Nostalgischer Abend

Mariah Carey liefert routinierte Show in Köln ab

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KÖLN - Wenn Anfang der 90er Jahre auf Teenie-Partys ein Mariah-Carey-Song aus den Boxen schallte, dann war Engtanz angesagt. Die heute 46-jährige Sängerin war damals der angesagteste Star im Popgeschäft. Die Lanxess-Arena in Köln hätte sie zu dieser Zeit bei einem Konzertstopp locker zweimal ausverkaufen können.

Rund 25 Jahre später sieht das ein wenig anders aus: Zu ihrem Auftritt am Rhein, dem ersten von zwei Deutschland-Konzerten im Rahmen ihrer "The Sweet Sweet Fantasy Tour, kommen gerade einmal 5000 Zuhörer in die Arena.

Gähnende Leere auf den Rängen, abgeklärte Show auf der Bühne: Überraschender Weise lässt sich die Diva in Köln recht zeitig von ihren muskelgestählten Tänzern auf einer Sänfte ins Rampenlicht tragen. Dann spult sie ein routiniertes Programm ab. Sie lächelt, winkt ins Publikum, säuselt nette Worte. Ein Fan hält ein Plakat mit netten Worten hoch, und Carey haucht: "Danke, bitte bring mich nicht zum Weinen." Dabei bläst ihr eine Windmaschine unablässig kühle Luft durchs flatternde Haar. Das ist übrigens zuerst wellig, bis in einer der Pausen für den Kleidungs-Wechsel ihr die Entourage auch an die blonde Mähne rückt und sie mit einem Glätteisen bearbeitet.

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Konzert von Mariah Carey in Köln

Die Outfits passen wie angegossen. Erst trägt sie einen leuchtenden, sexy Badeanzug. Später schlüpft die Sängerin in eine glitzernde Abendgarderobe mit Beinschlitz bis zur Hüfte und einem Dekolleté, das offensichtlich kurz vorm Bersten steht, gefolgt von einem schwarzen, nicht weniger funkelnden Body und Mega-Absätzen. Mit diesem Fetzen Stoff am Körper nimmt Mariah Carey zu "Touch My Body" auf einem Stuhl Platz und räkelt sich lasziv. Dann bekommt der arme Diego seinen Auftritt. Der Fan darf auf der Bühne ebenfalls auf ebenjenem Stuhl Platz nehmen. Dann werden ihm die Augen verbunden. Die freudige Erwartung, dass die Sängerin für ihn tanzen könnte, entgegnete Mariah Carey mit schelmischem Lächeln und einem vielsagenden Zeigefinger auf ihren Lippen. Dann sind es die Chippendales-Verschnitte ihrer Tanzcrew, die sich am Fan reiben.

In der Folge hetzt Mariah Carey durch den R&B-Teil ihres Konzerts mit dem Busta-Rhymes-Duett "I Know What You Want", "Loverboy", "Heartbreaker" und einigen Songs mehr, die allesamt nur in Ausschnitten zu hören sind. Dazu sind die spärlich bekleideten Tänzer in immer neuen Kostümen im Dauereinsatz. Zur gesanglichen Unterstützung hat Carey neben zwei Backgroundsängerinnen auch Trey Lorenz mit auf Tour genommen. Zusammen mit der Künstlerin hatte er 1992 das Jackson-Five-Cover "I'll Be There" gesungen. Und natürlich kommt auch dieser Titel beim Konzert zur Aufführungen. Schließlich sei die Nummer "einer der bedeutendsten Songs aller Zeiten", erklärt Mariah Carey. Dazu gibt es Fotos aus ihrer Kindheit auf der Videowand zu sehen, später dann auch solche von Michael Jackson, während seine Stimme eingespielt wird.

Eines muss man der US-Amerikanerin lassen: Stimmlich ist sie voll auf der Höhe. Vor allem in den Balladen zum Ende des Konzerts hin, kommt ihr Volumen so richtig zur Geltung. Nacheinander folgen "Against All Odds (Take a Look at Me Now)", im Original von Phil Collins, "One Sweet Day", das sie einst mit der R&B-Band Boyz II Men einsang, "When You Believe", ein Duett mit Whitney Houston, und die Mariah-Carey-Hymne schlechthin, "Hero", die mit tosendem Applaus bedacht wird. Zum Abschluss serviert die New Yorkerin mit dem Badfingers-Cover "Without You" einen weiteren großen Hit ihrer Karriere.

Nach übersichtlichen 90 Minuten ist der Auftritt schon wieder vorbei - bei den gesalzenen Preisen für Tickets eine kostspielige Geschichte. Bei aller Strukturiertheit hatte der Abend nach einer 13-jährigen Bühnenabstinenz in Europa auch etwas Nostalgisches. Diejenigen, die gekommen sind, um die Lanxess-Arena zumindest ein wenig mit Leben zu füllen, gehen mit glücklichen Gesichtern und dem einen oder anderen Hit vergangener Tage auf den Lippen nach Hause.

Quelle: wa.de

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