So minimieren Männer ihr Risiko

Coronavirus-Infektion gefährlicher für Männer: Ärzte beobachten erhöhte Werte dieses Enzyms

Männer erkranken häufiger an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 - und sie versterben auch häufiger infolge der Infektion. Wissenschaftler erforschen das Phänomen.

  • Die rasante Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie weltweit nimmt kein Ende: Mehr als 4.444.600 Fälle wurden bisher gemeldet. 
  • Bei der Analyse der Sterberaten fällt auf: Deutschland liegt mit einem Wert von 4,5 Prozent weit hinter anderen Ländern wie Italien (14 Prozent) oder Belgien (16,4 Prozent).
  • Doch in vielen Coronavirus-Risikogebieten beobachten Mediziner, dass mehr Männer von einem schweren Verlauf der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 betroffen sind als Frauen.

Update vom 15.05.: Enzym verantwortlich für schwere Covid-19-Verläufe bei Männern?

Weiterhin gibt Forschern die Tatsache, dass Männer häufiger an einer Coronavirus-Infektion versterben als Frauen, Rätsel auf. Dem Robert Koch-Institut zufolge war der Anteil der bis Ende April in Deutschland gestorbenen Coronavirus-Patienten unter Männern höher: 56 Prozent der Todesfälle entfiel auf Männer, obwohl sie nur 48 Prozent der Erkrankten stellten. Wie niederländische Forscher jetzt herausfanden, gibt es wohl einen Zusammenhang mit einem bestimmten Enzym, das bei Männern in höherer Konzentration nachgewiesen wird als bei Frauen. So ist der Wert des Angiotensin-Converting-Enzyms 2 (ACE2) in der Regel im Blut von Männern höher als bei Frauen. Der Wissenschaftler Adriaan Voors von der Universität Groningen und sein Team veröffentlichten ihre Erkenntnisse im Fachblatt European Heart Journal.

Das Enzym würde es dem Coronavirus erleichtern, in gesunde Zellen einzufallen und diese zu infizieren. Vor allem im Lungengewebe wiesen die Forscher erhöhte ACE2-Werte nach, was dem Wissenschaftsportal Spektrum zufolge den schweren Verlauf von Covid-19 erklären könnte, sobald das Virus die Lungen erreicht hat.

Zur Studie

Update vom 05.05.2020: Männer versterben häufiger an Covid-19 als Frauen - hormonelle Unterschiede als Ursache?

Betrachtet man die bisherigen Coronavirus-Infektionen* in Deutschland, fällt auf: Männer erkranken häufiger schwer an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 - und versterben auch häufiger daran als Frauen. So meldet der Spiegel unter Berufung auf Zahlen des Robert Koch-Instituts, dass 57 Prozent der Coronavirus-Todesfälle auf Männer entfallen. Auch weltweit belegen Zahlen, dass Männer gefährdeter sind, einen lebensbedrohlichen Verlauf zu erleiden. Als Hauptursache sehen Mediziner den ungesünderen Lebensstil: Männer rauchen häufiger, leiden häufiger an unerkanntem und unbehandelten Bluthochdruck oder Diabetes. Bei der Entstehung dieser Krankheiten spielt auch der Hormonhaushalt eine Rolle: So senkt der höhere Östrogen- und Progesteronspiegel im Körper von Frauen offenbar bis zu den Wechseljahren das Risiko, Bluthochdruck und Diabetes zu entwickeln.

Aktuell untersuchen US-amerikanische Forscher, ob eine höhere Konzentration der weiblicher Sexualhormone Östrogen und Progesteron Männer vor einem lebensbedrohlichen Covid-19-Verlauf bewahren könnte. In einer aktuellen Studie sollen insgesamt 75 Covid-19-Patienten mit den Hormonen behandelt werden, weitere 75 Krankenhaus-Patienten dienen als Kontrollgruppe. Vor allem in Östrogen legen Forscher ihre Hoffnungen: Dieses Hormon soll in der Lage sein, gefährliche entzündliche Prozesse im Körper* positiv zu beeinflussen und so im Falle einer Coronavirus-Infektion einen Immunschutz zu gewährleisten, der Komplikationen wie der Entwicklung einer Lungenentzündung entgegenwirkt.

Artikel vom 15.04.2020: Die Coronavirus-Pandemie ist vorherrschendes Thema in den Medien. Regierungen versuchen die negativen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in Grenzen zu halten, Virologen und andere Wissenschaftler entschlüsseln den Aufbau des Virus und entwickeln Medikamente* und Impfstoffe*. Die neuartige Krankheit wirft immer neue Fragen auf. Ein Forscherteam aus den USA befasste sich jetzt mit dem Fakt, dass mehr Männer als Frauen an Covid-19 erkranken - und auch häufiger durch eine Infektion mit Coronaviren versterben

Mehr zum Thema: Nochmal angesteckt? So wahrscheinlich ist eine Coronavirus-Infektion nach überstandener Krankheit.

Coronavirus: Alkohol und Rauchen erhöhen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf

"In Deutschland sind 66 Prozent der Verstorbenen Männer, 34 Prozent sind Frauen. Bei den Infizierten sind 52 Prozent männlichen und 48 Prozent weiblichen Geschlechts. Wir haben eine höhere Sterblichkeit unter Männern", zitiert die Tagesschau Marcia Stefanick, Medizin-Professorin am Institut für Präventionsforschung an der Stanford Universität in Kalifornien.

Dafür macht die Forscherin verschiedene Faktoren verantwortlich, allen voran allerdings das Rauchen. "Rauchen hat einen großen Einfluss, weil das Coronavirus die Atemwege befällt. Männer scheinen häufiger zu rauchen als Frauen", so Stefanick. In Hinblick auf das Rauchen gilt: Wer raucht, ist anfälliger für Lungenkrankheiten wie Lungenkrebs* und je mehr Zigaretten es am Tag sind, desto höher das Risiko zu erkranken. Vor allem in China, wo rund zehnmal mehr Männer rauchen als Frauen, erkläre das mit Sicherheit die deutlich höhere Sterblichkeit unter Männern. Im Iran, in Südkorea oder Italien zeichnet sich ein ähnliches Bild. In Hinblick auf Italien stellt Professorin Stefanick fest: "Hier gibt es laut Statistik sieben Millionen Raucher und nur 4,5 Millionen Raucherinnen. Auch Alkoholgenuss macht Corona-Infizierte offenbar anfälliger".

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Seltener schwere Covid-19-Verläufe bei Frauen durch bessere Abwehr

Neben einem ungesünderen Lebensstil beeinflussen auch genetische Faktoren den Verlauf von Coronavirus-Infektionen*. Genetisch bedingt sei das Immunsystem von Frauen robuster als das von Männern: "Das bedeutet, bei ihnen lässt sich ein besserer Impfschutz aufbauen als bei Männern. Das weibliche Geschlecht bekämpft außerdem Infektionskrankheiten besser", sagt Forscherin Marcia Stefanick. Das habe zur Folge, dass weltweit rund dreimal mehr Männer an einer Coronavirus-Infektion versterben als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt die Universität von Miami, die 4.789 Krankenakten von Covid-19-Patienten analysiert hat.  

Auch dass Frauen in der Regel besser auf ihre Gesundheit achten, sich gesünder ernähren und regelmäßiger als Männer zu Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen zum Arzt gehen, könnte eine Begründung dafür sein, warum sie seltener an einem schweren Covid-19-Verlauf erkranken.

Quellenhttps://coronavirus.jhu.edu/data/mortality; www.focus.de; www.tagesschau.de; www.spektrum.de; www.rki.de

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jg

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