Theater Dortmund hinterfragt Homosexualität im Fußball: „Echte Liebe“

Der Dortmunder Sprechchor meldet sich im Collagen-Stück „Echte Liebe“. Foto: hupfeld

Dortmund „Als ich noch in Bremen Spieler war, hörte ich, dass unser Masseur schwul ist. Ich bin zu ihm gegangen und habe ihm gesagt, Junge, tu mir einen Gefallen: Such dir einen neuen Job!“ Es ist schon ein bisschen her, seit Rudi Assauer seine Machosprüche unters Volk streute, aber dennoch – Homosexualität bleibt das große Tabu im Männerfußball. Dabei ist es schon fünf Jahre her, dass sich Thomas Hitzlsperger outete. Allerdings erst nach Beendigung seiner Fußballer-Karriere. Schon komisch, dass ihm das Schwulsein erst da aufgefallen sei, meint der Dortmunder Sprechchor im Sprechcollage-Stück „Echte Liebe“ unter Regie von Laura N. Junghanns und Matthias Seier.

Zu Beginn laufen die schwarzgekleideten Sprecher mit ihren BVB-Mützen auf der Dortmunder Studiobühne ein. Zunächst die sieben Männer. Ein bisschen verlegen berichten sie von ihren ersten Erinnerungen an Fußball, etwa von wenig heldenhaften Spielversuchen auf matschigen Waldstücken. Danach laufen die Frauen ein, zusammen mit Homosexuellen und Ausländern die sogenannten „blinden Flecken im Stadien“, wie zu hören ist, denn „Fußball ist kein Abbild der Gesellschaft, aber der Anker der Gesellschaft!“

Es sind 50 Sprecher des 2011 gegründeten Dortmunder Sprechchors, der aus rund 100 Bürgern besteht. Mit unterschiedlichen Regisseuren proben sie wöchentlich für verschiedene Stücke. Auf der Bühne formatieren sie sich zu kraftvollen, unisono sprechenden Grüppchen.

Da ist zum Beispiel die DFB-Gruppe, die als running gag auf ihre Broschüre verweist. Es gebe da kein Rezept, aber am besten outen sich schwule Spieler am Ende der Spielzeit. Bis zum Anfang der neuen Spielzeit könnte sich die Aufregung gelegt haben ... Die „Schwule Sau!“ Sprechgesänge der Fußballfans-Gruppe stellen das allerdings sehr infrage.

Viele Zitate werden eingestreut. So finde es Ulli Hoeneß problematisch, wenn Schwule in ein Doppelzimmer wollten. Oliver Bierhoff wolle nicht, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht würde, um Homosexualität zu hinterfragen. Und Paul Steiner, Ex-Verteidiger des 1. FC Köln, könne sich gar nicht vorstellen, dass Schwule wirklich Fußball spielen könnten. Also kein Wunder, dass Fußballer gern den Macho herauskehren. Um alle Zweifel zu beseitigen.

Auch wenn es manchmal an der Textsicherheit hapert, überzeugt das Stück mit seinen Sprechchören. Man merkt, welche Macht die Meute der Fußballfans hat, welchen Druck sie ausübt. Besonders eindringlich wird es, wenn der homosexuelle Spieler mit weicher Stimme erzählt, wie sehr er sein Privatleben schützt. Er ist der einzige im Stück, der mit nur einer Stimme spricht. „You‘ll never walk alone“, grölt der Chor am Ende und wiederholt das „alone“. Der Schwule verlässt schon mal die Bühne.

Marion Gay

6., 20. 4.; 3.5.; 2.6.; 5.7.; Tel. 0231/ 5027222; www.theaterdo.de

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