Mentale Gesundheit

Das starke Geschlecht? Wie sich Stress und Depression bei Männern äußern

Stress im Job und dazu noch Freizeitstress: Viele Menschen wirtschaften sich herunter. Dabei ist Entspannung kein Hexenwerk.
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Ein schlechter Umgang mit Stress kann zu psychischen Erkrankungen bis hin zu Depressionen führen. (Symbolbild)

Männer wollen nach dem traditionellen Geschlechterrollenbild keine Schwäche zeigen. Doch vermehrter Stress kann zu psychischen Erkrankungen führen.

Männer gelten eher als Vorsorgemuffel*, was zum Beispiel die Krebsvorsorge oder den Gesundheits-Checkup angeht. Männer rauchen und trinken mehr und ernähren sich allgemein oft ungesünder als Frauen. Bekannt ist ebenfalls, dass Männer früher sterben. Auch bei der psychischen Gesundheit gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Laut Zahlen der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) geben in Deutschland acht Prozent der Männer – im Vergleich zu 13 Prozent Frauen – an, sich seelisch belastet zu fühlen.

Im Podcast ÄrzteTag gibt Dr. Gernot Langs, Chefarzt an der Psychosomatischen Klinik der Schön Klinik Bad Bramstedt, Informationen darüber, wie es um die mentale Männergesundheit in Deutschland bestellt ist.

Stress und Depression: Wie das männliche Selbstbild und psychische Erkrankungen zusammenhängen

Die Diagnose Depression werde bei Männern seltener gestellt als bei Frauen, aber dreimal so viele begehen Selbstmord, so Dr. Langs. Eine der Hauptursachen für Suizid sei Depression. Für Männer sei es häufig schwerer, über psychische Probleme zu sprechen. Ein Ausgangspunkt für seelische Belastungen ist laut Chefarzt Langs Stress. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist Stress sogar eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts.

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Movember: Im Zeichen der Männergesundheit

Der November steht seit einigen Jahren im Zeichen der Männergesundheit: Männer lassen sich Schnurrbärte wachsen und machen auf den sogenannten „Movember“ aufmerksam: eine Bewegung, um Aufmerksamkeit zu generieren und Spenden zu sammeln für die Erforschung und Vorbeugung gegen Prostatakrebs und andere Gesundheitsprobleme von Männern.

Doch wie gehen Männer mit Stress um? Stress an sich sei nichts Schlechtes, wie Langs betont. Wichtig sei der Umgang mit Stress und zu erkennen, wenn etwas zu viel wird. Männern falle es schwer zuzugeben, dass sie etwas nicht hinkriegen und damit (angebliche) Schwäche zu zeigen. Ein weiterer Faktor sei der Umgang mit Belastung und die Resilienz bei Männern: Häufig haben sie Erfolgsdruck in der Arbeit, aber auch der Ausgleichssport wird zum Wettkampf, die Beziehung soll perfekt laufen usw. Männer wollen oft die Besten sein. Dieser Leistungsgedanke in allen Bereichen verursache zusätzlichen Stress, der dann nicht zugegeben wird. Die häufige Folge: die Flucht in den Alkohol. Unter den häufigsten psychischen Diagnosen bei Männern sind Suchterkrankungen, Depression und Angststörungen.

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Wie kann man Männer bei der Gesundheitsvorsorge besser erreichen?

Bleibt die Frage, wie man zur Vorsorge und Behandlung von Stress und Depressionen bei Männern vorgehen kann. Wie kann man Männer in der Hinsicht besser erreichen? Dr. Langs berichtet im Podcast, dass einerseits die Partnerinnen und das soziale Umfeld ein wichtiger Anker für die Männer seien und sie gegebenenfalls dazu auffordern, sich Hilfe zu holen.

Aber er sieht auch im beruflichen Umfeld wichtige Ansätze: So könnten Betriebsärzte als Ansprechpartner fungieren und Handwerkskammern könnten Angebote zu Prävention und Aufklärung zur Verfügung stellen. Er sieht auch Vorgesetzte in der Pflicht, ihre Arbeitnehmer anzusprechen, wenn beispielsweise eine Alkoholsucht auffällt, statt dies zu tabuisieren und zu schweigen. Weitere wichtige Faktoren gegen Stress und daraus folgende psychische Krankheiten seien Sport und eine gesunde Ernährung. Außerdem könne man gerade derzeit das wachsende Online-Angebot wahrnehmen, zum Beispiel durch Online-Sprechstunden und Gesundheits-Apps.

Hier können Sie die ganze Folge mit Dr. Gernot Langs anhören.

Tipps der BZgA zur Stressbewältigung

  • Auszeiten einlegen: spätestens alle 90 Minuten fünf Minuten Pause
  • Prioritäten setzen
  • Fehler zulassen und mit provisorischen Lösungen zurechtkommen
  • Entspannungstechniken
  • Erreichbarkeit einschränken
  • mit dem Umfeld über Belastungen sprechen

(mad) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Quellen: bzga.de | Männergesundheitsportal.de

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