Schon als Prototyp schlägt er sein Vorbild

Bye, bye Defender: Erste Mitfahrt im Grenadier zeigt - Er ist besser!

Ineos Grenadier Front Alpenpanorama
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Posing in den Alpen. Der Grenadier richtet sich in erster Linie an Geländefreaks, will aber auch das Lifestyle-Publikum anlocken.

Probefahrt im Prototyp. Wie gut ist der Grenadier von Ineos? Kommt er an sein Vorbild, den Land Rover Defender, heran? So schlägt er sich im Gelände.

  • Briten-Milliardär Ratcliffe lässt sich seinen eigenen Geländewagen bauen.
  • Das große Vorbild des Grenadiers ist der alte Land Rover Defender.
  • Auch BMW ist an Bord und liefert das, was die Bayern am besten können.

Gezeugt wurde er als der Land Rover Defender starb. An einem langen Abend in einem Londoner Pub. Die Stunde ist vorgerückt, die Gesellschaft ärgert sich, dass Land Rover den Defender nicht mehr in der traditionellen Form weiterbauen will. Da nimmt ein großer hagerer Herr noch mal einen kräftigen Schluck aus dem Bierglas, schnappt sich einen Stift und einen Bieruntersetzer. Und notiert dort, wie er einen neuen Defender bauen würde. Der Mann heißt Jim Ratcliffe und ist einer der reichsten Briten. Das Pub heißt Grenadier.

Wie in einer Pilotenkanzel sitzt der Fahrer im Grenadier. In der Mittelkonsole sind die Knöpfe für den täglichen Gebrauch.

Innen sieht es aus wie in einer Flugzeugkanzel

Und jetzt steht er vor uns. Der Grenadier*. Mächtige Motorkuppel, kantige Kotflügel – ein kompromissloser Geländekumpel. Sind der äußerliche Auftritt und das wie in einer Flugzeugkanzel gehaltene Interieur schon beeindruckend – so kann man nach der ersten (Mit-)Fahrt in einem der rund 130 Protoypen, die derzeit auf der Welt unterwegs sind nur respektvoll den Hut ziehen. Das ist keine Wiederauferstehung einer Legende – das ist die Geburt eines völlig neuen Geländewagens.

Ein Milliardär und sein Geländewagen. Jim Ratcliffe mit dem Grenadier auf dem Magna-Testgelände.

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So viel Pivatvermögen hat der Grenadier-Erfinder

Dass Racliffe, der mit Ineos eines der größten Chemieunternehmen der Welt besitzt und über ein Privatvermögen von geschätzten elf Milliarden Dollar verfügt, ein ordentliches Auto bauen lassen würde, da hatte keiner Zweifel. Ratcliffe ist ein Unternehmer wie er im Buche steht und greift überall nach den Sternen. Bei der Tour de France hat er ein eigenes Super-Team, beim Americas Cup ist er dabei, mit dem FC Lausanne (Schweiz) und OGC Nizza (Frankreich) gehören ihm gelch zwei Fußballteams, und bei der Formel 1 ist er mittlerweile zu einem Drittel am Mercedes-Rennstall beteiligt.

Dachleiter, Reservereifen, Unterbodenblech: Der Grenadier ist für den Extremeinsatz im Gelände gebaut.

Mercedes-Werk Hambach: Smart raus, Grenadier rein

Apropos Sterne. Von dem Stuttgarter Autobauer hat er gleich auch noch ein ganzes Werk übernommen. In französischen Hambach (früher Lothringen) montieren 1.300 Mitarbeiter derzeit den Smart. Das tun sie auch wohl noch ein bis zwei Jahre, bis der neue Elektro-Smart in China gebaut wird. Auf der anderen Produktionslinie wird der Grenadier gebaut werden, ab Mitte nächsten Jahres vermutlich. Bis zu 30.000 Stück sollen es jährlich sein. Wenn das Auto einschlägt, dann können die Kapazitäten sogar noch auf 50.000 erweitert werden.

Er muss überall durchkommen, weltweit. Das i.JPG

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BMW liefert das Herz des Grenadiers

Mercedes ist nur ein prominenter Autobauer, der beim Grenadier zumindest indirekt mitmischt. Es spielen noch drei andere mit. Gebaut und entwickelt wird der Defender-Schreck von Magna in Steyr. Dass die so etwas können, beweisen sie schon seit Jahrzehnten mit der G-Klasse von Mercedes. Das Achtgang-Automatik-Getriebe kommt von ZF in Friedrichshafen – und unter der Motorhaube treiben zwei mächtige Motoren von BMW an. Zwei Sechszylinder. Der Diesel hat 249 PS und ein Drehmoment von 550 Newtonmeter (Nm), der Benziner 285 PS und 450 Nm Drehmoment.

Exklusive Mitfahrt im neuen Grenadier. Autor Rudolf Bögel durfte den Briten made in Austria schon mal näher begutachten.

Erste Testfahrt im Kieswerk

Wie der Selbstzünder aufdrehen kann, erleben wir in einer Kiesgrube im Osten von München. Leider nicht selbst. Wir dürfen heute nur mitfahren, weil es sich bei den zur Verfügung stehenden Fahrzeugen noch um Prototypen handelt. Und dafür braucht man einen speziellen Führerschein. Was dem Vergnügen keinen Abbruch tut. Zuerst einmal lässt unser Fahrer das Drehmoment von der Leine: Wir jagen über eine staubige Straße, rechts und links riesige Kiesberge. Erstaunlich wie ruhig der Grenadier doch fährt, da haben sie gewaltig Dämm-Material in die Karosserie gepackt. Der Motor summt leise, ein sanftes Brüllen und Grollen hört man, wenn er auf Touren kommt. Das Fahrwerk ist knackig, stramm aber bequem, es packt die Unebenheiten locker weg, fast hat man das Gefühl auf Asphalt und nicht auf Schotter zu sein.

Abwaschbar und mit Ablaufstutzen. Im Kofferraum kann man auch schmutzige Güter transportieren.

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Plötzlich macht der Grenadier einen Kopfstand

Und ab geht’s in eine sanfte Hügellandschaft. Der Untergrund ist rutschig, viel Humus. Schon erstaunlich trittsicher bewegt sich der Grenadier durch das Gelände. Dabei sind die Vorder- und Hinterachssperren noch gar nicht scharf. Nur mit Allrad und dem Mitteldifferenzial geht es durch die Pampa. Mühelos durch leicht matschige Verschränkungen. Höhepunkt der kleinen Demonstration ist eine kleine Bergabfahrt. Hört sich harmlos an, hat es aber ganz schön in sich. Am Fußende macht der Grenadier fast einen Kopfstand, so steil ist die Abfahrt. Wir hängen kurz in der Vertikalen und dann geht es wieder zurück in die Horizontale. Wer jetzt annimmt, dass die Karosserie jämmerlich über den Boden schrammt – der irrt. Der Grenadier hat so einen guten Böschungswinkel, dass er schon fast über das Gelände schwebt. Noch kurz rein in die Schlammpfütze, mit Schmackes, Dreck spritzt, aber der Fahrer hat den 2,7 Tonner jederzeit im Griff.

Im Dach befinden sich alle Schalter, die man Offroad braucht. Auch ein Knopf für die Seilwinde ist vorgesehen und verkabelt.

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Das soll der Grenadier vermutlich kosten

Das ist schon beeindruckend, was der Grenadier alles kann. Damit dürfte er den aktuellen Defender nicht nur herausfordern, sondern ihn sogar schlagen, und die G-Klasse von Mercedes schnupft er gleich auch noch mit. Zumal der Grenadier auch preislich interessant sein dürfte. Mit rund 60.000 Euro rechnet man für die Langversion. Dabei dürfte der Unterschied zwischen Diesel und Benziner marginal sein. Zunächst einmal sind zwei Ausstattungslinien geplant. Work lautet die Variante für den täglichen Geländeeinsatz mit Gummimatten und abwaschbaren Polstern beispielsweise. Grundsätzlich sind die beiden Achssperren mit an Bord. Life ist die Variante für das gehobene Stadt-Publikum mit Leder und feineren Details. Hier gibt es nur das Mittel-Differenzial in der Grundausstattung, wer trotzdem alle Geländefähigkeiten haben will, kann sie natürlich dazu ordern.

Im Gegensatz zu vielen SUVs kann der Ineos Grenadier auch Gelände. Ausgerüstet ist er mit Leiterrahmen und Starrachsen.

Diese Varianten vom Grenadier sind noch geplant

Neben der Langversion, die knapp fünf Meter misst, wird es auch noch einen extralangen Grenadier geben als Siebensitzer. Geplant ist auch ein Pick-up mit Doppelkabine. Einen Zweitürer wird Ineos nicht ins Programm aufnehmen. „Wir bewegen uns eh schon in einem Nischenmarkt“, heißt es dazu. Bedeutet übersetzt: Die Entwicklung einer kleineren Variante würde viel zu viel kosten im Vergleich zum möglichen Absatz. Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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