Dating-Knigge: Damals und heute

Die korrekten Verhaltensregeln für ein gelungenes Date haben sich von den verkrampften 1930er-Jahren bis heute entschieden verändert

Während damals vor allem die Frau in der Situation war, den Mann mit Stil und guter Sittenkenntnis zu beeindrucken, sind bei den immer beliebter werdenden Dating-Apps vor allem gute Fotos und kreative Anschreiben gefragt, um in einer Masse von "Konkurrenten" auf sich aufmerksam zu machen – ein Vergleich. 

Rendezvous damals: Kein Kaugummi, kein Alkohol und immer schön lächeln

Dating wurde in den USA der 1930er-Jahre regelrecht hysterisch und mit einem umfassenden Verhaltenskodex betrieben. Ein Spiegel-Artikel hat einen Ratgeber von 1938 aus dem US-Fotomagazin Click wiederentdeckt. Aus heutiger Sicht kurios und diskriminierend erscheint die Tatsache, dass sich die Tipps ausschließlich an Frauen richteten. Während die Männer ruhig Langweiler sein konnten, galt es als absolutes No-Go für die Frau, während einer Konversation angeödet dreinzuschauen. Sie hatte stets zu lächeln, interessiert zu sein, einen BH und stramme Strümpfe zu tragen und beim Tanzen nicht zu reden – schon gar nicht über Themen, die ihn womöglich nicht interessieren könnten. Damit reagiert der Ratgebertext auf einen regelrechten Dating-Zwang der späten 1930er-Jahre: Wer samstags keine Verabredung hatte, löschte besser schnell das Licht im Zimmer, damit niemand die "Schmach" bemerkte. Die Anzahl und Häufigkeit der Dates galt als Maßstab für die Popularität der Frauen – dementsprechend wurden sie unter Druck gesetzt, möglichst bald einen Mann abzukriegen und eine Familie zu gründen. 

Online-Dating heute: Cooles Foto, lockerer Spruch und bitte nicht schleimen

Heute sind wir von solchen gesellschaftlichen Zwängen glücklicherweise weit entfernt – niemals zuvor war Dating und Liebe liberaler als in unserer Zeit. Wer wen wie liebt, interessiert keinen mehr – Hauptsache, man selbst ist glücklich damit. Verabredet wird sich zum Beispiel über Dating-Apps wie Lovoo, Jaumo oder Tinder. Sie liefern einen riesigen Pool an Kontaktsuchenden, die per Match-Funktion (z. B. Tinder) verkuppelt werden oder auf einem Radar angezeigt (Lovoo) und locker angechattet werden können. Zum Glück gibt es dabei keine strengen Verhaltensvorgaben: Erfolgreich ist zumindest bei dieser Testerin, wer ein aussagekräftiges Profilfoto nutzt, kreative Anschreiben ohne schleimige Komplimente formuliert und peinliche Spitznamen vermeidet. Wer ein Date verabredet hat, darf auch beim Tanzen reden, anziehen was sie oder er möchte, und Gähnen, so viel man will. Wenn ein Date langweilig ist oder komplett schiefläuft, ist man gesellschaftlich noch lange nicht abgeschrieben und sucht einfach weiter – Auswahl gibt es jedenfalls mehr als genug. Wichtig ist nur, sich möglichst schnell im echten Leben – am besten an einem öffentlichen Ort – zu treffen, um sich richtig kennenzulernen. Wenn die Chemie stimmt, ergibt sich der Rest von ganz allein. Auch das Single-Dasein erlebt eine deutlich Aufwertung und ist zunehmend gesellschaftlich akzeptiert: Niemand muss am Samstagabend das Licht löschen, wenn mal keine Verabredung ansteht. Stattdessen sind überzeugte Singles immer häufiger anzutreffen – vor allem in Großstädten wie Berlin. Dort entwickelt sich das Single-Dasein langsam, aber sicher zum vorherrschenden Lebensmodell. In einer Hinsicht ähnelt sich das Dating der verschiedenen Epochen trotzdem: Eine Dating-Hysterie besteht heute in gewisser Weise auch – wenn auch gelöst von den damaligen Zwängen. Dating-Apps erleben derzeit nämlich einen extremen Boom. Allein Lovoo wird mittlerweile von 40 Millionen Nutzern weltweit genutzt. Wohl gerade weil Liebe und Partnerschaften heutzutage in zahlreichen Formen möglich ist, verzeichnen die verschiedenen App-Anbieter steigende Nutzerzahlen; ermöglichen sie doch erst die spielerische Kontaktaufnahme zu Gleichgesinnten. Das versuchen insbesondere die immer zahlreicheren Apps, die sich auf bestimmte Ziel- und Interessegruppen fokussieren – zum Beispiel für die oberen Zehntausend oder einzelne Religionsgemeinschaften. 

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