Das Museum Ludwig in Köln zeigt „Fernand Léger – Malerei im Raum“

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Monumentale Kunst: Fernand Légers Wandbild „Le transport des forces“ (1937) entstand für die Weltausstellung in Paris. Jetzt ist es im Museum Ludwig in Köln zu sehen.

KÖLN - Etwas fließt, oder quillt da grüngrauer Rauch durchs Zentrum dieser Landschaft? Der Betrachter erkennt einen Regenbogen, Streifen mit Kreisen, Strichen, geometrischen Feldern, die man als Gerüste oder Bauten deuten kann. Das Bild, das den Besucher des Museums Ludwig in Köln empfängt, feiert Technik und Fortschritt. Fernand Léger malte die „Kraftübertragung“ (Le transport des forces) 1937 als Auftragswerk für die Weltausstellung in Paris.

Aber was heißt hier schon Bild? Das Werk des französischen Malers ist zehn Meter breit und fünf Meter hoch, eine Wand. Es veranschaulicht die Energiegewinnung aus Wasserkraft. Das monumentale Format ist durchaus mit einer politischen Botschaft verbunden. In Frankreich war 1936 die Linke an die Macht gekommen. Und Léger war bekennender Kommunist.

Das Museum Ludwig feiert 2016 doppelt: 1976 wurde es gegründet, als Reaktion auf eine große Schenkung des Sammlerpaars Peter und Irene Ludwig. Und zehn Jahre später wurde der Neubau neben dem Dom eröffnet. Eigens für dieses Haus hatten die Ludwigs ein Werk Légers erworben, die „Plongeurs“ von 1942, die sonst im Treppenhaus zu sehen sind. Dieses Bild, eigentlich ein fast elf Meter breites Wandgemälde, war Ausgangspunkt der Ausstellung „Malerei im Raum“. Kuratorin Katia Baudin erkundet damit Neuland.

Es gab zwar schon eine Fülle von Léger-Ausstellungen. Aber die Beziehung des Künstlers zur Architektur war noch nie Gegenstand einer eigenen Schau. Dabei hat Léger (1881–1955) sich intensiv mit der Rolle der Malerei in und an Häusern befasst. So formulierte er, die Arbeit des Künstlers sei es, „tote Räume bewohnbar zu machen“. In eine Zeichnung hatte er geschrieben: „Ich brauche eine Wand, um die Männer im Raum zu realisieren.“

Zu seinen Freunden gehörten Architekten wie Le Corbusier und der Amerikaner Wallace K. Harrison, der viele Projekte für den Milliardär Nelson Rockefeller realisierte und die Bauleitung für das UN-Hauptquartier in New York hatte. Die Wand für das Bild „Les Plongeurs“ bekam Léger dann im Privathaus von Wallace, in einem Wohnzimmer. Darum ist es auch nicht farbig, sondern eine überdimensionale Zeichnung mit schwarzer Ölfarbe und Kohlelinien. Vor Ort hatten Léger und Wallace entschieden, die ursprünglich vorgesehenen starken Farben wegzulassen, weil es den Raum zu sehr dominiert hätte.

In Köln ist es nun halbwegs wieder so zu sehen, wie es einst geschaffen wurde. Nicht plan, sondern als eine Art Bogen montiert, mit Möbeln davor, auf denen der Besucher Platz nehmen darf. Der Blick fällt dann auf ein weiteres, mehr als 13 Meter breites Wandbild, das der Künstler 1950/51 für die Mailänder Triennale geschaffen hatte. Hier knallen die Farben. Hier ist aber auch kein Thema auszumachen. Denn für die Dekoration von Gebäuden setzte Léger auf Abstraktion.

Mit rund 170 Werken wird die intensive Arbeit Légers für Architekturprojekte dokumentiert. Dass den „Tauchern“ nun eine ganze Gruppe von Entwürfen gegenübergestellt wird, dass auch sonst Skizzen, Filme, Fotos das Umfeld ausleuchten, versteht sich. Die Schau ist nicht nur ein überwältigendes Seherlebnis, sie ist auch eine unglaubliche Anstrengung. Denn Kunstwerke dieser Dimensionen sind eigentlich nicht transportabel. Das Museum Ludwig zeigt aber nun eine ganze Reihe davon.

Kompliziert wurde die Arbeit der Kuratorin auch, weil der Wert dieser Arbeiten den Besitzern nicht immer bewusst war. Eine Leihanfrage an das Museum of Modern Art in New York blieb lange ohne Antwort. Katia Baudin hatte um ein Bild gebeten, das einst den Kamin in Rockefellers Apartment umrahmte. Nach längerer Zeit kam eine E-Mail aus dem MoMA: Man habe das Werk im Depot gefunden. Es war schlicht nicht dokumentiert. Nun ist die Komposition mit floralen Elementen (1939) im Saal mit den „Plongeurs“.

Léger verstand sich in seinen Wandbildern als Aktivist, er wollte eine breite Masse erreichen. Das Repräsentative in diesen Arbeiten für den öffentlichen Raum hat er sehr gründlich reflektiert. Und seine Projekte spannten sich sehr weit. An den Anfang der Schau setzt das Museum Légers Arbeit für die Kompagnie Ballets Suédois 1922 in Paris, wo der Künstler Bühne und Kostüme für das Ballett „Skating Rink“ (Die Schlittschuhläufer) entwarf. Man sieht Entwurfszeichnungen für Kostüme, den Vorhang, die Bühne, aber auch Filmaufnahmen der Aufführung.

Léger befasste sich aber mit vielen Gestaltungsaspekten. So ist in der Schau ebenso ein Teppich nach seinem Entwurf zu sehen, eine neun Meter breite Collage zur Weltausstellung mit bretonischen Trachtenträgerinnen und einem Saxophonisten (eine Rekonstruktion der ursprünglichen Arbeit), eine Stellwand, ein Wandbild, das 1953 für ein Kreuzfahrtschiff entworfen wurde.

Ja, der Kommunist und Atheist Léger hat sogar Kirchen ausgestattet. Aufträge vermittelte Marie-Alain Couturier, ein Dominikanerpater, mit dem er sich im Exil in den USA angefreundet hatte. Für die Fassade der Kirche von Notre-Dame-de-Toute- Grâce in Assy entwarf Léger ein Mosaik, für Sacré-Coeur in Audincourt gestaltete er Glasfenster.

Hier sieht man den berühmten Post-Kubisten, den Meister der Musiker, Handwerker und Artisten, von einer neuen, faszinierenden Seite.

Bis 3.7., di – so 10 – 18 Uhr,

Tel. 0221/ 221 261 65,

www.museum-ludwig.de

Katalog in Vorbereitung, Hirmer Verlag, München

Quelle: wa.de

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