„Konkrete Impfstrategie unklar“

„Booster-Impfung“ ohne Stiko-Empfehlung: Experten kritisieren Vorgehen

In einigen Bundesländern erhalten über 80-Jährige sowie Risikopatientinnen und -patienten bereits eine dritte Corona-Impfung. Eine Empfehlung der Stiko fehlt allerdings noch. (Symbolbild) Corona-Impfung im Altenheim
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In einigen Bundesländern erhalten über 80-Jährige sowie Risikopatientinnen und -patienten bereits eine dritte Corona-Impfung. Eine Empfehlung der Stiko fehlt allerdings noch. (Symbolbild)

In einigen Bundesländern bekommen bestimmte Personengruppen schon eine dritte Corona-Impfung - auch ohne Stiko-Empfehlung. Das sehen Experten jedoch kritisch.

Kassel – Die ersten Menschen bekommen bereits in Deutschland eine dritte Impfung zur Auffrischung gegen Corona*. Eine offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt es allerdings nicht. Einige Gesundheitsexperten haben sich dazu nun kritisch geäußert.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete, kritisierte unter anderem der Ärztepräsident Klaus Reinhardt, dass viele Bundesländer trotz fehlender Stiko-Empfehlung mit den dritten Impfungen begonnen haben. Diese werden zunächst ausschließlich Risikopatientinnen und -patienten sowie Seniorinnen und Senioren angeboten.

Ohne Stiko-Empfehlung: Gesundheitsexperte kritisiert dritte Corona-Impfung

Es spreche zwar einiges für diese dritte Dosis, doch sie sei „nach bisherigem Kenntnisstand und Auffassung namhafter Experten für die meisten Geimpften nicht sofort nötig.“ Zudem fehlten noch informative Studien, ob, wann und für wen eine sogenannte „Booster-Impfung“ gegen Covid-19 notwendig sei.

BezeichnungCorona
VirusSars-Cov-2
InfektionskrankheitCovid-19
Quelle: Rki.de

„Da ist also von der Politik eine Erwartungshaltung bei den Patienten geschürt worden, die viele Ärztinnen und Ärzte ohne eine wissenschaftlich fundierte Impfempfehlung nicht bedienen wollen“, sagte Reinhardt. Der Fehler liege laut ihm bei Bund und Ländern.

Video: Kommt bald die dritte Corona-Impfung für alle?

Corona in Deutschland: Experten werfen Bund und Ländern fehlende Strategie vor

Auch der Grünen-Gesundheitschef Janosch Dahmen warf der Bundesregierung das Verschlafen einer Strategie für die dritte Corona-Impfung vor. „Zwar wurde ein Anspruch auf Auffrischungsimpfungen in der neuen Impfverordnung verankert, aber die konkrete Impfstrategie ist völlig unklar und selbst angesichts der vierten Welle im Sommer nicht vorbereitet worden“, kritisierte er gegenüber der Rheinischen Post. Die Regierung habe es verpasst, frühzeitig notwendige Daten zu erheben. Der Virologe Christian Drosten äußerte sich dazu, für welche Personengruppe eine Corona-Impfung* jetzt sinnhaft sei.

Zudem befürchte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach*, „dass jetzt viele mit einer dritten Impfung versehen werden, die davon nicht profitieren.“ Wie der Stiko-Chef Thomas Mertens erklärte, sei jedoch eine zeitnahe und konkrete Impfempfehlung in Planung.

Die Aufarbeitung sei im vollen Gange, ein genaues Datum könne aber noch nicht genannt werden. Ein neuer sogenannter Corona-Totimpfstoff von Valneva unterscheidet sich von den bisherigen Vakzinen und soll nun auch Impfskeptiker überzeugen. (Alina Schröder) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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