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Theater Dortmund zeigt „Ödipus
auf dem Mars“

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Von: Ralf Stiftel

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Lola Fuchs, Christopher Heisler und Linda Elsner in „Ödipus auf dem Mars“ in Dortmund
Drei Peggys statt Ödipus: Lola Fuchs, Christopher Heisler und Linda Elsner in „Ödipus auf dem Mars“ in Dortmund. Foto: Birgit Hupfeld © Birgit Hupfeld

Dortmund – Der Abend beginnt schon auf der Treppe zum Studio des Schauspiels Dortmund. Da steht Christopher Heisler im pastellfarbenen Kostüm und warnt die „lieben Zuschauenden“: „Sie werden Ödipus auf dem Mars nicht finden!“ Ein Abend über einen der berühmtesten Mythen der Weltliteratur steht auf dem Programm. Allerdings gibt es in „Ödipus auf dem Mars“ nicht das antike Drama von Sophokles, sondern Metatheater, ein Spiel über das Spiel, mit zahlreichen Brechungen und Einschüben.

Schon die cremefarbenen Kostüme, die alle drei Darsteller tragen, schon Heislers eingeschobene panische Sätze über den Wildunfall sind Zitate. Vor Ödipus begegnen wir Peggy Blumquist, einer Figur aus der US-TV-Serie „Fargo“. Wer die nicht kennt, versteht schon die erste Anspielung nicht, sieht nicht den popkulturellen Ort, an dem Regisseur Florian Hein, Dramaturgin Kirsten Müller sowie die drei Darsteller, die als Autorenkollektiv auftreten, offenbar eine Nachwirkung des Mythos ausmachen.

Zunächst aber begegnet man einem Ensemble voller Spielfreude. Heisler spielt wunderbar mit dem Publikum, drückt einer Frau seine Tasche in die Hand, taumelt und lässt sich stützen, er macht die Wartenden zu Mitakteuren. Ähnlich entfesselt erleben wir Lola Fuchs auf der Leinwand im Live-Video. Da schwärmt sie von einem Theater-Erlebnis: „Die haben mich in Trance gespielt.“ Sie trägt die „Hammer“-Geschichte vor von dem Mann, der ahnungslos seinen Vater tötet und seine Mutter heiratet. Und sie zeigt zugleich die Theatermittel im Einsatz der Kamera, die ganz dicht an sie heranfährt, so dass ihr Antlitz zur Grimasse mutiert, zur Maske (Live-Video: Tobias Hoeft). Linda Elsner komplettiert die Runde unter anderem als Astronautin mit einem hirnbrechenden Vortrag über astronomische Phänomene. Ödipus kommt auch vor, als Rezitation des Dortmunder Sprechchors.

Das ist streckenweise hochunterhaltsam. Die Lust und der Witz von Elsner, Fuchs und Heisler tragen schon anderthalb Stunden. Aber die Spiellinie geht in der nerdigen Mixtur, die pausenlos Anspielungen assoziiert, schnell verloren. Gewiss passt das Thema von Goyas Gemälde „Saturn verschlingt seine Kinder“ zur Thematik des Familienkonflikts. Aber wie viele Zuschauer erkennen das Werk im verschachtelten Bühnenaufbau des Kollektivs Bunny Vellocet? Da werden Linien gezogen zu Psychoanalyse, dem Comic „Watchmen“, zu Christian Lindner und Verschwörungstheorien bei Youtube. Der ideale Zuschauer dafür wären die Macher. Aber die sind ja dabei.

7., 27., 28.1., 17.2.,

Tel. 0231/ 50 27 222, www.theaterdo.de

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