baumeister einen Abstand zur Autobahn (A59) von 40 Metern wahren. Mit einem Platanenpark läuft das Grundstück zur Verkehrstrasse aus. Der Besucherweg in den Neubau führt durch die Siloanlage, die Jacques Herzog als „Scharnier“ zwischen den Häusern bezeichnet. Sechs von den 32 Silos wurden entfernt. Es ist ein Freiraum im Zentrum der Speicherkörper aus Stahlblech entstanden, der beim Durchgang auf drei Ebenen erfahrbar wird. Industriekultur bietet hier ihre unverwechselbare Aura aus Größe und Historie. Ein Sheddach öffnet den Oberlichtsaal moderat. Mit LED-Licht wird das Tageslicht gemischt. Wie im Altbau sind Basaltfliesen verlegt. Ihr meliertes Grau erscheint zurückhaltend, aber interessant. Die Wände sind weiß, die Decken so hoch, dass Grafik und großformatige Malerei gehängt werden kann und wirkt. Die Raumvolumen greifen die Kabinettformate aus dem Altbau auf. Dass eins ins andere übergeht, ist das Gefühl, das beim Rundgang dominiert. Und das Treppenhaus mit seiner modellierten Stiegenführung hat eine ganz eigene Qualität. Die in Brauntönen gehaltene Betonkonstruktion wirkt warm und bietet dem Besucher eine unerwartete Auszeit. Auf den Schauflächen fordert die flirrende Kunst die Sinne heraus, auf der Treppe wird man Teil einer Rauminszenierung, die beruhigt. Außen dominiert eine Backsteinfassade. Die Architekten lassen den Ziegel, den eine bayerische Firma bereitstellt, brechen und diese Kante nach außen vermauern. Es entsteht eine unruhige wie regelmäßige Oberfläche. Herzog sieht eine „sinnliche Qualität“ und „etwas Stoffliches“.

Baustilistisch lehnen sich Herzog & de Meuron in Duisburg an den White Cube an, eine klare und nüchterne Raumsprache, die der Kunst und den Exponaten verpflichtet ist. Vor allem in den 1990er Jahren war der White Cube angesagt. Aktuell werden im Museumsbau mehr multifunktionale Flächen geplant. Platz für Installationen, Räume für Medien und Orte für Begegnungen, um das Museum als Garant des öffentlichen Lebens zu qualifizieren – kein separierter Kunsttempel.

Beim MKM biete der Durchgang im Silobereich solche Qualitäten, sagte Jacques Herzog. Es sei auch bereits eine Installation geplant, verweist der Architekt in die nahe Zukunft. Erst allerdings gibt es Kunst zu sehen, „wie das Herz schlägt“, sagt Eva Müller-Remmert. Die Kuratorin der Sammlung hat mit dem Sammlerehepaar Ströher großartige Räume vor allem für informelle und abstrakte Kunst eingerichtet. Dazu zählt eine Hommage an Gerhard Hoehme, einzelne Kabinette für Emil Schumacher, Bernhard Schultze, Anselm Kiefer und andere, sowie eine Sonderschau zu Erwin Bechtold. Seine Ausstellung vom 6. März 2020 konnte nur zehn Tage geöffnet bleiben. Nun ist wieder Zeit und noch mehr Platz im Museum.

Geöffnet mi 14 – 18 Uhr, do – so 11 – 18 Uhr; Feiertage 11 – 18 Uhr; Tel. 0203/30 19 4811; www.museum-kueppersmuehle.de

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