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Karl Friedrich Fritzsche stellt im Museum Osthaus aus: „Dem Goldrausch nicht verfallen“

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Von: Achim Lettmann

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„... fellweich fällt der Schlaf“ (2020) nennt Karl Friedrich Fritzsche seine Zeichnung
„... fellweich fällt der Schlaf“ (2020) nennt Karl Friedrich Fritzsche seine Zeichnung, die im Hagener Museum Osthaus zu sehen ist. © aus dem Katalog

62 Zeichnungen stellt der Künstler Karl Friedrich Fritzsche im Museum Osthaus in Hagen aus. Er zeigt empfindsame Porträts, Bildideen nach Hieronymus Bosch und Künstlern der Renaissance.

Hagen – „Der Blick muss dem Betrachter folgen“, sagt Karl Friedrich Fritzsche und gibt ein Qualitätskriterium für Porträtbilder an. In Hagen steht der Künstler vor seiner Reihe „Reminiszenzen. Bildnisse 2016/2018“. Es sind gezeichnete Menschenbilder, die aus einer dichten Strichführung heraus eine figürliche Präsenz verstrahlen. Naturalistisch erscheinen einem „Ute“, „Christian“ aus dem Altenheim, „Jutta“, die Cousine seiner Frau, und „Kerstin“ mit roten Haaren. Fritzsche kennt sie alle und hat die Personen bereits in den 1970er Jahren skizziert.

Im Museum Osthaus sind unter dem Titel „Karl Friedrich Fritzsche. Dem Goldrausch nicht verfallen“ insgesamt 62 Arbeiten eines Zeichners zu sehen, den vor allem Menschen interessieren. In „Reminiszenzen“ sorgt auch sein feiner Strich für den offenen Charakter der Porträts. Fritzsche hält die Kleidung in Grautönen, fokussiert auf Gesicht und Hände, die er ausdrucksstark zeigt. Etwas Typisches wird spürbar.

Karl Friedrich Fritzsche (70), geboren in Zschopau, studierte Malerei und Bildhauerei an der Folkwangschule in Essen (1971–1976). Nach Arbeiten für die Städtischen Bühnen Hagen (1976–1984) ist Fritzsche freischaffend und unterrichtet ab 1997 an seinen Malschulen – mit Barbara Wolff.

Die Ausstellung in Hagen zeigt einige Bildreihen. Auf tuschierten Hintergründen in Blau und Grün erscheinen seine Traumkompositionen. Labyrinthe, Hochhäuser, Figuren, dunkle Wälder und fantastische Landschaften sind dramatisch verdichtete Motive. Eine Katze beißt zu, und mit dem Titel „... fellweich fällt der Schlaf“ (2020) schwingen poetische Momente mit. Psychoanalyse betreibt der Künstler nicht, der sich in jungen Jahren mit dem Surrealismus befasste.

Fritzsches Zeichnungen zum „Garten der Lüste“ (2020/21) orientieren sich an den vielteiligen Bildern von Hieronymus Bosch (um 1450 – 1516). Völlerei, Gier, Sexualität, Schmerz, Missbrauch und Fetischismus sind farbige und mitunter erotische Figurentableaus, die nachdenklich machen sollen.

„Es gibt keine Kunst ohne Kunstgeschichte“, ist eine Kernaussage Fritzsches, der sich selbst gern ins Bild setzte. Im Querformat „Frost“ (2018) liegt er ausgestreckt da und hat sich von der Darstellung der Füße Jesu Christi auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald leiten lassen. In anderen Werken orientiert sich Fritzsche am Ideal der Renaissance.

Bis 19.6.; di – so 12 – 18 Uhr; Tel. 02331/207 3138;

Katalog 15 Euro;

www.osthausmuseum.de

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