Kunst im öffentlichen Raum

Kunstspaziergang durch Paderborn - An diesen Stellen sollten Sie genauer hinsehen

Kunst Paderborn Christian Hasucha
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Eer ine Baumkrone setzt Christian Hasucha gegenüber des Paderborner Hauptbahnhofs. „Später sein wird“ (2013), einen Anspielung auf den Apfelbaum, der in dem plastischem Bild aus verzinktem Stahl noch wächst.

Paderborn schärft sein kulturelles Profil mit Kunst im öffentlichen Raum. Hier finden Sie die Exponate in der Stadt in Ostwestfalen.

Paderborn – Wenn die Sonne auf Christian Husachs Bildskulptur fällt, sorgt das verzinkte Stahlband für ein herrlich reflektierendes Licht. Es stimmt einen gleich optimistischer oder demonstriert, wie voluminös so eine Baumkrone werden kann. Denn Hasuchas Arbeit „Später sein wird“ (2013) ist die Wuchsvorlage für einen Apfelbaum, der am Fuß der Bildkrone eingepflanzt ist. Mittlerweile wächst er gegenüber dem Paderborner Hauptbahnhof. Wegen einer Platz-Umstrukturierung erhielt „Später sein wird“ im vergangenen Jahr einen neuen Standort – vor dem Finanzamt – alles in Absprache mit dem Künstler. (1)

Paderborn hat mit Hilfe von kulturhistorischen Ausstellungen im Diözesanmuseum („Canossa 1077“, „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“) an kulturellem Profil gewonnen. Neben dem Theaterneubau von 2011 zählt auch die Kunst im Öffentlichen Raum dazu. Wer am Bahnhof rechts runter läuft, erreicht die Westernstraße, Paderborns Fußgängerzone. Vor dem Franziskanerkloster steht Dorothea Golz’ Stuhlobjektreihe „Chairs To Share“ (Polyesterlaminat, 2014). Die zwölf Sitzmodule, zweiteilig mit wechselnden Farben, belegen, wie reizvoll sich modernes Design mit barocker Architektur (1668) verbindet. Bitte Platz nehmen! (2)

Kunstspaziergang durch Paderborn - An diesen Stellen sollten Sie genauer hinsehen

Weiter Richtung Rathaus findet sich linke Hand die Gutenbergstraße, die in Stufenplateaus auf den Franz-Stock-Platz führt. Hier steht Wilfried Hageböllings zweiteilige Arbeit „Ohne Titel“ (1970) aus Corten-Stahl-Platten. Der Künstler hat ein Dreieck und ein Trapez aufgestellt und erwartet vom Betrachter, dass die Formen in Gedanken verlängert und so in der Erde zu einer Gesamtheit geführt werden. Hagebölling ist mit großen Plastiken in Paderborn vertreten. „Ohne Titel“ zählt zu seinen kleineren. (3)

Weiter rechts raus am Stadtmuseum vorbei führt die Straße Am Abdinghof um die gleichnamige Kirche des Klosters (11. Jahrhundert). Wer „Die Glocke“ (2007) von Henrik Plenge Jacobson sehen möchte, muss ungewöhnliche Wege gehen. An der Kita Abdinghof führt rechts ein Zuweg auf den Schulhof der Luther-Grundschule. Wer hier das halbhohe Tor zum Innenhof des Klosters mit seinen Hecken und Bänken öffnet, sieht „Die Glocke“ (Bronze). Das umstrittene Werk, das 2007 in der Ausstellung „Tatort Paderborn“ im Stadtraum präsentiert wurde, zitiert Friedrich Nietzsche: „Gott ist tot! Gott bleibt tot!“ Diese vieldiskutierte Zeile wird als „gotteslästerlich“ oder „atheistisch“ verurteilt. Die Stadt hatte 2007 darauf hingewiesen, dass ihr die Frage, wie sich Identität für den Einzelnen entwickelt, wichtig ist. Im Stadtmuseum werden diverse Identitätskonzepte thematisiert. 2017 wurde die Skulptur des dänischen Künstlers angekauft und ins kirchliche Zentrum der Stadt gesetzt. Nur lässt sich „Die Glocke“ für Passanten und Touristen nur schwer entdecken, so abseits steht sie hinter dem Stadtmuseum. (4)

Kunstspaziergang durch Paderborn.

Deutlich gefälliger ist der „Neptunbrunnen“ (1977/79) auf dem Vorplatz zum Dom. Wer die Straße Am Abdinghof weitergeht, erreicht Markt und Brunnen. Josef Rikus (1923–1989) ist mit rund zehn Figurenplastiken der Stadtbildhauer. Bürger spendeten für das dynamische Götterbild, das den großen Brunnen dominiert. Bereits 1730 gab es den ersten Neptunbrunnen der Stadt. (5)

Am Dom vorbei stößt man auf die Heiersstraße, wo das „Jüdische Mahnmal“ (1993) von Per Kirkeby (1938–2018) zu finden ist. Hier stand die Alte Synagoge, bis sie in der NS-Zeit 1938 zerstört wurde. Unter den Rundbögen aus Ziegelstein finden sich Tafeln mit den Namen ehemaliger jüdischer Bürger. (6)

Zurück auf die Heiersstraße bis zum Domgässchen, dann links rein und über den Parkplatz in die Domprobsteigasse. Aufgepasst! Die Halbschalen hat Norbert Radermacher in den Naturstein auf beiden Mauerseiten gefräst. (7)

„Das Dazwischen“ (1998) soll helfen, Leere und Stille wahrzunehmen. Die Gasse weiter und auf der Hathumarstraße immer geradeaus. Aus dem Heiersturm ragen Neonröhren von Hans Peter Kuhn wie starre Fühler heraus. Mit seinen Einlassungen feiert der Künstler aus Kiel Mauer und Turm als Werke wehrhafter Bürger. Von seiner Klangcollage war allerdings nichts zu hören. (8)

Weiter Richtung Norden durch die Unterführung zum Sportzentrum überrascht eine Betonplastik (1973/78) von Wilfried Hagebölling, die mit Rot-Weiß-Blau so gar nicht zum Stahlbildhauer passen will – konstruktivistischer Hingucker. (9)

Auf dem Rückweg stößt man auf einen zweiten Turm vor der Paderhalle. Mit roten Leuchtröhren „Plus ou moins“ (Plus und Minus) hat Francois Morellet wie Hans Peter Kuhn an dem Projekt „Lichtszenario Stadtmauer Paderborn. 7 Türme – 7 Lichter“ im Jahr 2003 teilgenommen. (10)

Weiter zurück an der Paderhalle vorbei und geradeaus auf die Michaelstraße. Wer noch Zeit hat, kann links in den Rothoborn abbiegen und vor der Stadtbibliothek – ehemalige Domdechanei von 1678 – die Skulpturen von Rainer Hagl („Großer Schreitender“) und Dietrich Klakow („Frau Lot“) besichtigen. (11)

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