Wissenswertes für Autofahrer

Braune Schilder an der Autobahn: Welchen Zweck haben sie eigentlich?

Jeder, der schon einmal auf der Autobahn unterwegs war, hat die braunen Schilder sicherlich mal bemerkt. Sie weisen auf örtliche Sehenswürdigkeiten hin, doch hat das auch einen tieferen Sinn?

In ganz Deutschland befinden sich solche braunen Schilder auf der Autobahn.

Die meisten Verkehrsschilder auf der Autobahn sind Autofahrern bekannt – auch wenn es einige Ausnahmen gibt*. Die großen braunen Tafeln hat jeder zumindest unterbewusst schon einmal bemerkt. Sie sind eigentlich nicht zu übersehen, wenn man im Auto auf der Autobahn unterwegs ist. Ohne nähere Beschreibung weisen sie auf eine regionale Sehenswürdigkeit hin.

Aber die meisten Autofahrer wissen in der Regel, wenn sie gerade das Sauerland oder die Lüneburger Heide durchfahren. Und für den Kölner Dom ist so eine Beschilderung am wenigsten nötig, möchte man meinen. Doch die „Zevener Geest“ oder die „Gellert-Stadt Hainichen“ zählen vermutlich nur die wenigsten Reisenden zu Sightseeing-Spots, die man unbedingt gesehen haben muss. Für die einen dienen die Schilder deshalb zur Heimatkunde während dem Vorbeifahren entlang der Autobahn, für die anderen sind sie ein weiterer Beitrag zum Schilderwald an unseren Straßen.

Braune Schilder auf der Autobahn: Was ist die offizielle Bezeichnung?

Die braunen Schilder werden im Amtsdeutsch offiziell als „touristische Unterrichtungstafeln“ bezeichnet. Keiner weiß, wie viele dieser braunen Schilder es genau gibt, da sie nicht zentral erfasst werden. Auf mehr als 3.400 Schilder mit rund 1.800 Motiven kommt Professor Sven Groß. Der Tourismusforscher von der Hochschule Harz hat dazu Anfang 2020 eine Studie vorgelegt. Demnach ist jeder Sechste einem solchen Schild schon mal spontan gefolgt. Zwei von drei Befragten gaben an, dass sie sich an Schilder und die abgebildeten Ziele erinnern können. Nur vier Prozent sagten, sie hätten eine solche Tafel noch nie wahrgenommen. Die Tafeln sind um die zehn Quadratmeter groß, stets in den Farben Braun und Weiß gehalten und in Grenzregionen mitunter sogar zweisprachig.

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Erste Tafel wurde 1983 aufgestellt

Die erste Tafel wurde 1983 an der A8 bei Stuttgart aufgestellt, angeregt durch die Franzosen, die bereits einige Jahre Erfahrung
hatten. Sie lenkte die Aufmerksamkeit des Autofahrers auf Burg Teck. Anfangs durften solche Schilder maximal alle 20 Kilometer erscheinen und ausschließlich auf von der Autobahn aus sichtbare bedeutsame Kultur- oder Baudenkmäler oder Landschaften verweisen. Inzwischen sind die Behörden großzügiger.

Was sind die Voraussetzungen, damit „touristische Unterrichtungstafeln“ aufgestellt werden können?

Bettina Harms arbeitet bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und ist für sechs Autobahnabschnitte im Raum Oldenburg zuständig. Beantragt jemand ein neues Schild, greift Harms zu den „Richtlinien für die touristische Beschilderung“ und klärt zunächst, ob es sich um ein touristisch bedeutsames Ziel handelt.

Dazu zählen Unesco-Welterbestätten, Kultur- und Baudenkmäler, Naturparks, aber auch Kriegsgräberstätten und Freizeitparks. Das Ziel darf nicht weiter als zehn Kilometer Luftlinie von der nächsten Anschlussstelle entfernt sein. Zwischen zwei Anschlussstellen möchte Harms auch nicht mehr als zwei braune Schilder sehen, wobei der Abstand mindestens 1.000 Meter betragen soll - eine von vielen Soll-Bestimmungen in den Richtlinien.

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Sich vom Kuriosen auf Abwege bringen lassen

Wer aufmerksam durch die Lande fährt, entdeckt auch kürzere Abstände. Und neben den Farben Braun und Weiß, die eigentlich nur zulässig sind, auch mal eine Möwe oder einen Schmetterling in Blau. Wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Autofahrer zu gewinnen, sind die Antragsteller erfinderisch.

Selbst wenn sich der touristische Nutzen kaum messen lässt, werden weitere Schilder hinzukommen. „Das ist wirklich teils so Klein-Klein, dass man sich fragt: Ist das nötig?“, sagt Tourismusforscher Groß. Zugleich räumt er als „Fan regionaler Spezialitäten“ ein, dass auch er nur dank eines braunen Schildes auf die „Thüringer Kloßwelt Heichelheim“ aufmerksam wurde. Und so werden diese Tafeln auch in Zukunft immer wieder die Reiseplanung beeinflussen – oder zumindest kleine Wissenslücken schließen. (dpa/ök) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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