Fahrbericht

Carven statt kurven - (Dreh-)Momentaufnahme im neuen Mercedes AMG A45

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Das gelbe Biest: Wir konnten den Mercedes AMG A45 ausgiebig testen.

Der stärkste jemals in Großserie gebaute Vierzylinder: AMG jagt wieder einmal die Superlative und motzt die Kompaktklasse von Mercedes auf.

Mit dem A 45 und dem CLA 45 kommen zwei neue Spitzensportler auf den Markt, jeweils in zwei Varianten. Und ein drittes Modell ist schon in Sicht. Der CLA Shooting Break. Während wir erstere schon auf der Rennstrecke von Jarama bei Madrid testen durften, konnten wir den Kombi erst einmal nur in Augenschein nehmen.

Mercedes AMG A45: Mit 421 PS ab auf die Straße

Es ist schon fast unvorstellbar, dass man aus einem vergleichsweise kleinen 2,0-Liter-Motor so viel Leistung herauskitzeln kann. 387 PS sind es im "normalen" Modell, wenn man bei diesen Daten überhaupt noch von normal sprechen kann. Die besonders sportliche S-Variante bringt 421 Pferdestärken (und damit 40 mehr als der Vorgänger) auf die Straße. Für die Statistiker: das sind 210 PS pro Liter Motorhubraum - damit bewegt man sich im Kreis der Supersportwagen. Dass die beiden A 45er damit in 4 respektive 3,9 Sekunden überfallartig die magische Tempo-100-Marke erreichen, ist dann schon kein Wunder mehr.

Bemerkenswert ist dabei die Kraftentwicklung des Aggregats, das im Vergleich zum Vorgänger komplett überarbeitet wurde. Der Drehmomentverlauf wurde an die Leistungsentfaltung eines Saugmotors angepasst. Daimler nennt das "Torque Shaping". Und so wird das maximale Drehmoment von 500 Nm im S-Modell erst zwischen 5.000 und 5.250 U/min erreicht. Die Drehfreude endet dabei erst bei 7.200 U/min und unterstreicht damit den Sportwagencharakter.

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Der Mercedes AMG A45 heizt über die Rennstrecke

Bei den ersten Testfahrten auf den Landstraßen rund um die spanische Hauptstadt fühlt sich das zwar schon ganz gut an. Aber so richtig ausfahren kann man diese Power, die der AMG mit einem Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe und einem serienmäßigen Vierradantrieb auf den Asphalt bringt, jedoch erst auf der Rennstrecke.

Beispielsweise auf dem Rundkurs von Jarama, auf dem im Rahmen der Formel-1-Weltmeisterschaften schon neun Mal der große Preis von Spanien ausgetragen wurde. Die schiere Kraft des A 45 spürt man erst, wenn der kompakte Kraftmeier auf vier Rädern aus der letzten Kurve in die lange Zielgerade reinsticht und scheinbar mühelos Rennfahrer und Instruktor Bernd Schneider in seinem GT/R nicht nur folgt, sondern sich sogar recht aufmüpfig an dessen Heck klebt. Man will ja nur spielen...

Mit  dem 412 PS starken Mercedes AMG A45 ging es in Spanien auf die Rennstrecke.

Ja, Motoren bauen können die da in Affalterbach. Das ist bekannt. Und erwartbar. Was die Konstrukteure hinter den sieben Bergen im Stuttgarter Nordosten allerdings in Sachen Agilität hinlegen, ist noch mal eine ganz andere Sache! Und etwas, was wirklich neu ist. Damit meinen wir nicht die Drehmomentverschiebung zwischen Vorder- und Hinterachse. Geschenkt, das ist ein alter Hut! Dass die Kraft aber unterschiedlich auf die einzelnen Hinterräder übertragen wird, um das Kurvenverhalten nachdrücklich zu verbessern, ist schon eher selten.

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Mercedes AMG A45: Gute und schlechte Nachrichten

Im neuen A45 AMG heißt es nun: Carven statt nur rumkurven. Das ist so, wie wenn man beim Skifahren einen eng gesteckten Slalom fährt und den Po beim Einfahren in die Rechtskurve links herausschiebt. Und andersherum. Das Heck haut es durch die unterschiedliche Kraftentfaltung regelrecht um die Kurvenachse.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: Mit dieser Technik kann jetzt Krethi und vielleicht auch Plethi ganz einfach Rennfahrerqualitäten entwickeln. Möglich macht das ein völlig neues und erstmals in einem AMG eingebautes Hinterachsgetriebe. Es enthält zwei elektronisch gesteuerte Lamellenkupplungen, die jeweils mit einer Antriebswelle verbunden sind. Dadurch kann die Antriebskraft stufenlos zwischen den beiden Hinterrädern verteilt werden. Das sorgt für jederzeit optimalen Grip auch bei nassen Straßenverhältnissen und hilft wie oben beschrieben bei extremen Kurvenfahrten.

Mit dem DRIFT-Mode machen Kurven im Mercedes AMG A435 richtig Spaß.

Mercedes AMG A45: Kontrolliert unkontrolliert

Quasi als Abfallprodukt haben die Ingenieure aus diesen technischen Fähigkeiten den sogenannten DRIFT-Mode abgeleitet. Erstmalig kann man auch ohne Aquaplaning oder Eis mit seinem Auto um die Kurven schlittern, auch Powerslides genannt. Das fühlt sich in etwa so an, als man in den Jugendjahren mit seinem alten VW Käfer bei Schneefall sofort den nächsten größeren Parkplatz ansteuerte, Vollgas gab und beim Rechtseinschlagen die Handbremse zog. Einmal quer durch die Kurve schleudern. Klasse! Der DRIFT-Mode dürfte für die Reifen-Industrie ein Segen und, wie man hört, im Nahen Osten, dort, wo das Geld nur so aus der Erde sprudelt, ein echtes Verkaufsargument sein.

Wer die dynamischen Kurvenfahrten mit Powerslides auf dem heißen Asphalt mitgemacht hat, kann das nachvollziehen. So kontrolliert wurde ein Auto selten unkontrolliert gefahren. Und als der Instruktor mit einem gewaltigen Anlauf das Auto um die eigene Achse dreht und mit einem Powerslide auf der anderen Straße einparkt, macht sich das unvernünftige Gefühlt breit: Haben wollen.

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Mercedes AMG A45: Funktion vor Design

Und so bietet der neue AMG A 45 für den Kenner und Genießer das ein oder andere technische Gustostückerl. Dass diese "mit-allem-und-scharf-A-Klasse" auch noch gut aussieht (vor allem in Gelb), ist den Designern zu verdanken. Die haben aus der Vorgabe "form follows function", also die Form ordnet sich der Funktion unter, das Beste gemacht. Weil der Motor viel Luft braucht, sind beispielsweise die Lufteinlässe in der Frontschürze extrem gewachsen.

Der Mercedes AMG A45 kostet mindestens 60.000 Euro.

Im sogenannten Jet-Wing-Design wirken sie wie gefräßige große Mäuler und passen so zur ausgeprägten und scharf geschnittenen shark nose, der Hainase. Zum ersten Mal in der Kompaktklasse gibt es auch die vertikalen Streben im Kühlergrill, die im GT erstmalig eingeführt wurden. Ein klares Zeichen, dass dieser A 45 ein echtes Mitglied der AMG-Familie ist. So wie auch der CLA, den es ebenfalls in der scharfen Variante gibt, der im Vergleich dazu ein wenig weicher und komfortabler im Fahrwerk abgestimmt wurde. Und dann kommt ja noch der Shooting Brake dazu, der Kombi. Eine schrecklich schnelle Familie. Zu haben ab knapp unter 60.000 Euro.

Datenblatt Mercedes-AMG A 45 S 4MATIC+

Motor:

2,0-Liter-R4 mit wälzgelagertem Twin-Scroll-Abgasturbolader

Hubraum:

1.991 ccm

Leistung:

421 PS bei 6.750/Umin

Drehmoment:

500 Nm bei 5.000 – 5.250 U/min

Antrieb:

variabler Allrad

Getriebe:

DCT 8G Doppelkupplungsgetriebe

Kraftstoffverbrauch kombiniert:

8,4-8,3 l/100 km

Co2-Emissionen:

192-189 g/km

Beschleunigung 0 auf Tempo 100:

3,9 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit:

270 km/h mit AMG Drivers Package

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Rudolf Bögel

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