„Junkyard“: Ausstellung über Kinder im Kibbuz in Bochum

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Die Videoinstallation „Junkyard“ von Olaf Holzapfel blickt in einen israelischen Kindergarten und ist ab Sonntag im Museum Bochum zu sehen.

Von Marion Gay BOCHUM - Der umzäunte Platz sieht aus wie ein Schrottplatz. Kaputte Autos, alte Fernseher, Elektromüll und zerbrochene Stühle stapeln sich übereinander. Eigentlich kein Ort für Kinder. Oder gerade doch. Die Videoinstallation „Junkyard“ (2015) von Olaf Holzapfel zeigt Kinder beim Spielen in Kibbuz-Kindergärten, die auf dem Konzept der 96-jährigen Pädagogin Malka Haas basieren.

Hier wird Kindern Alltagsschrott zum freien Experimentieren überlassen, damit sie Sozialkompetenz, Individualität und Kreativität entwickeln können.

Unter dem Titel „The Rough Law Of Gardens“ (Das raue Gesetz der Gärten) präsentiert das Kunstmuseum Bochum rund dreißig aktuelle Werke des israelischen Künstlers Nahum Tevet und des in Berlin lebenden Künstlers Olaf Holzapfel. Beide setzen sich seit längerer Zeit mit dem Thema „Raum“ auseinander. Vor allem geht es dabei um die Anpassungs- und Verwandlungsfähigkeit von Räumen und deren Erfahrbarkeit.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Jubiläums „50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel“ statt und ist eine Kooperation mit dem Mishkan Museum of Art in Ein Harod und Loushy Art & Projects in Tel Aviv.

Der 1969 in Görlitz geborene Holzapfel untersucht die „Junkyard“ genannte Einrichtung des israelischen Kindergartens wie ein Feldforscher, doch mit ästhetischen Methoden. Seine 19-minütige Videoarbeit will nicht dokumentieren und so gibt es auch keine Untertitel zum hebräischen Ton. Die meist farbintensiven Bilder sind komponiert wie Stillleben und oft collagenartig aneinandergefügt. Zu sehen sind Kinder beim Anrühren von „Matschsuppe“ in zerbeulten Schüsseln, sie untersuchen Radios, verstecken sich in rostigen Fässern oder bemalen alte Schilder.

Ausgestellt sind außerdem Holzapfels digitale Zeichnungen der Serie „Archive“, die durchbrochene Linien in grellen Farben zeigen, sowie dreidimensionale Objekte aus gefalteten Folien. Die raumgreifende, architektonische Bodeninstallation besteht aus Feldern aus aneinandergefügten, quadratischen Kartonagen.

Tevet wurde 1946 in dem politisch links orientierten Kibbuz Mesilot geboren. Im Kindergarten durch besagte Pädagogik sozialisiert, entwickelte er sich nach dem Malereistudium bei Raffi Lavie Mitte der 70er Jahre zu einem der extremsten Minimalisten der israelischen Kunst.

In Bochum lässt sich seine weiträumige (7 mal 21 Meter), skulpturale Installation „Several Things“ (2006 – 2015) durchwandern. Die geometrischen, pink, braun, weiß und schwarzen Objekte sehen aus wie funktionale Möbel, sind aber keine Readymades sondern extra angefertigt. Kleine Klötze liegen wie Stolperfallen zwischen den hüfthohen Kästen, offenen Regalen, Würfeln und Miniaturtischen. Ein Durcheinander, das durch die strikte Farbreduktion und die geradlinigen Formen Struktur erhält.

„Meine Vorgehensweise … ist dem Verhalten eines Kindes, das sich im Junkyard seine eigene Welt erbaut, nicht unähnlich“, sagt er selbst über seine Arbeit. Zusätzlich sind kleine verspiegelte Wandobjekte zu sehen und die sogenannten „Coffeetable“, die aus mehreren niedrigen Tischen und darunter montierten Stühlen bestehen. Spiegel sind so raffiniert angebracht, dass man die Tischbeine nicht auseinanderhalten kann.

Eröffnung Sonntag, 23. August, 11 Uhr; bis 25. Oktober

di – so 10 – 17 Uhr, mi 10 – 20 Uhr; Tel. 0234/ 9104230;

www.kunstmuseumbochum.de, Katalog in Vorbereitung

Quelle: wa.de

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