Horror-Spiel mit Schmetterlingseffekt: "Until Dawn" im Test

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Acht Freunde, eine einsame Hütte, ein Mörder: Was braucht man mehr für ein gruseliges Abenteuer? "Until Dawn" lässt den Spieler in dem interaktiven Film die Kontrolle übernehmen. Screenshot: Sony Computer Entertainment Foto: Sony Computer Entertainment

Acht Teenager, eine verlassene Berghütte und ein Verrückter im Wald: Das Horror-Adventure "Until Dawn" bedient sich großzügig bei den Klischees des Gruselgenres. Im Gegensatz zum Kinofilm entscheidet diesmal das Publikum, wer die lange Nacht überlebt.

Berlin (dpa/tmn) - "Until Dawn" von Sony Computer Entertainment ist ein Adventure im Stil von Titeln wie "The Walking Dead" und "Heavy Rain". Im Mittelpunkt steht nicht das kaum vorhandene Gameplay.

Ein namenloser Berg, irgendwo im Nordosten der USA. Eigentlich wollten ein paar College-Studenten nur eine Party feiern. Doch dann läuft ein Streich aus dem Ruder, am Ende sind zwei der zehn Freunde spurlos verschwunden. Ein Jahr später treffen sich die Übriggebliebenen an gleicher Stelle wieder - zum Gedenken und zum Weiterfeiern. Doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass hier etwas nicht stimmt: Warum gibt es keinen Strom? Wer schleicht da durch den Wald? Und was sind das für Geräusche aus dem Keller?

Das Gameplay von "Until Dawn" besteht im Wesentlichen nur aus Herumlaufen, dem Sammeln und Betrachten von Hinweisen und Actionszenen mit Reaktionstests: "Jetzt Quadrat drücken!". Wichtig sind stattdessen Story und Atmosphäre - großes Vorbild sind offensichtlich Horrorfilme wie "Scream" und "Saw".

Das fängt bei den Charakteren an, zwischen denen man im Verlauf der Handlung immer wieder wechselt. Vom sensiblen Witzbold über die clevere Schüchterne bis zur nicht ganz so cleveren Ballkönigin ist alles dabei, was Genre-Fans auch aus dem Kino kennen. Gleiches gilt für die Schauplätze: Mit einer einsamen Hütte, einer verlassenen Irrenanstalt und einem geschlossenen Bergwerk gewinnt Entwickler Supermassive Games auf jeden Fall keinen Originalitätspreis.

Dass "Until Dawn" trotzdem funktioniert, hat mehrere Gründe: Erstens ist die Story trotz aller Klischees spannend. Zweitens beeindruckt das Spiel technisch. Wenn die Figuren mit einer Taschenlampe durch dunkle Gänge schleichen - was sie im Spielverlauf ständig tun - kommt dank realistischer Lichteffekte echte Gruselstimmung auf. Der aufwendige Orchestersoundtrack erledigt den Rest.

Gesichter und Stimmen der Charaktere stammen von Schauspielern, darunter auch ein paar bekanntere Größen wie Hayden Panettiere ("Heroes") und Peter Stormare ("Fargo"). Allerdings hat die Digitalisierung nur teilweise geklappt. Gelegentlich wirken Mimik und Gestik sehr lebensecht, dann wieder maskenhaft. Und die deutschen Dialoge sind längst nicht immer synchron zu den Lippenbewegungen.

Trotzdem wachsen dem Spieler die Charaktere mit der Zeit ans Herz. Das liegt vor allem daran, dass er für ihr Schicksal direkt verantwortlich ist. Denn im Laufe des Spiels gilt es immer wieder, Entscheidungen zu treffen: Den langen Weg durch den Wald oder die Abkürzung? Der Eifersucht auf die Ex-Freundin freien Lauf lassen oder den Mund halten? Den Freund retten oder sich selbst in Sicherheit bringen? Selbst scheinbar harmlose Situationen haben dabei massive Auswirkungen, die oft erst Stunden später klar werden - die Entwickler nennen das den "Schmetterlingseffekt".

Selbst die Frage, welche und wie viele Charaktere am Ende noch leben, liegt weitgehend in der Hand des Spielers. So macht "Until Dawn" auch beim zweiten Mal noch Spaß. Das ist bei einem Preis von rund 60 Euro für sechs bis sieben Stunden Story auch nötig. "Until Dawn" gibt es ab morgen (Mittwoch) nur für Playstation 4 und wegen der genretypisch brutalen Gewalt - vor allem im letzten Drittel - nur für Erwachsene.

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