Michael Römlings Historienroman Pandolfo

Michael Römling, Schriftsteller Foto: Privat/Rowohlt Verlag

Mit eingeschlagenem Schädel liegt Pandolfo unter einem Haufen von Gemüseabfällen und verfaultem Obst. Da findet ihn am Tag des Heiligen Servatius (also dem 13. Mai) 1493 der Mailänder Geschäftsmann Bernardo Bellapianta. Er pflegt den Verletzten gesund und findet heraus, dass Pandolfo zwar sein Gedächtnis verloren hat, aber begnadet zeichnen kann. Und was wäre für einen Produzenten von edlen Seidestoffen nützlicher als ein einfallsreicher Entwerfer?

So begegnen sich die Hauptfiguren in Michael Römlings Roman „Pandolfo“. Historische Stoffe sind beliebt, und dann auch noch der Schauplatz Italien. Der Verlag tut nichts, um zu verhindern, dass Leser an Umberto Eco denken. Da spielt der 1973 in Soest geborene promovierte Historiker aber doch in einer anderen Liga. „Pandolfo“ ist einfach ein gut geschriebener, faktensatter Historienroman. Um den Kriminalfall des fast ermordeten Pandolfo, der einen Teil der Ereignisse selbst erzählt, baut Römling ein anschauliches Bild von Politik und Handel in der Renaissance.

Der Erzähler, der einspringt, wo Pandolfos Gedächtnis versagt, schildert die spektakuläre Karriere von Bellapianta, der einst mit seinem so ganz anderen „Zwillingsbruder“ Giancarlo als Findling auf der Treppe des Nonnenklosters von Santa Maria di Lantasio abgelegt wurde. Aber zum Glück wurden sie vom Kaufmann Giacomo Bellapianta adoptiert. Und Bernardo erwies sich als ebenso fintenreicher wie skrupelloser Händler, der zu Reichtum kam, indem er den Türken die Waffen der Mailänder Schmiede verkaufte.

Wer es abenteuerlich mag, der wird gut bedient: Allein die erste Geschäftsreise Bellapiantas durch das Osmanische Reich des Sultans Mehmed bis nach Malakka ist pointiert geschildert. Ebenso fein breitet der Autor die Intrigen in den Republiken Italiens aus, die Rivalitäten der Fürsten wie der Sforza in Mailand, dem Dogen von Venedig, dem Papst in Rom. Es geht es um die Zucht von Seidenraupen ebenso wie die Konstruktion einer Flugmaschine, bei der Giancarlo Bellapianta mit seinem osmanischen Freund wetteifert. Es geht um die Kunst mit Gastauftritten unter anderem von Leonardo da Vinci, der als Konstrukteur eines Roboters keine gute Figur macht. Da geht es um den Thronfolgestreit im osmanischen Reich. Es muss auch noch der Mörder entlarvt werden, der um ein Haar Pandolfo erschlagen hätte, aber bei einem türkischen Diplomaten erfolgreicher war. Und Pandolfo löst das Geheimnis, das ihn mit Bellapianta verbindet, und findet die Liebe seines Lebens. Das findet man selten: Einen Historienroman, kitschfrei, stilsicher, spannend und faktenfest, meilenweit entfernt von jeder Wanderhuren-Sentimentalität.

Michael Römling: Pandolfo. Rowohlt Verlag, Hamburg. 540 S., 24 Euro

Quelle: wa.de

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