Fahrbericht

Nichts schlägt einen Diesel - mit einem 220er von München nach Venedig

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Wie gut schlägt sich der neue Mercedes C 220d auf der Langstrecke?

Nichts schlägt einen Diesel. Beweis gefällig? 1.000 Kilometer Testfahrt unter schwersten Bedingungen. Hitze, Stau, Berge, voll beladen. Fahrtkosten pro Person: 18,43 Euro. Unser Test steht unter einem silbernen Stern. Dem von Mercedes.

Unsere C-Klasse ist ein T-Modell mit einem Vierzylinder-Selbstzünder der neuesten Generation. Heißt Euro-Norm 6d-Temp, die ab 1. September 2019 Pflicht für alle neu zuzulassenden Autos ist. Sauber, dieser Diesel ist offenbar wirklich sauber

Mit dem Mercedes C 220d zur Biennale

Die Reise führt uns über die Alpen - von München nach Venedig. Zur Biennale. Und wieder zurück. Vier Personen, dazu Gepäck für vier Nächte. Das packt das T-Modell mit seiner Kofferraum-Kapazität von 460 Litern locker. Als Zweisitzer mit umgeklappter Rückbank passen sogar 1.510 Liter rein.

Der Versuch: 4,7 Liter auf 100 Kilometer – schafft der Mercedes C 220d es wirklich?

194 Pferdestärken aus zwei Litern Hubraum stehen uns für den Trip über die Alpen in die Lagunenstadt zur Verfügung. Mehr als ausreichend. Ist ja ein Diesel, mit sattem Drehmoment von unten heraus. Kurz nach dem Anspringen klingt er zwar immer noch wie ein Taxi, doch das beruhigt sich schnell. Und spätestens beim Fahren hört er sich zwar immer noch kernig aber kultiviert an.

Genug Platz für allerhand Dinge nietet der Mercedes C 220d auf jeden Fall.

Die Aufgabenstellung ist nicht einfach. 4,7 Liter auf 100 Kilometer soll der 220d laut Mercedes nach dem neuesten und angeblich realistischeren WLTP-Verfahren verbrauchen. Wir machen die Probe aufs Exempel. Auf der Autobahn zwischen München und Garmisch lassen wir es immer wieder mal laufen. 200 Stundenkilometer, wo geht das sonst noch im staugeplagten bayerischen Oberland?

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Mercedes C 220d: Die lange Fahrt in den Süden – und zurück

Auf der ganzen Fahrt läuft außerdem die Klimaanlage bei Außentemperaturen zwischen 32 und 35 Grad. Und zu allem Überfluss verlassen wir die Brenner-Autobahn, weil sie derartig voll ist, schon gleich bei Franzensfeste. Für den Motor heißt das: Landstraße, noch ein zusätzlicher Pass auf dem Weg nach Cortina d´Ampezzo statt leichtfüßigem Dahingleiten mit Tempo 120 auf der Autobahn.

Doch der Antrieb schlägt sich tapfer und die Tanknadel liebt offenbar die Zeitlupe. Weil wir uns die Überraschung, wie viel unser Diesel nun wirklich braucht, bis zum Schluss aufheben wollen, begnügen uns mit der Reichweitenanzeige.

Knapp acht Stunden später (mit Mittagspause) rauschen wir über eine lange Brücke in eine andere Welt. Venezia, Meer, Kanäle, o sole mio. Vier Tage bleibt unser Mercedes auf dem Parkplatz Tronchetto stehen - bis es zurückgeht nach München.

Wir haben ganz genau hingeschaut, wie viel der Mercedes C 220d auf unseren Fahrten von München nach Venedig und zurück verbraucht hat.

Bei der Rückfahrt herrschen die gleichen Temperaturverhältnisse wie auf dem Hinweg, das Gewicht ist trotz ausgiebiger Schlemmereien in den venezianischen Trattorien und dem ein oder anderen zusätzlichen Souvenir nahezu gleich. Allenfalls leicht erhöht. Verkehrstechnisch läuft die Rückreise wie am Schnürchen. Tempomat und Distronic einschalten, teilautonomes Gleiten bei konstanter Geschwindigkeit auf überwiegend Autobahnen - das spart Sprit.

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Was sagt der Verbrauch nach dem Trip?

Und nun naht die Stunde der Wahrheit. Zu Hause lassen uns vom Computer die Reisedaten anzeigen. Überraschung! 5,9 Liter! Tatsache. Bei einem Spritpreis von 1,25 Euro für den Liter Diesel heißt das Spritkosten in Höhe von 73,75 Euro, geteilt durch vier Passagiere macht das 18 Euro und 43 Cent. Nothing beats a Diesel. Nichts schlägt einen modernen Diesel.

Schade, dass dieser Treibstoff durch die üblen Tricksereien mancher Autohersteller so in Verruf geraten ist. Mit seinem größeren Wirkungsgrad, also der bessern Ausbeutung der Energie, stellt er Benziner immer noch locker in den Schatten.

Während der Fahrt haben wir uns nur auf die Reichweitenanzeige verlassen.

Und aufladbare Hybridfahrzeuge (sogenannte PHEVs) erreichen vielleicht einen ähnlichen Wert wie unser 220d. Sobald die Batterie aber leer gefahren ist, schnellt der Verbrauch aufgrund der schweren Zusatztechnik unverhältnismäßig in die Höhe. Reine Elektroautos haben eine ähnliche Grundproblematik. Viel zu viel Gewicht dazu kommen CO2-intensivere Herstellungskosten und die immer noch komplett ungelöste Batterie-Entsorgungsproblematik. Deshalb unser Fazit: Nichts schlägt einen (sauberen) Diesel, außer ökologisch produzierter Wasserstoff.

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Elegant und kultiviert: der Mercedes C 220d

Doch zurück zum C 220 d T-Modell. Der Trip nach Venedig hat neben dem überzeugenden Verbrauchstest auch ergeben, dass die C-Klasse nicht umsonst zu den erfolgreichsten Modellen im Daimler-Portfolio gehört. Sie ist praktisch und sparsam. Elegant und kultiviert. Auszusetzen haben wir nicht sonderlich viel: Zum Beispiel, dass es bei diesem Facelift immer noch keinen integrierten Bildschirm gibt. Der 10-Zoll-Monitor in der Mitte wirkt wie nachträglich eingebaut.

Unter 44.000 Euro geht nichts beim Mercedes C 220d.

Und dann gibt es etwas, das einen bei einem grundsätzlich ohnehin schon angeknacksten Nervenkostüm in den Wahnsinn treibt: Nämlich das klackende Geräusch, wenn die Mercedes-Blende an der Heckklappe aufklappt, damit die Linse der rückwärtigen Kamera freie Sicht hat. Und das passiert sowohl im Stau als auch vor den Ampeln sehr oft. Da hat man bei der C-Klasse an der Dämmung gespart. In höherwertigen Modellen von Daimler hört man das nämlich nicht.

So viel kostet der Mercedes C 220d

Womit wir beim Preis wären. Ab 44.333,45 Euro geht es los, wenn man diese Baureihe mit dem 220er-Diesel haben will. Bei den Zusatzausstattungen muss man mit Bedacht vorgehen, sonst kommt man sehr schnell über 60.000 Euro. Wir würden folgende Konfiguration grundsätzlich empfehlen: Das Business-Paket kostet zwar knapp 3.100 Euro, dafür aber hat man unter anderem für Fahrer und Beifahrer eine Sitzheizung und LED-Scheinwerfer statt Halogen.

Das erweiterte Assistenzpaket für 2.200 Euro bietet den automatischen Abstandshalter "Distronic", Spurhalte- und Totwinkel-Assistent sowie den Ausstiegswarner. Das alles ist wirklich sinnvoll. Insofern sollte man auch fürs Infotainment-System und das 10-Zoll große und hochauflösende Display noch mal knapp 1.000 Euro anlegen. Und noch für das Parkpaket mit Rückfahrkamera und 360-Grad-Ansicht 900 Euro ausgeben, dann hat man für 51.556,75 Euro die wichtigste Technik an Bord. Das Geld, das man hier anlegt, ist ja gut angelegt. Beim Verbrauch holt man die Mehrkosten locker wieder heraus.

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Rudolf Bögel

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