Ersteindruck

Elf scharfe Details zum neuen Porsche 911

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Äußerlich hat Porsche am neuen 911 nur kleinere Änderungen vorgenommen.

Noch schneller, noch präziser, noch cooler. Der neue 911er von Porsche steht in den Startlöchern. Wir durften den kultigsten Sportwagen aller Zeiten schon mal genau auf die Schraube fühlen und verraten hier die 11 spannendsten Details zum neuen 911er.

So elektrisch wird der 911er: "Die Zeit ist noch nicht reif", raunt ein Ingenieur in Zuffenhausen und bestätigt das, was wir bei diesem exklusiven Vorab-Termin gesehen haben. Der 911er bleibt vorerst ein klassischer Verbrenner. Mit 400 PS in der einfachen Carrera-Variante, mit 450 PS in den S-Modellen. Der Sechszylinder-Boxer-Motor wurde in vielen High-Tech-Details optimiert, das Mehr an Leistung (plus 30 PS, plus 30 Nm Drehmoment) geht überwiegend auf den neuen und größeren Turbolader zurück.

Nicht vollelektrisch aber zumindest hybrid wird der 911er allerdings schon. Technisch wurden dafür schon einige Vorbereitungen getroffen. Zum Beispiel kann der elektronische Bremskraftverstärker rein theoretisch schon rekuperieren. Und Doppelkupplungsgetriebe ist bereits für einen zusätzlichen E-Motor ausgelegt. Eine sogenannte MILD-Hybridisierung, also nur der Einsatz eines Startergeneratos, wird es nicht geben. Ein Elektromotor in einem 911er, auch das raunt der Techniker, muss schon „was Gscheites“ sein. Was ebenfalls zumindest für eine Teilelektrifizierung spricht: In der runderneuerten 911er-Fabrik in Zuffenhausen wird künftig auch der Elektro-Porsche Taycan produziert. Wann der 911er hybrid kommt? Allerspätestens zur Modellpflege 2022.

Die Fahrleistungen des "normalen" 911ers haben sich indes deutlich verbessert: Um fast eine halbe Sekunde schneller spurtet der Carrera 4 S in stattlichen 3,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Das maximale Drehmoment von 530 Nm steht dabei zwischen 2.300 und 5.000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung.

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Der Sound des Porsche 911

Der neue 911er klingt zwar immer noch wie ein 911er, aber nicht mehr ganz so gut. Die verbesserte Abgasreinigung durch den Otto-Partikelfilter hat ein paar der tiefen Töne herausgenommen. Wer das auf Anhieb hört, sollte sich jedoch gleich als Chef-Akkustiker bei einem Lautsprecher-Hersteller bewerben.

So fühlen sich Fahrwerk und Getriebe des Porsche 911 an

Ausgelegt auf 800 Nm Drehmoment wurde der Antriebsstrang von Porsche ganz neu entwickelt. Das Doppelkupplungsgetriebe verfügt über acht Gänge, der erste ist ein bisschen kürzer, der achte ein wenig länger. Die Blitzschaltung, bislang nur bekannt aus den GT-Modellen, sorgt für kürzere Reaktions- und Schaltzeiten. Das neue Getriebe kommt erstmals in den 911er-Modellen zum Einsatz, soll aber auch den Panamera antreiben und steht selbstverständlich allen anderen Konzernmitgliedern, speziell den Spitzenmodellen von Audi, zur Verfügung.

In 3,4 Sekunden kommt der Porsche 911 von 0 auf 100.

Noch schärfer ist das Fahrwerk des 911ers: Abgesehen von der verbesserten aber immer noch aufpreispflichtigen Hinterachslenkung haben sich die Techniker vor allem dem Dämpfersystem gewidmet. Die sind jetzt stufenlos verstellbar, die Federrate steigt um bis zu 23 Prozent. Das bringt zum einen mehr Komfort, beispielsweise auf Kopfsteinpflaster. Verbessert wurde aber auch die Reaktionszeit. Dank eines elektromagnetischen Steuerventils ist sie jetzt deutlich höher und passt die Dämpfer innerhalb von Millisekunden an. Was vor allem der Fahrdynamik zugutekommt, einem der wesentlichen 911er-Merkmale.

Eine Weltpremiere gibt es auch bei den Reifen

Zum ersten Mal sind Räder mit unterschiedlichen Durchmessern im Einsatz. Beim S-Modell sind es vorne 245er auf 20-Zoll-Felgen, hinten 305er auf 21-Zoll-Felgen. Damit wird die Spur vorne um 46 mm breiter, in der S-Variante kommen hinten noch 39 mm dazu. Die sogenannte Mischbereifung ist bereits aus dem Motorsport bekannt und sorgt dafür, dass der heckgetriebene Porsche auf der Hinterachse mehr Traktion aufbauen kann. Außerdem verbessert sich die Balance des Sportwagens. Er fährt stabiler, ist noch besser kontrollierbar.

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Jetzt auch sportlich bei Regen

Eine elektronisch auf rutschigen Untergrund eingestellte und geregelte Fahrweise kennen auch andere Hersteller. Dabei passt das System zum Beispiel das Gasansprechverhalten, die Traktion und das Fahrwerk an. Eine Weltneuheit hingegen sind jedoch die Nässesensoren in den vorderen Radhäusern. Sie fangen die akustischen Signale des aufgewirbelten Spritzwassers auf und analysieren anhand von hinterlegten Mustern, wie nass die Fahrbahn tatsächlich ist. Das System wird daraufhin vorkonditioniert, der Fahrer bekommt eine Warnung und die Empfehlung auf Wet plus umzuschalten.

Die Vernetzung des Porsche 911

Der neue 911er ist immer online dank einer eingebauten SIM-Karte. Damit ist natürlich jetzt auch Musikstreaming möglich. Besonders praktisch: Radio plus sorgt für stabilen Radioempfang, weil der jederzeit beste Vertriebsweg des Senders, ob FM, DAB oder Internet, übergangslos gewählt wird. Andere connected Services wie Echtzeit-Navigation sind ja schon fast ein alter Hut. Cool allerdings – wer eine Route auf dem Smartphone berechnet hat, nimmt sie ins Auto mit. Das heißt: Der User geht handygesteuert zu seinem Fahrzeug, steigt ein, die Route wird aufs System übertragen und sobald er aussteigt, kann er sein Handy wieder benützen, um die letzten Meter zum Ziel per pedes zurückzulegen. Neu ist auch der Risk Radar, der mit den neuesten Verkehrsmeldungen gekoppelt ist und auch vor Gefahren warnt, ohne dass nervende Verkehrsdurchsagen den Musikgenuss stören.

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Der 911er "sieht" wie ein Luchs, jetzt auch in der Nacht

Das Fahrzeug verfügt über achtmal Ultraschall, vier Weitwinkelkameras, zwei Radar-Sensoren hinten und einem Long-Range-Radar (Reichweite 250 Meter) vorne. Dazu kommt noch eine Front- und eine Infrarotkamera. Das ist eine Ausrüstung wie sie sich früher ein Hubschrauberpilot erträumt hat. Damit kann der Porsche nicht nur Gefahren erkennen, sondern auch teilautonom fahren. Zum Beispiel die Fahrbahnbegrenzungen sehen, die Verkehrszeichen erkennen oder dem Vordermann im entsprechenden Abstand im Stau zu folgen.

Die neuen LED-Scheinwerfer leuchten die Straße richtig aus.

Die neuen Matrix-Scheinwerfer bestehen aus 84 einzeln ansteuerbaren LEDs. Und können so fast wie ein Laser die Fahrbahn ausleuchten und Gegenverkehr sowie Vordermann exakt ausblenden. Zusammen mit dem Nachtsichtgerät gibt es eine mitunter sogar lebensrettende Warnfunktion. Mit Wärmesensoren werden Fußgänger am Straßenrand aufgespürt. Wenn sich der jedoch auf das Auto zubewegt, wird er einerseits mit einem Lichtstrahl angeblinkt und damit gewarnt. Auch der Fahrer wird alarmiert, parallel dazu bereitet sich das Fahrzeug schon mal auf eine Notbremsung vor.

Der Porsche 911 behält seine Kultoptik

Das Cockpit mit seiner horizontalen Ausrichtung ist eine Hommage an den Ur-Porsche. Der Drehzahlmesser ist immer noch analog und thront in der er Mitte, die zwei 7-Zoll-Displays rechts und links sind digital und individuell einstellbar. Der Touch-Screen in der Mitte misst knapp elf Zoll und ist voll HD. Ein Head-up-Display wird auch weiterhin nicht angeboten. Hauptgrund dafür ist die ungeeignete Scheibenkrümmung des 911er.

Neben dem Cockpit gibt es drei weitere Zitate an den Ur-Porsche. Die Scheinwerfer, die wieder ein wenig aufgesetzt sind auf den Kotflügeln, die markanten Sicken auf der Motorhaube und auch die Kultfelge von Fuchs kehrt zurück. Nur eleganter. Apropos Optik: Wenn man mäkeln will – das einzige, das wirklich stört, ist der neue verstümmelte Automatik-Schaltknüppel, groß wie ein Entenpürzel.

Im Inneren des Porsche 911 dominiert das elf Zoll große Touc-Display.

Die Individualisierungsmöglichkeiten sind mittlerweile fast unendlich: Dass zwei von der Ausstattung her völlig identische 911er das Werk in Zuffenhausen verlassen, ist relativ unwahrscheinlich und passiert statistisch gesehen genau einmal im Jahr.

Unser Fazit zum neuen Porsche 911

Der neue 911er scheint das zu halten das, was er verspricht, und was bei jedem neuen Modell auch das Ziel ist: Er ist der beste 911er. Und auch wenn wir noch nicht selbst gefahren sind: Alleine die rasante Mitfahrt auf dem Hockenheimring hat uns nicht nur ziemlich mitgenommen, sondern auch ziemlich hingerissen.

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Rudolf Bögel

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