Experten uneins

Das bringt die 2G-Regel in der vierten Corona-Welle wirklich

Erste Bundesländer führen die 2G-Regel ein. Diese sieht Freiheiten nur noch für Geimpfte und Genesene vor. Lässt sich damit die vierte Corona-Welle verhindern?

Kassel - Die Corona-Fallzahlen steigen in Deutschland* weiter an. Das RKI warnt vor einer vierten Welle, die Impfquote sei viel zu niedrig, um die Überlastung der Kliniken zu vermeiden. Um die Pandemie-Lage im Herbst und Winter unter Kontrolle zu behalten, fordern immer mehr Experten die Verschärfung der Corona*-Regeln von 3G zu 2G.

Nur Geimpfte und Genesene hätten dann deutschlandweit Zugang zu bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens, ein negativer Test von nicht Geimpften reicht dann nicht mehr aus. Dafür würden weitere Auflagen, etwa die Belegungsgrenze, Abstandsregeln, zum Teil auch die Maskenpflicht, entfallen. Fraglich ist, wie sinnvoll die 2G-Regel im Hinblick auf den Infektionsschutz ist.

2G-Regel: Effekt auf vierte Corona-Welle fraglich

Die Meinungen zu dem Thema gehen auseinander. Während eine Ethikexpertin laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor einer Spaltung der Gesellschaft warnt, forderte etwa der Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery 2G bundesweit einzuführen.

Erste Bundesländer setzen bereits auf das 2G-Modell. Baden-Württemberg etwa will die Regel bei einer steigenden Belegung der Krankenhäuser verbindlich einführen. Auch in Hamburg können Ungeimpfte von Veranstaltungen und vom Restaurant­besuch ausgeschlossen werden, Gastronomen entscheiden darüber selbst.

Laut Jan Fuhrmann, Mathematiker an der Universität Heidelberg, könne man die konkrete Auswirkung der 2G-Regel im Vergleich zur 3G-Regel „kaum abschätzen“. „Prinzipiell ist unter medizinischen Fachleuten ohnehin umstritten, ob bei ungetesteten Geimpften und Genesenen oder bei Ungeimpften und negativ Getesteten ein größeres Restrisiko besteht, gerade ansteckend zu sein. Das hängt unter anderem davon ab, wie lange die Impfung oder Infektion beziehungsweise der negative Test zurückliegt“, sagte Fuhrmann im Gespräch mit dem RND.

Ist die 2G-Regel sinnvoll? Schließlich bringt nur ein negativer PCR-Test nahezu hundertprozentige Sicherheit vor Corona.

2G-Regel: Nur negativer PCR-Test gibt nahezu hundertprozentige Sicherheit

Dagegen hatte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) den Schritt zur „optionalen“ 2G-Regel damit begründet, dass Geimpfte und Genesene „keinen wesentlichen Anteil“ am Infektions­geschehen hätten.

Jedoch gibt es nun auch Gründe, die das Argument infrage stellen: die Ausbreitung der Deltavariante, das zunehmende Infektionsgeschehen in der Bevölkerung und die nachlassende Impfwirkung bei Älteren und Menschen mit schwachem Immunsystem. Mittlerweile ist klar, Geimpfte infizieren sich deutlich häufiger, als noch vor wenigen Monaten angenommen. Aktuell ist die WHO in Sorge wegen der neuen Corona-Variante „Mu“* aus Kolumbien - die auch für Geimpfte gefährlich werden könnte.

Das RKI geht bei einem negativen PCR-Test davon aus, dass mit einer nahezu hundertprozentigen Sicherheit eine Infektion ausgeschlossen werden kann. Und auch Antigen-Schnelltests, mit denen Ungeimpfte bislang meist Zutritt haben, müssen eine Infektion mit mindestens achtzigprozentiger Wahrscheinlichkeit ausschließen können.

2G-plus-G Regel: Schutz vor Corona in sensiblen Bereichen

Sinnvoll wäre es laut Modellierer Fuhrmann daher, das Ansteckungsrisiko „in besonders sensiblen Bereichen“ zu minimieren und hier eine 2G-plus-G Regel einzuführen. „Das hieße, dass man nur Geimpfte oder Genesene zulässt, die zusätzlich einen aktuellen negativen Test vorweisen können. Auch hier besteht aber die bereits von 2G bekannte Schwierigkeit, dass dann Personen, die sich aus verschiedensten Gründen nicht impfen lassen können, automatisch ausgeschlossen werden“, sagte Fuhrmann.

Auch in der Region Kassel gehen die Meinungen zur 2-G-Regel* auseinander. Das zeigt eine HNA-Recherche. (Luisa Ebbrecht) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bihlmayerfotografie/Imago

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