Kunstmuseum Bochum zeigt Gil Shachars Wal-Skulptur

Weit gespannt liegt die Wal-Skulptur von Gil Shachar (2018, Epoxydharz) im Kunstmuseum Bochum. Foto: lettmann

Bochum – Ausgestreckt spannt sich Gil Shachars Wal-Skulptur im Kunstmuseum Bochum. Die breiten Brustflossen (Flipper) stoßen sich beinah an den Ausmaßen des Raums, auch über die Fluke muss der Besucher steigen, will er das ganze Tier abschreiten. 14 Meter lang. Der israelische Künstler startete sein „The Cast Whale Project“ in Südafrika, wo 2018 in der Lamberts Bay ein Buckelwal angeschwemmt wurde. Das Tier starb eines natürlichen Todes.

Shachar ist ein Spezialist für hyperrealistische Plastiken, ob Köpfe oder Gliedmaßen des Menschen, ob bekannte Personen oder Alltagsgegenstände. Mit Wachs und Epoxydharz schafft der 54-Jährige seine Skulpturen. Seit 1996 lebt er in Deutschland. Und die Idee, einen Wal abzuformen, ist ihm im Traum gekommen. Wie der Meeressäuger ohnehin ein Tier ist, das in seiner Einzigartigkeit etwas Illusionistisches mitbringt. Wer ist nicht erstaunt, wenn ein Buckelwal springt oder seine Walgesänge ertönen lässt? Dann ist ein Naturschauspiel erfahrbar, das eine eigene Wirkmacht entfaltet.

Diese sinnliche Anschauung will auch die Ausstellung „The Cast Whale Project“ antippen – vor allem über die Dimension des Walkörpers. Neben Flipper und Fluke sind die tiefen Kehlfurchen auf der Körperrückseite charakteristisch sowie die Risse, Vertiefungen und Scharten, die die Haut des Säugetiers aufweist. Ob ein paar Male nach dem Tod des Buckelwals dazugekommen sind, lässt sich nicht sagen. Er ist auf dem Rücken gestrandet. Der imposante Körperumfang, der den Furchenwal auszeichnet, ist nicht mehr ersichtlich. Gil Shachar hat einen Kadaver abgeformt, im Volumen schon eingefallen.

Ein Video von Warrick McLeod dokumentiert in Bochum die künstlerische Arbeit an der Westküste Südafrikas. Zu „The Cast Whale Project“ ist der meditative Gesang von John Cages „Litany of The Whale“ (1980) zu hören. Die eindringliche Stimme dominiert den Raum und beeinflusst die Begegnung mit der Skulptur. Es hat etwas Esoterisches.

In zweieinhalb Tagen hatte Gil Shachar und sein Team die Oberfläche des Kadavers gereinigt und mit flüssigem Kunststoff schrittweise überzogen, so dass eine komplette Körperform entstand. Im Film ist zu sehen, wie mit einer Flex diese Form in Stücke gesägt wird. In einer Lagerhalle bei Salt River, einem Vorort von Kapstadt, wurden die Elemente mithilfe von Haltekonstruktionen und Strohkissen zusammengefügt. Die einzelnen nummerierten Teile wurden mit Epoxydharz ertüchtigt. Am Ende erhält die abgeformte Bauchseite des Buckelwals einen schwarzen Anstrich.

Shachars Wal-Plastik berührt, weil dem mächtigen Tier eine Art Grablegung zuteil wurde. Von den fantastischen Geschichten aus der Mythologie, die es über den Wal gibt, ist man allerdings weit entfernt.

Bis 25. Oktober; di-so 10 – 17 Uhr; Tel. 0234/910 4230; www. kunstmuseumbochum.de

Samstag und Sonntag beantworten Agnes Motz und Maika Wolff jeweils von 10 – 13 Uhr als „Wal-Helferin“ Fragen zum Säugetier.

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