Wenzel Storchs Sakral-Krimi: „Das Maschinengewehr Gottes“

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Was steckt im explodierten Pfarrer? Finnja Loddenkemper, Thorsten Bihegue und Leon Müller (von links) in Wenzel Storchs Stück „Das Maschinengewehr Gottes“ in Dortmund.

Dortmund - Am Ende reihen sich Nonnen, Messdiener und laufende Bäume zu einer bizarren Polonäse auf, und dazu dudelt ein alter Country-Song von „Dschiiisös“. Da glaubt man vollends, auf einem ziemlich abgefahrenen Trip in die bunte Welt der katholischen Happenings zu sein. Dabei sitzt man im Studio des Schauspiels Dortmund. Wenzel Storch hat wieder zugeschlagen mit der Kriminal-Burleske „Das Maschinengewehr Gottes“.

Der 1961 geborene Regisseur arbeitet erneut seine von der Kirche verkorkste Jugend auf in einem Stück, das geniale Bilder und überschäumende Phantasie mit hemmungslosem Dilettantismus mischt, dass kein Auge trocken bleibt. Diesmal geht es ins Feld des sakral überformten Abenteuerromans und Krimis für die katholische Jugend. Storch setzt brillant das Spiel im Spiel ein: Hier läuft nicht plan das Stück um die drei Messdiener auf Pfarrers- Suche. Stattdessen setzt Storch das als Lang-Sketch für einen Gemeindeabend in Szene. Er kann so grellste Pointen setzen und die Handlung brechen.

Das Problem der mangelnden Glaubwürdigkeit erledigt er so gleich mit. Alles Illusion, hinfabuliert zum Amüsement: Die drei Messdiener zum Beispiel, die so seltsam zerknautscht die Nacht im Beichtstuhl verbringen. Der Kaplan Buffo, der seine Gemeinde beim Würfeln an den tumben Bauern verzockt hat und sie verwaist zurücklässt, während die Kirche eingerissen und auf dem Gelände Erbsen angebaut werden. Dass ein Ersatzpriester aus dem Versandkatalog des Christlichen Kaufhauses bestellt und geliefert wird, in einem monströsen Briefumschlag. Dass der einen Kunstarm mit mehreren Gewehrläufen hat, wie der legendäre Rüpel-Missionar Pater Leppich spricht und in den Pausen mal eben den Dorflehrer abknalllt, weil der keine Antwort weiß auf die Frage „Kennst du das Wort Geschlechtskrankheit?“ Dann explodiert der Robo-Kaplan. Und die Spur führt zu einem Kloster in Schlesien, zu dem man nur durch das verfluchte Rote-Beete-Massiv gelangt, vorbei an verführerischen evangelischen Gasthauswirtinnen und einem Hostinettenbär.

Das schillert aufs Schönste in allen Farbtönen zwischen naivem Gottvertrauen, militanter Frömmigkeit, latenter Fleischeslust und fröhlicher Albernheit. Man muss schon eine Antenne haben für solch launige Lästereien, aber dann gibt es zu Lachen ohne Ende. Allein schon, wie Storch seinem Archiv vergessene Schätze des Sakropop entreißt und zum Soundtrack dieser durchgeknallten Suche nach dem Heiligen Gral montiert. All die Kalauer. Wenn es heißt, Katholiken dürften keine Butter aufs Brot essen, und die Messdienerin kontert: „Keine Margarine. Die ohne Butter sind Buttisten.“ Oder die Wortspiele mit dem Namen der Kloster-Domina, Schwester Ejaculata. Oder das laszive Melken der Kuh für die berühmte Milchsuppe. Lauter Doppeldeutigkeiten, die dem katholischen Mief eine rauschhafte Erlebniswelt abgewinnen.

Die Laien machen dabei ihre Sache richtig gut, auch weil Storch sie typgerecht einsetzt. Kein Profi könnte so bieder den Zockerpater geben wie Heinrich Fischer, oder den linkischen Oberministranten wie Thorsten Bihegue. Dazwischen glänzen dann noch Ensemblemitglieder wie Ekkehard Freye als treuherziger Erzähler, Andreas Beck mal als Kampfpater, mal als Dirndl-Wirtin, aber immer versoffen, Julia Schubert als überdrehte Schwester vom Orden der barmherzigen Seepferdchen. Noch besser, noch kultiger als Storchs erster Abend „Komm in meinen Wigwam“.

17., 27.12., 17.1.,

Tel. 0231/ 50 27 222, www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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